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Meistertrainer in England : Nicht nur Liverpool liegt Klopp zu Füßen

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„Ich weiß, dass ich in manchen Dingen gut bin und in wenigen Dingen sehr gut, und das ist genug“: Jürgen Klopp Bild: AFP

Der FC Liverpool wurde mit Jürgen Klopp erstmals seit 30 Jahren in England wieder Meister. Die Anerkennung, ja die Bewunderung für den Trainer reicht weit über die Stadtgrenzen hinaus. Warum ist das so?

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          Wer sagt eigentlich, dass es nicht wieder 30 Jahre dauert? Im Jahr 1990, als der FC Liverpool zum nun vorletzten Mal englischer Meister wurde, dachte schließlich auch niemand, dass erst das Jahr 2020 kommen müsste, bis die „Reds“ wieder den Titel holen würden. Der Trainer war damals Sir Kenny Dalglish, einer der großen Helden dieses Vereins. „Jürgen hat phantastische Arbeit geleistet“, sagte Dalglish über den neuen Meistertrainer, der die Saison an diesem Sonntag (17.00 Uhr bei Sky) mit dem Spiel in Newcastle beendet.

          Dalglish meinte damit nicht weniger als „das ganze Gefühl im Klub“. Kapitän Jordan Henderson sagte über den 53-Jährigen: „Ich habe am ersten Tag, als er hier zur Tür reinkam, gespürt, dass er alles verändert.“ Nichts gegen seine früheren Trainer, aber all die Erfolge der vergangenen 14 Monate – Meisterschaft, Champions League, Klub-WM, Uefa Super Cup – seien ohne Klopp nicht denkbar gewesen. „Wir folgen ihm. Wir glauben an ihn. Er hat uns an diesen Punkt gebracht.“

          Die Anerkennung, ja die Bewunderung für Klopp reicht weit über Liverpools Stadtgrenzen hinaus. Die Mannschaft ist auf allen Positionen mit Stars besetzt, einige zählen zu den besten Fußballern der Welt. Aber es war Klopp, der einem in den vergangenen Tagen aus sämtlichen Zeitungen mit seinem patentierten Siegerlachen ins Gesicht sprang. Er ist die Hauptfigur in dieser Geschichte. Er ist der Grund für den Erfolg. Sein Gesicht malen sie in Liverpool auf Hauswände. Seinetwegen freuen sich sogar Fußballfans in London und Birmingham für den FC Liverpool.

          Klar, nicht jeder würde gerne mal eine seiner brachialen Umarmungen am eigenen Leib spüren. Nicht jeder findet seine Jubelposen und sein kumpelhaftes Auftreten immer so charmant. Da wäre etwa Frank Lampard, der Trainer des FC Chelsea. Beim Gastspiel der Londoner in Liverpool am vergangenen Mittwoch geriet er mit Klopp und seinem Assistenten Pep Lijnders aneinander, als er sich über eine aus seiner Sicht lächerliche Freistoß-Entscheidung des Schiedsrichters aufregte. „It’s not a fucking foul“, polterte Lampard in Richtung der Liverpooler Bank – „Sit down!“, „Fuck off!“ Klopp gab ihm zu verstehen, er möge sich beruhigen.

          Später sagte Lampard, er habe sich über die Arroganz von Klopp und seiner Entourage geärgert. Klopp erwiderte, mit Emotionen während des Spiels habe er kein Problem, ganz im Gegenteil, aber den Arroganz-Vorwurf wollte er so nicht stehenlassen. „Hinterher so zu reden ist nicht okay. Frank muss das lernen. Er hat viel Zeit, um zu lernen, er ist ein junger Trainer. Aber er muss es lernen.“ Zum Verständnis: Frank Lampard ist nicht irgendein Schaumschläger. Er war Kapitän der Nationalmannschaft und hat als Spieler mit Chelsea Meisterschaften, Pokale, Champions und Europa League gewonnen. Ihn so zu schulmeistern, das muss man sich verdienen.

          Es ist Klopp selbst, der den Kult um seine Person bisweilen zu bremsen versucht. Etwa indem er bei sportlichen Entscheidungen von „wir“ spricht statt von „ich“ und wenn er auf die Arbeit seiner Ko-Trainer Ljinders und Peter Krawietz oder die des Sportdirektors Michael Edwards verweist. „Ich weiß, dass ich in manchen Dingen gut bin und in wenigen Dingen sehr gut, und das ist genug“, sagte er einmal. Einen Verein wie Liverpool zu managen bedeute für ihn: „Du musst starke Leute um dich haben, die sich in verschiedenen Bereichen besser auskennen als du.“ So hat er geschafft, woran sieben Vorgänger seit Kenny Dalglish gescheitert sind. Er hat den FC Liverpool zurück zum Glanz der siebziger und achtziger Jahre geführt und den Verein aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine erfolgreiche Zukunft ausgerichtet.

          Im Dezember hat er seinen Vertrag bis Mitte 2024 verlängert. Er wird dann neun Jahre Trainer in Liverpool gewesen sein. In Mainz und Dortmund war er zuvor jeweils sieben Jahre geblieben. „Das war mit Sicherheit das außergewöhnlichste und erfolgreichste Jahr meiner Karriere“, sagte Klopp: „Champions von Europa, England und der Welt zu sein, das passiert nicht so oft.“ Die BBC schrieb nach Liverpools Gewinn der Premier League, man müsse sich schon kräftig anstrengen, um sich vorzustellen, dass diese Liverpooler Mannschaft nicht noch etliche nationale und internationale Titel gewinnen wird – solange Jürgen Klopp ihr Trainer bleibt. Es wäre der Beginn einer Ära.

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