https://www.faz.net/-gtl-94mhp

Scholl-Kritik an Trainern : „Kinder können 18 Systeme rückwärts laufen und furzen“

  • Aktualisiert am

Ist wieder einmal deutlich geworden: Der frühere Fußball-Nationalspieler Mehmet Scholl Bild: dpa

Fußball-Fernseh-Experte Scholl echauffiert sich in einem Interview über die heutige Generation von Trainern – und kritisiert zwei von ihnen sogar persönlich. Ein Altmeister springt den Jungen zur Seite.

          Der frühere Fußball-Nationalspieler Mehmet Scholl sorgt mit seiner Kritik an jungen Bundesliga-Trainern für viel Ärger und Kopfschütteln. Stuttgarts Trainer Hannes Wolf reagierte mit Unverständnis. „Ich mag ihn eigentlich sehr, vor allem seine Kreativität. Aber dass er sich jetzt moralisch über die Trainer stellt, die keine Profikarriere hatten, finde ich grenzwertig“, sagte der Coach des VfB Stuttgart nach dem 0:2 gegen Bayer Leverkusen. Auch VfB-Sportvorstand Michael Reschke regte sich am Freitag auf: „Ich hoffe, er weiß selber, dass es absolute Grütze ist, die er da erzählt hat.“

          Scholl hatte im Bayerischen Rundfunk die heutige Trainergeneration attackiert und auch Wolf angesprochen. „Die Tedescos, die Wolfs - sie sprießen aus dem Boden, und der deutsche Fußball wird sein blaues Wunder erleben“, sagte der 47-Jährige in der Radiosendung „Mehmets Schollplatten“ im Bayern 2 Nachtmix. Diese Systemtrainer richteten vor allem im Jugendbereich Schaden an. „Die Kinder dürfen sich nicht mehr im Dribbling probieren“, sagte Scholl. „Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen.“

          In der „Bild“-Zeitung bekräftigte Scholl seine Kritik: „Ich stehe selbstverständlich zu meinen Worten.“ Und er legt nach: „Was wir jetzt in den Europapokalspielen erlebt haben, ist erst der Anfang. Wir fahren gegen die Wand.“ Scholl hatte auch die Trainerausbildung beim Deutschen Fußball-Bund in Köln schlecht gemacht und den Kurs als „elf Monate Gehirnwäsche“ bezeichnet.

          Dagegen verwahrte sich Chefausbilder Frank Wormuth (57), seit 2008 Leiter der Trainer-Ausbildung an der Hennes-Weisweiler-Akademie des DFB. Der „Bild“ sagte Wormuth: „Inhaltlich entbehren diese Aussagen jeglicher Grundlage. Ich sehe nur einen Hilferuf eines Enttäuschten.“

          Trainer Manuel Baum vom FC Augsburg betonte bei Sport1, man wolle Spieler nicht einschränken und ihnen die Kreativität nehmen. In Augsburg stehe der Mensch ganz klar im Vordergrund. „Dass man heutzutage mehrere Systeme spielen muss, ist normal. Damit wachsen die Spieler auf und haben später im Profi-Bereich gar keine Probleme mehr“, sagte Baum. „Ich sehe das alles halb so wild.“

          Bundesliga-Coach Wolf: Scholls eigene moralische Überhöhung findet er „grenzwertig“

          Weitere Themen

          Besser sein als die Männer Video-Seite öffnen

          Snowboarderin Anna Gasser : Besser sein als die Männer

          Ihre spektakulären Sprünge haben Anna Gasser berühmt gemacht. Als erster Frau gelang ihr ein „Cab Triple Underflip 1260“. Ihr Ansporn: Sie will nicht nur die beste Snowboarderin sein, sie will auch den Männern Konkurrenz machen.

          Topmeldungen

          Wenn Details stören : Weiß die SPD, was Hartz IV ist?

          Mit ihrem neuen Sozialstaatskonzept schielt die Partei auf Wähler. Besser wäre, sie schaute auf die Wirklichkeit. Denn die Statistiken verraten so einiges über Hartz IV – sowohl positive als auch negative Entwicklungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.