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Mehmet Scholl : TV-Star im Regionalprogramm

Le star, c´est moi! Trainer Scholl findet seine Bayern-Spieler „ein Stück weit unberechenbar“ Bild: Jockisch, Anna

Mehmet Scholl steckt in der Klemme: Er befindet sich irgendwo zwischen dem erstklassigen Anspruch als ARD-Experte und der viertklassigen Wirklichkeit als Bayern-Trainer.

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          Fehlpass in der eigenen Hälfte. Der Mann auf der weißen Plastik-Parkbank springt auf, als hätte er einen Skorpion im Hosenbein. „Sagt mal, seid ihr besoffen?“, brüllt er. Heiterkeit beim umstehenden Volk, es ist ja gerade Oktoberfest.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Wo Mehmet Scholl ist, ist ein Spruch nie weit. Wenig später wieder. Im entfernten Eck des Spielfelds kollabiert der Versuch eines Pressings wie eine Bierleiche auf der Wiesn. Scholl hält es nicht aus, federt wütend hoch. Offenbar hatte man gerade das geübt. „Die vergessen noch die Namen ihrer Mütter“, kräht er. Und schmeißt die Trinkflasche weg.

          Die Fernsehfigur ist deutlich erfolgreicher als der Fußballlehrer

          Kommenden Dienstag wird er in deutlich ruhigerem Ton reden, beim WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden (20.45 Uhr/ live in ARD und im F.A.Z.-Liveticker). Der erste TV-Auftritt nach dem Rüffel durch seinen Haupt-Arbeitgeber. Karlheinz Rummenigge hat Scholl kürzlich vor die Wahl gestellt: Experte oder Trainer. ARD oder FC Bayern. „Wenn Scholls Verträge mit Fernsehen und Werbung auslaufen, werden sie auch nicht verlängert. Basta“. Wie er sich nach der WM 2014 wohl entscheiden wird? Die Fernsehfigur Scholl ist bisher deutlich erfolgreicher als der Fußballlehrer Scholl. Vorvergangenen Dienstag gab es für seine EM-Kommentare den Deutschen Fernsehpreis.

          Auch als Trainer ist Scholl fernsehreif. Ein grauer, kühler Sonntag, Regionalliga Bayern, FC Bayern II gegen FC Ismaning: Kein Sender überträgt, dennoch kommentiert Scholl ständig das Geschehen. „Positionen!“, ruft er zigmal. Keine Position verändert sich. „Wieso?“, bellt er zwei Ersatzspieler an. „Wieso kriegen wir das nicht in eure Birnen rein?“ Keine Antwort. Mit rollenden Augen dreht er sich zu Wolfgang Dremmler, dem Chef der Bayern-Jugendabteilung: „Was kann man da tun?“ Dremmler zuckt mit den Schultern.

          Fünfzehn Jahre war er der Glamour-Kicker des FC Bayern, der Mann fürs Feine, Freche, Filigrane. Einer für die Weltbühne Fußball. Heute gastiert er in Provinztheatern wie in Buchbach oder Rain am Lech, in Stadien, die mal grimmig „Hauptkampfbahn“ heißen, mal idyllisch Grüne Au oder Schönbusch. Und immer wieder im Sportpark Heimstetten, der Heimstatt der Bayern-Amateure, solange das Grünwalder Stadion saniert wird.

          Der Sportpark Heimstetten ist keine Show-Bühne, es ist ein Ort, an dem man mit Fleiß und Schweiß ein hartes Brot verdient. Rechteckige Hecken um rechteckige Spielfelder, umringt von rechteckigen Neubauten, quaderförmiger Wohnkomfort am Ortsrand. Stangen am Spielfeldrand, an denen Rentner und Familienväter lehnen. Die kleine, schütter besetzte Tribüne mit Bandenwerbung für Metzger, Klempner, Wirtshäuser. Hundert Meter dahinter, schallgeschützt, der Münchner Autobahnring. Der Arbeitsplatz von Mehmet Scholl.

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