https://www.faz.net/-gtl-agx1t

Merle Frohms : Immer eine Hand am Ball

  • -Aktualisiert am

Kein Zufall: Bei Merle Frohms passt das Stellungsspiel. Bild: dpa

In den vergangenen Spielen glänzte sie mit ausgezeichneten Paraden, nun empfangen die Eintracht-Frauen den Tabellenführer: Torhüterin Merle Frohms steht gegen die Bayern im Fokus.

          2 Min.

          Wer Merle Frohms zuschaut, der gewinnt den Eindruck, als brauche die Eintracht- Torhüterin zum Arbeiten nur eine ihrer Hände. Links oder rechts? Völlig egal. Zuletzt zu sehen war das im Fußball-Bundesliga-Spiel der Eintracht gegen Essen. 2:0 hieß es am Ende für die Frankfurterinnen. Dass sie zu null gespielt haben, lag jedoch nicht an einem chancenlosen Gegner, im Gegenteil.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN
          Kim Maurus
          Volontärin.

          Aber Frohms war in jeder für die Eintracht gefährlichen Situation da. Ob in der 28. Minute mit der rechten oder in der 41. und 62. Minute mit der linken Hand. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Torhüter es schaffen, den Ball noch mit den Fingerspitzen zu berühren. Wohl aber, dass ihnen auch jedes Mal die Parade gelingt. Auch deshalb wurde der TV-Kommentator im Spiel gegen Essen nicht müde zu wiederholen: „Man sieht, warum Merle Frohms die Nummer eins in Deutschland ist.“

          Die Qualität der 26 Jahre alten Nationaltorhüterin wird gefragt sein, wenn die Eintracht-Frauen an diesem Sonntag (16.00 Uhr bei MagentaSport) im Stadion am Brentanobad auf den FC Bayern München treffen. Fünf Spiele, zwölf Punkte: Der Start der Eintracht in die Bundesliga-Saison war nicht schlecht. Doch die Bayern sind mit 15 Punkten Tabellenführer, haben mit Abstand die meisten Treffer erzielt (24) und nur ein Gegentor bekommen. „Natürlich ist das beeindruckend“, sagt Frohms. „Sie sind sehr eingespielt, da steckt schon sehr ein Plan dahinter.“

          Dass die Frankfurterinnen gegen diese Mannschaft keine Chance haben, glaubt die Torhüterin aber nicht. „Ich denke, wir müssen unseren Fokus erst mal auf eine stabile Defensive legen und hinten einfach möglichst wenig zulassen“, sagt sie. „Und hoffen, dass Bayern ungeduldig wird, und dann einen Überraschungsmoment schaffen.“

          „Viel routinierter geworden“

          Hinten einfach möglichst wenig zuzulassen, dabei wird auch Frohms eine entscheidende Rolle spielen – ob nun mit einer Hand oder anderen blitzschnellen Reaktionen. Was bei der Torhüterin aussieht wie ein Reflex, ist das Ergebnis zahlreicher Wiederholungen im Training. „Das ist natürlich kein Zufallsprodukt. Aber es freut mich und meinen Torwarttrainer umso mehr, wenn wir im Nachhinein sehen, da hat das Stellungsspiel einfach gepasst“, sagt Frohms.

          Die Torhüterin, die seit etwas mehr als einem Jahr für die Eintracht spielt, sieht ihre Leistung auch als Konsequenz der vergangenen Monate: „Ich bin viel routinierter geworden, und es wird immer selbstverständlicher, dass ich im Tor meine guten Aktionen habe und selbstsicher auftrete.“

          Ein großes Vorbild, um sich zu verbessern, hat sie nicht: „Ich picke mir eher Besonderheiten von anderen Torhütern heraus, von denen ich lernen möchte.“ Am italienischen Torwart Gianluigi Donnarumma etwa bewundert sie dessen ruhige und souveräne Ausstrahlung. „Sein Auftreten ist entgegen jeder Klischees, dass ein Torwart laut und verrückt sein muss.“ Bayerns Torhüter Manuel Neuer beobachtet sie gerne im Eins-gegen-Eins-Spiel und versucht, seine Techniken zu imitieren.

          Gegen die Münchnerinnen können diese Details entscheidend sein. Laut Frohms hängt vieles aber auch von der Einstellung ab, mit der die Mannschaft auf das Spielfeld geht. Dass ihre männlichen Kollegen bei der Eintracht jüngst eine Überraschung schafften, als sie den FC Bayern 2:1 besiegten, kam auch den Frauen gelegen. „Diese Leistung ist einfach ein gutes und zeitlich passendes Zeichen, das uns motiviert“, sagt Frohms.

          Gegen das Münchner Frauen-Team könne die junge Mannschaft ganz unbeschwert auftreten. „Das tut uns vielleicht ganz gut“, sagt sie. „Es einfach mal nach dem Motto anzugehen: Wir haben nichts zu verlieren.“ Mit Blick auf die Tabelle lässt sich einwenden: Eine Niederlage wäre trotzdem ein Verlust, immerhin ist das Saisonziel die Qualifikation für die Champions League. Wer Merle Frohms zuschaut, bekommt allerdings nicht den Eindruck, dass die Frankfurterinnen es den Bayern allzu einfach machen werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach der Flutkatastrophe : Warum ein Ehepaar jetzt an die Ahr zieht

          Tamara Segers und Reinhard Boll wollten helfen und bauten im Flutgebiet eine Kaffeebude auf, die für viele Betroffene zum Ankerpunkt wurde. Jetzt zieht das Ehepaar aus dem Münsterland selbst an die Ahr. Warum?

          Angst vor Inflation : Soll man jetzt Aktien kaufen?

          Viele Anleger haben Angst vor der Inflation – und davor, was sie für ihr Erspartes bedeutet. Wie man sein Geld schützen kann, erklären zwei Experten im Bürgergespräch der F.A.Z.