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Torhüter Marvin Schwäbe : Ausbildung mit Triumph beendet

  • -Aktualisiert am

Hoch den Pokal: Marvin Schwäbe freut sich über den dänischen Meistertitel. Bild: Imago

Erst dänischer Meister mit Brøndby, nun Bundesliga in Köln? Torhüter Marvin Schwäbe will „den nächsten Schritt gehen“ und freut sich dementsprechend über den Ligaverbleib des FC.

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          Gehen, wenn es am schönsten ist – da muss Marvin Schwäbe lachen. „Dieser Satz trifft voll und ganz zu.“ Seit Pfingstmontag darf sich der Torwart dänischer Meister nennen. Mit Brøndby IF hat er eine wendungsreiche Saison triumphal beendet: 11.000 Fans schauten im Stadion zu, als der beliebteste dänische Klub den FC Nordsjælland am letzten Spieltag 2:0 besiegte. Zum ersten Mal seit 2005 feierten die treuen Anhänger wieder – überraschend ließ der Verein aus dem westlichen Vorort den FC Midtjylland und den FC Kopenhagen hinter sich. Und das, obwohl Brøndby mit einem Etat von zehn Millionen Euro nur die Hälfte beziehungsweise ein Drittel für seine Profis ausgibt.

          „Unser Ziel war, unter die Top sechs zu kommen. Die spielen in Dänemark eine Meisterrunde aus. Wir sind dann immer stabiler geworden und haben uns ein hartes Duell mit Midtjylland geliefert“, sagt Schwäbe. So richtig an den Titel glaubte der 26 Jahre alte Darmstädter erst am vorletzten Spieltag. Brøndby kämpfte 60 Minuten zu zehnt und gewann 2:1 in Aarhus, während Midtjylland beim FC Kopenhagen verlor.

          Nur zwei Tage nach der Meisterfeier saß Marvin Schwäbe am Flughafen Kastrup und verließ Kopenhagen in Richtung Frankfurt. Er hat seinen Vertrag nicht verlängert. „Ich möchte den nächsten Schritt gehen“, sagt Schwäbe. Er wird mit dem 1. FC Köln in Verbindung gebracht. Insofern dürfte ihn das Ergebnis der Relegation vom Samstag gefreut haben.

          Oft Meisterschaften aus der Hand gegeben

          Schwäbes drei Kopenhagener Jahre enden auf dem Höhepunkt. Oft genug hat Brøndby Meisterschaften auf dem Zielstrich verspielt. Zuletzt 2018 mit dem deutschen Trainer Alexander Zorniger. Als keiner mit den Gelb-Blauen rechnete, waren sie da, weil die Konkurrenz schwächelte. „Wir waren individuell nicht besser“, sagt Schwäbe, „aber als Team.“

          Begonnen hatte es für den Nachwuchstorwart 2018 noch unter Zorniger. Eine neue Liga, ein anderes Land, eine fremde Sprache. Schwäbe wollte nach Jahren in der zweiten (Dresden) und dritten Division (Osnabrück) vorankommen: „Dänemark ist eine Ausbildungsliga, das erschien mir ideal.“ Doch so einfach war das nicht. Lange habe der Misserfolg vom Saisonfinale 2018 in den Köpfen der Spieler gesteckt. Zudem weinten die Fans Torwart Frederik Rønnow Tränen nach; er war zu Eintracht Frankfurt gegangen. Schwäbes Patzer wurden gezählt, die Paraden vergessen. „Ich hatte Startschwierigkeiten“, sagt er. Zum Glück war seine Frau dabei: „Gerade in Corona-Zeiten war ich sehr froh, nicht allein im Ausland zu sein.“

          Unter Trainer Niels Frederiksen wurde es ab der Saison 2019/20 besser. Der 50 Jahre alte Däne, der neben seiner Trainertätigkeit lange für die Dänische Bank arbeitete, brachte Lockerheit zurück, integrierte viele Brøndby-Talente in die neue erste Elf – zwangsläufig, weil beim Klub aus dem Westbezirk das Geld fehlt. Frederiksen setzte auf eine Dreierkette in der Abwehr. Druckresistenz und Wehrhaftigkeit wuchsen. „Ich selbst bin hier auch stabiler geworden“, sagt Schwäbe, „die dänische Liga ist hart.“

          Nun lockt die Champions League

          Zusammen mit Kapitän Andreas Maxsø, dem früheren Leipziger Anthony Jung und Simon Hedlund, einst Union Berlin, bildete er das Rückgrat der Meisterelf. Als Stütze der jungen Generation waren die vier unentbehrlich. Nun lockt die Champions League: Ende August könnte sich Brøndby IF in den Play-off-Spielen zum ersten Mal qualifizieren. Sollte das misslingen, bliebe die Europa-League-Gruppenphase.

          Doch wie es so ist in einer „Ausbildungsliga“ – im schönsten Moment zerfällt die Mannschaft. Alle Stützen haben Angebote aus dem Ausland. Auch junge Cracks wie der beste Liga-Torschütze Mikael Uhre überlegen, ob sie hier weitermachen. Schwäbe hat sich schon dagegen entschieden.

          Anderes bleibt: „Ich habe in Dänemark gelernt, dass man professionell arbeiten, aber trotzdem locker und entspannt mit dem Druck umgehen kann.“ Ein Haus in Wassernähe im Vorort Vallensbæk Strand beim Brøndby-Trainingsgelände war drei Jahre die Heimat des Ehepaares Schwäbe, das bald Nachwuchs erwartet: „Man kann es schlechter treffen“, sagt er zufrieden, an die vergangenen drei Jahre denkend – auch wenn sich sein Dänisch auf Rudimente beschränkt, wie er lachend zugibt.

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