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Bundesliga-Fernsehrechte : Warum Sky „dramatisch unter Druck“ steht

  • Aktualisiert am

Übertragungsrechte werden neu verhandelt: Fällt Sky aus der Reihe? Bild: Picture-Alliance

Der Verkauf der Medienrechte der Fußball-Bundesliga geht in die nächste Runde. Die Bewerber sind vielfältig. Für den bislang wichtigsten Finanzier der Liga könnte es heißen: Alles oder Nichts?

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          Der Milliarden-Poker hat begonnen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat an diesem Montag den ersten formalen Schritt beim Verkauf der Medienrechte vollzogen: Die Ausschreibung zur Vergabe an den deutschsprachigen Rechten für die vier Spielzeiten von 2021/22 bis 2024/25 ist angekündigt und die Registrierungsphase gestartet. Vor allem für Sky, seit Jahren der wichtigste Partner und Finanzier der Liga, beginnt jetzt die heiße Phase.

          Vor ein paar Wochen war Sky beim Poker um die TV-Rechte der Champions League überraschend gescheitert. Durch das unerwartete Königsklassen-Aus des einstigen Pay-TV-Monopolsenders ist eine neue, sehr lukrative Position für die Bundesliga entstanden. „Sky muss jetzt handeln“, sagte dazu der Rechte-Experte Kay Dammholz, früher selbst bei der DFL beschäftigt.

          Ähnlich sieht es Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Bei der Champions-League-Ausschreibung ist etwas passiert, womit keiner gerechnet hat“, sagte der Bayern-Boss kürzlich beim Kongress Spobis und fügte in Bezug auf Sky an: „Jetzt stehen sie nackt da.“ Nicht nur Rummenigge folgerte daraus für den nun startenden Vergabeprozess: „Das setzt sie dramatisch unter Druck.“ Die Fußball-Übertragungen sind gewissermaßen die Keimzelle des Bezahl-Senders, der vor 29 Jahren unter dem Namen Premiere das erste Spiel live im Pay-TV übertragen hat. Die derzeit 572 Einzel-Spiel-Übertragungen der beiden Bundesligen pro Saison und die Konferenzen gelten als Kern des Unternehmens und wichtigstes Verkaufsargument für die Abonnements.

          Aktuell kassiert der deutsche Profifußball insgesamt 1,2 Milliarden Euro pro Saison aus den nationalen Rechten (inklusive Zusammenfassungen im Free-TV), dazu kommen ein paar hundert Millionen aus der ganzen Welt. Als mögliche Interessenten an den neuen Live-Übertragungen der Bundesliga gelten neben den bisherigen Rechte-Inhabern Sky und dem erst seit 2016 aktiven Streaming-Dienst Dazn auch Amazon, das sich schon ein Paket der Champions League sicherte, Netflix sowie die Deutsche Telekom, die zuletzt EM-Rechte für 2024 erworben hatte. Selbst Apple, Disney und Google werden gehandelt. „Die Ausschreibung erfolgt in einem offenen, transparenten und diskriminierungsfreien Verfahren“, ließ die DFL an diesem Montag wissen.

          Laut deren Chef Christian Seifert wird es bei den Live-Übertragungen der Bundesliga vier Rechtepakete geben. Dazu kommen zwei Pakete für die 2. Liga, ein Paket mit neun Live-Partien für das Free-TV und sieben Pakete für die Höhepunkt-Spielberichte. Folgende Live-Pakete sollen nach bisherigen Informationen in die bevorstehende Auktion:  1. Alle Spiele in der Konferenz. 2. Die Einzelspiele am Samstagnachmittag. 3. Die Partie am Samstagabend. 4. Die einzelnen Begegnungen am Freitagabend und am Sonntag. Es muss mindestens eines der vier Bundesliga-Pakte an einen Pay-TV-Sender mit Satelliten- und Kabelnetzzugang gegeben werden, sollten Streamingdienste die höchsten Gebote abgeben. Umgekehrt müssten zwei Pakete auch für Streaming-Dienste zugänglich gemacht werden, falls ein „klassischer“ Sender wie zum Beispiel Sky alle vier Pakete erwerben sollte.

          DFL-Chef Seifert kann neue Rekordsummen in der Vermarktung anstreben.

          Branchen-Experten bezweifeln, dass Sky ohne Bundesliga-Rechte überlebensfähig wäre. Sie meinen, es gehe für den Sender jetzt um Alles oder Nichts. Seit seiner Gründung hat das Unternehmen nahezu durchgängig Verluste geschrieben. Lucas von Cranach, Geschäftsführer der Plattform „Onefootball“, ist der Meinung, dass in Deutschland „die Rechtehalter nicht profitabel“ arbeiten.

          Offensichtlich ist auf jeden Fall der Sparkurs bei Sky, seitdem der Medienmogul Rupert Murdoch die Mehrheit an den Kabelkonzern Comcast verlor. Dem fielen nicht nur zahlreiche Stellen zum Opfer, sondern letztlich auch die Rechte für die Champions League. Sie waren schlicht zu teuer. Jetzt muss das Unternehmen um die Bundesliga kämpfen – und will das auch. „Sky ist die Nummer 1 für alle Sportfans – heute und in Zukunft“, sagte ein Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Grundlage hierfür sind exklusive Sportrechte. Wie in der Vergangenheit auch gehen wir optimal vorbereitet in die kommende Ausschreibung.“

          Immer wieder neue Anbieter streiten um das Recht, Fußball zu zeigen.

          Auch für die Bundesliga sieht Rechte-Experte Dammholz ein „begrenztes Budget von der neuen Mutter Comcast“, wie er auf dem Spobis sagte. Durchschnittlich 876 Millionen Euro pro Jahr zahlt Sky derzeit pro Saison für den laufenden Vierjahresvertrag mit der DFL. Das dürfte bei der neuen Ausschreibung nicht reichen. Die Liga will schließlich immer mehr. Und die Konkurrenz wird immer schärfer und größer.

          Andererseits hat Sky schon einiges überstanden. Etwa 2002 die große Kirch-Krise und das letztlich gescheiterte Experiment des Pay-TV-Neulings Arena in der Saison 2006/2007. Und der Verlust der Champions-League-Rechte hat auch einen Vorteil: Sky hat Geld gespart.

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