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Skandal im Weltverband : Mehrheit für Fifa-Präsident Blatter bröckelt

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Am Donnerstag soll in Zürich der 65 Fifa-Kongress beginnen Bild: AFP

Bisher galt die Wiederwahl von Fifa-Präsident Blatter als sicher. Doch nach den dramatischen Entwicklungen im Fußball-Weltverband kommen die abstimmenden Verbände ins Grübeln. Blatter selbst macht sich rar und sagt Termine ab.

          Nach den dramatischen Entwicklungen im Fußball-Weltverband mit Festnahmen und Suspendierungen scheint eine Mehrheit von Fifa-Chef Joseph Blatter bei der Präsidentschaftswahl am Freitag zumindest nicht mehr garantiert. Nach dpa-Informationen wollen die Vertreter der südamerikanischen Konföderation Conmebol bei internen Gesprächen am Donnerstag ihr Wahlverhalten ernsthaft überdenken. Zudem sollen Gespräche mit Funktionären der Uefa und der Concacaf-Zone aus Nord- und Mittelamerika gesucht werden. Die Uefa fordert eine Verschiebung der Wahlen.

          Blatter selbst hatte am Mittwoch auf einen öffentlichen Auftritt verzichtet und nur eine schriftliche Stellungnahme abgegeben. Dabei äußerte er sich nicht zu einer möglichen Verschiebung der Präsidentschaftswahl. Auch am Donnerstag machte sich Blatter zunächst rar und erschien nicht wie geplant zum Medizin-Kongress. Ursprünglich hatte er eine Begrüßungsansprache halten sollen. Einen Auftritt Blatters beim Treffen der europäischen Verbände am frühen Nachmittag in einem Hotel in Zürich wird es nach dpa Informationen ebenfalls nicht geben. Üblicherweise besucht der Fifa-Chef alle Konföderationssitzungen vor einem Kongress. Erster offizieller Termin des Schweizers sei die Kongresseröffnung um 17.00 Uhr in einem Theater in Zürich, hieß es.

          Die asiatische Konföderation AFC wiederholte hingegen am Donnerstag ihr Treuebekenntnis zu Blatter. In einem AFC-Statement hieß es: „Die Asiatische Fußball-Konföderation drückt ihre Enttäuschung und Trauer über die Ereignisse vom Mittwoch in Zürich aus, lehnt eine Verschiebung der Präsidentschaftswahlen am Freitag aber ab.“ Darüber hinaus stehe man zu der Entscheidung, „Fifa-Präsident Joseph S. Blatter zu unterstützen“. Die AFC hat bei der Wahl 46 von 209 Stimmen.

          Die Uefa hatte am Mittwoch eine Verschiebung der Wahlen angemahnt und sogar mit einem Boykott des Kongresses gedroht, der am Donnerstagnachmittag mit einem Festakt in einem Theater in Zürich beginnen soll. Ab 12.30 Uhr wollten die Europäer um Präsident Michel Platini und DFB-Chef Wolfgang Niersbach in einem Hotel in Zürich weiter beraten. Die Blatter-Kritiker der Uefa hatten sich vor dem Skandal als einzige Konföderation zu Gegenkandidat Prinz Ali bin al-Hussein bekannt.

          Fifa-Chef Sepp Blatter Bilderstrecke

          Nun könnte der Jordanier eventuell auch mit Unterstützung aus Südamerika rechnen. Dies würde allerdings noch nicht für eine Mehrheit reichen. Beide Konföderationen haben zusammen nur 63 Stimmen. Daher wird offenbar in bilateralen Verhandlungen eine Allianz mit den durch die Enthüllungen der amerikanischen Justiz ebenfalls stark belasteten Concacaf-Zone (35 Stimmen) gesucht.

          Sogar bei einem Dreierpakt müssten noch Einzelstimmen aus Afrika (54 Stimmen), Asien oder Ozeanien (11) für Al-Hussein gefunden werden, um Blatter gefährlich werden zu können. Concacaf-Chef Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und der frühere Conmebol-Vorsitzende Eugenio Figueredo (Uruguay) gehörten am Mittwoch zu den sieben in Zürich wegen Korruptionsverdacht festgenommenen Funktionären, die daraufhin von der Fifa von allen Fußball-Aktivitäten vorläufig suspendiert wurden.

          Der Präsident des englischen Fußballverbands, Greg Dyke, hat derweil den Rücktritt von Blatter gefordert. Dyke sagte der britischen Nachrichtenagentur Press Association in der Nacht zum Donnerstag: „Sepp Blatter muss als Fifa-Präsident gehen.“ Solange Blatter da sei, gebe es keinen Weg, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen, betonte Dyke. Am Mittwoch hatten Ermittler sieben Fifa-Funktionäre auf Antrag der amerikanischen Justiz in Abschiebehaft genommen. Ihnen werden organisiertes Verbrechen und Korruption vorgeworfen.

          Die amerikanische Justiz hat derweil auch gegen den früheren Chef des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol in Paraguay, Nicolás Leoz, einen internationalen Haftbefehl erwirkt. Der 86-Jährige habe sich daraufhin sofort in eine ihm selbst gehörende Klinik in der Hauptstadt Asunción bringen lassen, berichtete der Radiosender 780 AM. Ein Sprecher des paraguayischen Außenministeriums habe den Eingang des internationalen Haftbefehls aus den Vereinigten Staaten bestätigt, berichtete die Zeitung „Última Hora“. Leoz war von 1986 bis 2013 Chef des Conmebol.

          Unterdessen stellte sich der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner der Polizei in seinem Heimatland Trinidad und Tobago. Er soll bald gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt werden, wie örtliche Medien am Mittwoch berichteten. Zunächst sei Warner aber noch in Gewahrsam geblieben, korrigierte die Zeitung „Trinidad Express“ frühere Angaben. Der ehemalige Fifa-Funktionär, 2011 aus dem Amt gedrängt, müsse auch seinen Pass abgeben und sich zweimal pro Woche bei der Polizei melden. Der nächste Gerichtstermin findet im Juli statt.

          Zuvor hatte die amerikanische Justiz die Auslieferung Warners beantragt. Die Ermittler werfen ihm organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vor. „Derartiges Fehlverhalten hat im Fußball keinen Platz. Wir werden dafür sorgen, dass alle daran beteiligten Personen aus dem Fußball entfernt werden“, sagte Blatter in einem Statement zu den juristischen Verfehlungen der Funktionäre, die vom Weltverband noch am gleichen Abend suspendiert worden waren.

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