https://www.faz.net/-gtl-9zmmc

„Trump sät Hass“ : Megan Rapinoe for President

  • Aktualisiert am

Wie eine Regierungschefin: Reden auf der großen Bühne beherrscht Megan Rapinoe schon wie hier bei der WM-Siegesfeier in New York. Bild: AFP

Frauenfußballstar Megan Rapinoe provoziert Donald Trump nur zu gerne. Jetzt spricht sie über eine pikante Idee. Ihr jüngster Seitenhieb dürfte dem amerikanischen Präsidenten wieder die Zornesröte ins Gesicht treiben.

          3 Min.

          Megan Rapinoe teilt nur zu gerne gegen Donald Trump aus. Die Weltfußballerin bezeichnete den amerikanischen Präsidenten schon offen als Sexisten, sie kniete aus Solidarität mit dem von Trump abgestraften Footballspieler Colin Kaepernick und verweigerte einen Besuch im Weißen Haus. Dass Rapinoe nun öffentlich mit dem Präsidentenamt der Vereinigten Staaten kokettiert, dürfte Trump abermals die Zornesröte ins Gesicht getrieben haben.

          „Präsidentin, natürlich!“, antwortete die amerikanische Weltmeisterin im Interview mit Vice TV auf die Frage nach ihrem Traumjob. Sie wisse selbst, dass das „wild klingt“, aber: „Ich schlage die Tür nicht komplett zu.“ Und mit einem Lachen ergänzte sie: „Wenn ich es tue, will ich den höchsten und krassesten Posten.“

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Die 34-Jährige engagiert sich schon länger als Aktivistin für die LGBTQ-Bewegung und kämpft unermüdlich gegen Rassismus, Homophobie und Geschlechterdiskriminierung. Megan Rapinoe, die ihre Tore im Stile einer Zirkusdompteurin mit weit ausgebreiteten Armen feiert, nutzt ihre Popularität und die große Bühne oft für politische Botschaften. So auch jetzt.

          Die Nationalspielerin, die für das jüngst vom Topklub Olympique Lyon als amerikanisches Pendant übernommene Team OL Reign in der amerikanischen Profiliga WSL spielt, sieht die Vereinigten Staaten unter Trump, den sie offen einen „weißen Nationalisten“ nennt, auf einem gefährlichen Weg. Aus dem Weißen Haus heraus werde „Hass gesät“, die Gesellschaft gespalten und Ängste geschürt. „Es gab keinen Weg nach vorne“, urteilte Megan Rapinoe.

          WM-Bühne für Botschaften genutzt

          Die mit einer Basketballspielerin liierte zweimalige Weltmeisterin und Olympiasiegerin macht sich für die Einbeziehung von ethnischen Minderheiten und Frauen in den politischen Diskurs stark und klingt dabei tatsächlich wie eine Politikerin mit höchsten Ambitionen. Während und nach der WM im vergangenen Jahr nutzte sie Pressekonferenzen und Siegesfeierlichkeiten auch immer wieder couragiert, um politische Botschaften zu verkünden. Ihre Themen waren meist Gleichstellung von Mann und Frau im Sport wie im Beruf und der Kampf gegen weitere Diskriminierung jeder Art. Sie dominierte das Turnier in Frankreich auf diese Weise auf wie neben dem Platz. Sie erzielte sechs Tore, darunter auch den Führungstreffer beim 2:0-Finalsieg gegen die Niederlande.

          Zuletzt war die derzeit beste Fußballerin der Welt auch die Vorkämpferin im Rechtsstreit der amerikanischen Fußballfrauen gegen den eigenen Verband: Die Spielerinnen fordern seit langem mindestens die gleiche Bezahlung wie die männlichen amerikanischen Nationalspieler. Sie können dabei auf ihre Erfolge und die Erfolglosigkeit ihrer männlichen Kollegen verwiesen: Während die Frauen 2019 bereits zum vierten Mal den WM-Titel eroberten und sich viermal Olympiagold sicherten, scheiterten die Männer zuletzt unter Trainer Jürgen Klinsmann an der Qualifikation für das WM-Finalturnier 2018 in Russland.

          Die streitbare Megan Rapinoe beherrscht bei ihren Auftritten stets die Kunst der Rede wie der Argumentation und ist um keinen Kommentar verlegen. Doch die Angreiferin, die bei der vergangenen WM als beste Torschützin und Spielern überragt hatte, sieht dennoch andere Menschen für das Oval Office noch deutlich besser qualifiziert.

          Ein Dorn im Auge von Konservativen

          „Ich mache hier nicht einen auf 'Ich bin die Klügste, ich sollte Präsidentin sein'“, sagte sie: „Tatsächlich bin ich ziemlich ungeeignet für jegliche Position in der Regierung. Aber ich bin bescheiden genug, um anderen zu sagen: 'Du bist schlauer, du machst dies und jenes'.“ Auch das war ein Seitenhieb gegen Trump, der seine täglichen Pressekonferenzen zur Corona-Krise und seine berüchtigten Twitter-Tiraden oft zur Diffamierung Andersdenkender und für eine zweifelhafte Selbstinszenierung benutzt.

          Megan Rapinoe ist nicht nur in dieser Hinsicht das komplette Gegenteil von Trump, der der Stürmerin via Twitter mal geraten hatte, sie solle „niemals unser Land, das Weiße Haus oder unsere Flagge geringschätzen“. Auch anderen konservativen Amerikanern ist Megan Rapinoe, die sich selbst mal als „wandelnden Protest“ bezeichnet hatte, mit ihren pinkfarbenen Haaren und den ultraliberalen Ansichten ein Dorn im Auge.

          Dass eine Frau ohne Politikerfahrung, dazu noch eine bekennende Feministin, die stolz zu ihrer Homosexualität steht, in naher Zukunft ins Weiße Haus einziehen und dort regieren könnte, ist nahezu ausgeschlossen. Doch Chancen hatte man wenige Monate vor der Wahl zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten auch Trump nicht eingeräumt.

          Weitere Themen

          Angriff als einzige Verteidigung

          Trump in Bedrängnis : Angriff als einzige Verteidigung

          Vier Monate vor der Wahl befindet sich Donald Trump am Tiefpunkt. Statt Amerika zu versöhnen, spaltet er – selbst am traditionell unpolitischen Unabhängigkeitstag. Zu einer Korrektur ist er nicht bereit.

          Topmeldungen

          Werder Bremen: Pure Freude

          Werder bleibt in Bundesliga : Mit Ach und Krach

          „Scheiß Saison, gutes Ende“: Werder bleibt der Fußball-Bundesliga doch noch erhalten, Trainer Florian Kohfeldt ist einfach nur froh. Beim 1. FC Heidenheim genügt den Bremern ein 2:2-Remis, sie profitieren von einem kuriosen Eigentor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.