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Aussortiert beim FC Arsenal : Was ist nur mit Mesut Özil los?

  • -Aktualisiert am

Wenig Spielzeit: Mesut Özil ist bei Arsenal nicht mehr gefragt. Bild: Picture-Alliance

Kaum Einsatzzeiten, keine Harmonie mit Trainer Unai Emery: Mesut Özil spielt beim FC Arsenal seit Saisonbeginn keine Rolle. Der Weltmeister will die „Gunners“ aber offenbar dennoch nicht verlassen.

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          Am vergangenen Wochenende sangen die Fans des FC Arsenal nach langer Zeit einmal wieder Mesut Özils Namen. Die Mannschaft hatte am zehnten Spieltag der Premier League im eigenen Stadion gegen Crystal Palace eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben, und im Angriff lief zu dem Zeitpunkt nicht mehr viel zusammen bei den „Gunners“. Eine Situation, in der Özil mit seinen klugen Offensivpässen, die in der Vergangenheit zu vielen Toren für die Londoner führten, vielleicht eine Hilfe gewesen wäre.

          Das Problem: Özil, ehemaliger deutscher Nationalspieler und Weltmeister von 2014, stand nicht im Kader, wieder einmal. In der laufenden Saison kam der 31 Jahre alte Fußballprofi in der Europa League noch gar nicht und in Englands Eliteliga erst zu einem einzigen Einsatz für den Klub, bei dem er seit sechs Jahren aktiv ist und bei dem er seit seiner Vertragsverlängerung vor anderthalb Jahren der mit Abstand am besten bezahlte Profi sein soll – mit angeblich 350.000 Pfund pro Woche.

          Die Özil-Rufe von den Rängen kann man als Solidarität mit dem Aussortierten deuten, wobei Özil beim Anhang zuletzt nicht mehr gänzlich unumstritten war. Man kann aber auch unterstellen, dass es sich dabei um eine Spitze der Fans gegen Trainer Unai Emery handelte, der trotz der auf den ersten Blick anständigen Saison immer mehr in die Kritik gerät. Dafür spricht, dass die Atmosphäre beim Stand von 2:2 gegen Crystal Palace so gereizt war, dass Kapitän Granit Xhaka bei seiner Auswechslung nach einer Stunde vom eigenen Anhang ausgebuht wurde, woraufhin sich der Schweizer zu Provokationen und Pöbeleien in Richtung der Zuschauer hinreißen ließ. Emery hat Xhaka zum neuen Teamkapitän ernannt, obwohl er bei Teilen des Publikums einen schweren Stand hat.

          Tabellenplatz fünf nach zehn Spielen in der Premier League ist durchaus in Ordnung für den FC Arsenal, der die Ambition hat, bald wieder in der Champions League zu spielen. Wobei die schlechten Saisonstarts der Konkurrenten Tottenham Hotspur und Manchester United Arsenal helfen. Auch der erste Platz in der Europa-League-Gruppe unter anderem mit Eintracht Frankfurt spricht – theoretisch – für Emery. Was aber in seiner zweiten Saison im Amt nach wie vor fehlt, das ist neben mehr Stabilität auch eine Spielidee, eine Identität, wie sie etwa Jürgen Klopp beim FC Liverpool kultiviert hat. „Ohne Zweifel hat Emery eine kritische Phase seiner Zeit bei Arsenal erreicht“, analysierte die BBC nach dem Spiel am Sonntag; der Spanier habe bislang nicht bewiesen, dass er nach dem von vielen herbeigesehnten Ende der späten Ära Arsène Wengers eine Verbesserung bewirkt habe.

          Özil würde dieser Einschätzung vermutlich zustimmen. Dass es zwischen ihm und Emery nicht unbedingt harmonisch zugeht, war schon in der vergangenen Saison sichtbar geworden. Bei einem Unentschieden, abermals gegen Crystal Palace, hatte Özil bei seiner Auswechslung zuerst Emerys zum Abklatschen ausgestreckte Hand ignoriert und dann seine Handschuhe auf den Boden geworfen. Dabei hatte Emery bei seinem Amtsantritt noch behauptet, er werde das Team um Özil herum aufbauen. Er beförderte den Deutschen sogar in den Zirkel der Kapitäne. Später gab Özil dem Sender „Sky Sports“ ein Interview, in dem er darüber sprach, dass Emery ihn bisweilen auch auf anderen Positionen als der von ihm bevorzugten „Zehn“ einsetzte: „Ich denke, meine beste Position ist die Zehn. Aber am Ende des Tages muss ich akzeptieren und respektieren, was der Trainer entscheidet.“ Das klang nicht nach Zustimmung.

          Özil hat in mehr als 230 Pflichtspielen für den FC Arsenal 43 Tore geschossen und 74 Treffer vorbereitet. Seit seinem Debüt in England hat er laut BBC außerdem 522 Torchancen eingeleitet, weit mehr als alle seine Mitspieler. Diese Kreativität war immer seine Stärke, und er wird sich fragen, warum Emery gegen Crystal Palace auf ihn verzichtete, obwohl es in den Tagen davor mit der 0:1-Niederlage gegen Premier-League-Aufsteiger Sheffield United und dem mühsamen 3:2 in der Europa League gegen Vitória Guimarães zwei Spiele gab, in denen Arsenal eine offensive Inspiration fehlte. Emery lässt sich zu dem Thema wenig entlocken, sprach zuletzt aber laut dem „Telegraph“ davon, dass Özil theoretisch zwar zur Verfügung stehe, es aber eine strategische Absprache mit der Klubführung gegeben habe, ihn nicht einzusetzen. Konkreter wurde er, als er Özil Anfang Oktober nicht in den Kader für das Europa-League-Spiel gegen Standard Lüttich (4:0) berufen hatte, in dem er eine Art B-Elf aufbot. „Als ich entschied, dass er nicht im Kader sein wird, lag das daran, dass andere Spieler es mehr verdienten.“

          Es halten sich Gerüchte, wonach Arsenal seinen Topverdiener loswerden will – wenn es sein muss, auch zur Leihe und unter Fortzahlung eines Teils seines üppigen Gehalts. Dem Sportportal „The Athletic“ sagte Özil jedoch, er werde in schwierigen Zeiten wie diesen nicht davonlaufen: „Ich gehe nirgendwohin.“ An diesem Mittwoch (20.30 Uhr) spielt Arsenal in der vierten Runde des Ligapokals gegen den FC Liverpool. Er ist zumindest mal wieder in den Spieltagskader berufen worden. In der dritten Runde des Wettbewerbs, gegen Nottingham Forest, spielte Özil ausnahmsweise von Beginn an. Am Arm trug er die Kapitänsbinde.

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