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Mats Hummels im Gespräch : „Erfahrung zählt für mich gar nichts“

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Fußball-Fan Mats Hummels: „Ich schaue viel zu viele Spiele” Bild: dapd

Mats Hummels steht gegen Brasilien vor seinem achten Fußball-Länderspiel. Im F.A.Z.-Interview spricht der Innenverteidiger über Strategien gegen unangenehme Stürmer, Hilfe von Mitspielern und die Unterschiede zwischen Dortmund und dem Nationalteam.

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          Mats Hummels ist laut Kicker-Statistik der beste Feldspieler der Bundesliga. Gegen Brasilien steht er an diesem Mittwoch vor seinem achten Länderspiel.

          Sind Sie Fußballfan?

          Ja. Und zwar so, dass ich mir viel zu viele Spiele anschaue, die für viele andere ziemlich uninteressant wären.

          „Natürlich freut es mich, dass meine Leistungen wahrgenommen werden”
          „Natürlich freut es mich, dass meine Leistungen wahrgenommen werden” : Bild: dapd

          Und zwar?

          Livespiele der zweiten Liga, sonntags die Zweite-Liga-Konferenz, gestern auch das Spiel um die Community Shield zwischen Manchester United und Manchester City.

          Auch aus beruflichen Gründen, um gegnerische Stürmer oder begabte Kollegen zu studieren?

          Wenn ich mir zu Hause etwas ansehe, dann meist nur als Fan. Aber wenn ich mir unsere Spiele von Borussia Dortmund noch mal anschaue, dann interessiere ich mich genau dafür, was ich hätte anders machen können oder was gut war. Oder vor Spielen: Da gucke ich mir an, welche besonderen Merkmale hat der Gegner, welche Bewegungen machen die Stürmer. Zum Glück kann man ja mittlerweile auf Youtube über jeden Spieler der Welt etwas finden.

          Was wissen Sie also über Brasilien?

          Ich habe mir bei der Copa America jetzt einiges angeschaut, und deshalb weiß ich, dass sie keine guten Elfmeter schießen (Brasilien schied im Viertelfinale gegen Paraguay nach vier verschossenen Elfmetern aus). Ich weiß natürlich, dass sie richtig viel Potential in der Offensive haben, dass sie aber mittlerweile auch über eine Abwehr verfügen, die zu den besten der Welt gehört. Und ich weiß, dass es, egal, wer von den Offensivkandidaten spielt, ob Neymar, Pato, Robinho oder Fred, eine richtige Herausforderung wird.

          Wie sieht der unangenehmste Gegenspieler für Mats Hummels aus? Wie Lionel Messi?

          Das kommt auch auf die Spielweise des Gegners an. Wenn der Gegner mit vielen weiten hohen Bällen agiert, dann ist es unangenehm für mich, wenn der Stürmer genauso groß und genauso schwer wie ich ist. Ich arbeite viel damit, dass ich den Gegner wegdrücke. Das heißt, dass er gar nicht erst in den Raum kommt, in dem der Ball heruntersegelt und der Stürmer kopfballgefährlich werden kann. Und je schwerer der Gegner ist, desto schwieriger wird es natürlich.

          Wie wichtig ist für die eigene Leistung die Klasse des Innenverteidiger-Kollegen?

          Die eigene Leistung ist mit Abstand das Wichtigste. Aber wenn man sich auf seine Nachbarn, den Innenverteidiger und in meinem Fall, weil ich innen links spiele, den Linksverteidiger, verlassen kann, dann hilft das ungemein in der öffentlichen Wahrnehmung der eigenen Leistung. Wenn mir dreimal einer durchrutscht und Neven (der Dortmunder Partner Subotic) grätscht den Ball jedes Mal weg, bevor etwas passieren kann, dann wird mein ansonsten schwaches Spiel als gut empfunden. Schießt der Gegner aber drei Tore, dann war ich schlecht.

          Dann sind Sie also der laut "Kicker"-Statistik beste Feldspieler der Bundesliga, weil Neven Subotic ein so guter Mitspieler ist?

          Ich kenne die Statistik natürlich auch. Aber die Notengebung ist subjektiv. Sie lässt einen Trend erkennen, mehr nicht.

          Aber auch Neven Subotic bezeichnet Sie als besten Verteidiger von allen, sich eingeschlossen. Subotic behauptete einmal: Die Stürmer würden lieber auf ihn zulaufen als auf Sie. Wie gehen Sie mit einem solchen Lob um?

          Natürlich freut es mich, dass meine Leistungen wahrgenommen werden, wie beim "Kicker". Aber es verändert meine Einstellung zum Fußball in keiner Weise. Und auch die Gegner wird es nicht dazu bewegen, nicht mehr auf mich zuzulaufen. Neven hat da ein klein wenig übertrieben. Ich glaube auch nicht, dass ich besser bin als er.

          Wie gut sind Sie wirklich, und wo sehen Sie noch Entwicklungsmöglichkeiten?

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