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Mesut Özil : Einer wie Messi und Ronaldo

„Er ist einer der meistunterschätzten Spieler der Liga, nur weil er kein Torjäger ist“: Mesut Özil Bild: AP

Mesut Özil umgibt auf dem Platz ein Flair wie keinen anderen deutschen Spieler - und doch wird der Real-Star noch immer unterschätzt. Mit Madrid will er nun über Dortmund nach Wembley ins Finale der Champions League.

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          Fußball-Quiz für Fortgeschrittene: Welcher deutsche Spieler hat zuletzt die Champions League gewonnen? Antwort: Didi Hamann, 2005 mit dem FC Liverpool. Falls in dieser Saison beide deutsche Mannschaften nicht den Titel holen, gäbe es zumindest Hoffnung, acht Jahre später doch noch einen Nachfolger für Hamann in der Champions League zu finden.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mesut Özil und Sami Khedira könnten dann die Fortschritte, die der deutsche Fußball in den vergangenen Jahren gemacht hat, auch im Finale von Wembley dokumentieren, sozusagen als letzte deutsche Chance.

          Özil kann man dabei getrost als leuchtendes Beispiel für die neue spielerische Klasse made in Germany betrachten. Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass keinen anderen deutschen Spieler ein ähnliches Flair auf dem Platz umgibt. Zuletzt genügte sogar ein ansonsten eher schmuckloser 3:1-Heimsieg über den Tabellensiebten Betis Sevilla, um den Ruhm des deutschen Mittelfeldspielers weiter zu mehren.

          „Er hat das Niveau von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo“, sagte Pepe Mel, der Trainer von Betis Sevilla, nach einer Vorstellung der Extraklasse des Deutschen. „Er ist einer der meistunterschätzten Spieler der Liga, nur weil er kein Torjäger ist“, fügte Mel hinzu. Das kann man so sehen. In der Vergangenheit ist Özil mitunter kritisch betrachtet worden, meist ging es dabei um seine Zurückhaltung jenseits des Spielfelds und beim Torabschluss.

          In der Vorrunde gab es für Özil und Co. keinen Sieg über die Borussia

          An Selbstbewusstsein aber hat es Özil als Profi noch nie gefehlt, in diesen Tagen schon gar nicht. „Wir sind Real Madrid - und das wollen wir auch zeigen. Wir fahren nach Dortmund, um zu gewinnen - und uns erst gar nicht aufs Rückspiel zu verlassen“, sagte Özil in einem „Kicker“-Interview.

          Beim ersten Spiel in der Vorrunde gegen den BVB sei Madrid noch überhaupt nicht im Rhythmus gewesen. „Da hat uns als Mannschaft viel gefehlt, während der BVB von der Euphorie lebte.“ Aber schon gegen Málaga habe man gesehen, „welche Probleme sie bekamen“.

          Türkisch? Deutsch? Madridista?

          Özil ist der erste Spieler dieses Landes, den man als internationalen Profi bezeichnen kann, ein Spieler, der buchstäblich die üblichen Grenzen hinter sich gelassen hat. In Gelsenkirchen, einer halben Stunde vom Dortmunder Stadion entfernt, ist Özil mit Wurzeln und einem Pass aus der Türkei großgeworden.

          Die Eltern seines Vaters gehörten zu den ersten Gastarbeitern, und so konkurrierten der DFB und der türkische Verband früh um das Talent. Nachdem sich Özil für Deutschland entschied, versuchte man ihn nach der WM 2010 zu einer Symbolfigur der Integration zu machen. Nun lebt und spielt Özil aber schon seit knapp drei Jahren in Madrid, einem der wenigen Weltklubs. Und es nicht abzusehen, ob und wann er Madrid verlässt. Real ist zu Özils Heimatklub geworden.

          In Gelsenkirchen geboren freut sich der Deutsch-Türke auf das Duell mit Dortmund

          Türkisch? Deutsch? Madridista? Es lässt sich nicht so leicht sagen, was der internationalste deutsche Spieler symbolisiert, in jedem Fall ist er eine multikulturelle Projektionsfigur, wie sie der deutsche Fußball bisher noch nicht kannte.

          Auf Facebook, ein Gradmesser weltweiter Popularität, hat Özil schon fast zehn Millionen Fans, die besten anderen deutschen Nationalspieler kommen auf gut eine bis knapp zwei Millionen, ähnlich wie Cristiano Ronaldo - nur Messi bleibt mit 44 Millionen auch virtuell unerreicht. Die spanischen Kollegen haben ihm das Kompliment gemacht, dass er doch hervorragend in die Nationalelf des Welt- und Europameisters passe, doch da entgegnet Özil:„Mittlerweile spielen wir in Deutschland genauso guten Tiki-Taka-Fußball wie ihr.“

          „In den Medien wird immer viel geschrieben“

          Kurz bevor das Duell gegen Dortmund ausgelost wurde, hat sich der mit den Jahren körperlich und mental immer robustere und technisch so filigrane Mittelfeldspieler auch über seine Beziehung zum in Madrid äußerst umstrittenen José Mourinho geäußert, dem Trainer, der sein riesiges Talent so früh erkannte und ihn zu Real holte.

          „In den Medien wird immer viel geschrieben. Aber was intern passiert, steht oft auf einem ganz anderen Blatt Papier. Ich kann nur sagen: Ich komme mit José Mourinho sehr gut klar. Er unterstützt mich, wo er nur kann, und ist für mich einer der besten Trainer, wenn nicht der beste Trainer der Welt“, sagte Özil im März in einem Interview mit der „Welt“.

          In der deutschen Nationalelf spielen sie längst schon spanisch

          Er habe sich unter Mourinho deutlich weiterentwickelt, sei konstanter geworden, und wenn Real das Pokalfinale im Derby gegen Atlético gewinne, dann wäre das für ihn schon der vierte Titel in drei Jahren - von der Champions League wollte Özil da noch gar nicht reden. Zweimal scheiterte er zuletzt mit Madrid im Halbfinale. Für diese Saison hat er eine bessere Idee. Real Madrid gegen den FC Bayern - das wäre für Özil ein „cooles Finale“.

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