https://www.faz.net/-gtl-u99q

Mark van Bommel : Charmant nur nach dem Spiel

  • -Aktualisiert am

Mark van Bommel: Die Madrilenen können ihn nicht leiden Bild: AP

Mark van Bommel hat sich nicht provozieren lassen so kurz vor dem Wiedersehen mit Real Madrid. Kein böses Wort hat er verloren über den nächsten Gegner des FC Bayern München, mit dem ihn innigste Feindschaft verbindet.

          3 Min.

          Mark van Bommel hat sich nicht provozieren lassen so kurz vor dem Wiedersehen. Kein böses Wort hat er verloren über den nächsten Gegner des FC Bayern München, mit dem ihn innigste Feindschaft verbindet. Er sagt nur: „Das gehört dazu. Es wird nicht so warm gegessen, wie es auf den Tisch kommt. Oder wie heißt es richtig?“ Der Niederländer gibt die Antwort lieber auf dem Platz, am Mittwoch im Achtelfinalrückspiel der Champions League gegen Real Madrid. (20.45 Uhr, FAZ.NET-Liveticker).

          Er weiß unangenehme Themen auch auf Deutsch charmant zu umgehen, wenn er es für angebracht hält. Ein Lächeln umspielt dabei sein Gesicht, es verrät, dass er in diesem Moment nicht sagt, was er wirklich denkt. Aber Mark van Bommel kann auch anders, sehr deutlich werden. Dann ist er bisweilen gar nicht mehr charmant, sondern vielmehr drastisch „Manchmal braucht man auf dem Platz auch ein paar Arschlöcher“, hatte er Ende Januar verkündet, als sich die Bayern mittendrin in einer ernstzunehmenden Krise befanden.

          „Auf dem Platz bin ich ein anderer Mensch“

          Gegenspieler sagen vermutlich, er sei auf dem Platz so eines. Denn da vergisst Mark van Bommel seine gute Kinderstube, wandelt sich zum aggressiven, manchmal jähzornigen Wüterich, dem man besser nicht zu nahe kommt. „Auf dem Platz“, gibt er zu, „bin ich manchmal ein anderer Mensch.“ Aber wenn es fußballerisch nicht laufe, müsse man eben „auf eine andere Art und Weise zeigen, dass es so nicht weitergeht“.

          Der „Aggressiv-Leader”

          Er wählt auf dem Platz stets den direkten Weg. „Er spielt einfachen, schnellen Fußball. Er ist der Mittelpunkt unseres Spiels“, sagt Trainer Ottmar Hitzfeld, der ihn deshalb von der rechten Seite ins Zentrum beordert hat. Manchmal ist van Bommel auch der Mittelpunkt eines ganzes Spieles. Die Partie bei Real Madrid war so eines, das hat er in mehrerlei Hinsicht geprägt.

          Bewährungsstrafe für van Bommel

          Zuerst hatte er sich Lukas Podolski zur Brust genommen, weil sich der deutsche Nationalstürmer mit der Leidenschaft eines gelangweilten Sonntagsspaziergängers über das Spielfeld bewegte. Dann erzielte er kurz vor dem Ende den Anschlusstreffer zum 2:3, der beim FC Bayern die Hoffnung nährt, doch noch den Einzug ins Viertelfinale zu schaffen. Weil van Bommel das Tor aber mit einer provokativen Geste feierte, hat er für viel Wirbel in Spanien gesorgt - und zudem für ein Nachspiel bei der Uefa.

          Van Bommel wurde mit einer Bewährungsstrafe belegt. Die Madrilenen können ihn seit diesem Vorfall wohl noch weniger leiden, als es bei ihm als ehemaliger Spieler des FC Barcelona, des Erzfeindes der Königlichen, ohnehin schon der Fall ist. „Die Spanier werden ihn attackieren und provozieren“, vermutet Bayern-Stürmer Roy Makaay vor dem Spiel am Mittwoch in der Allianz Arena. Van Bommel hat keine Angst vor der zu erwartenden Feindseligkeit, sie stachelt ihn eher an.

          Unter Hitzfeld zum Leader geworden

          Das Spiel in Madrid vor zwei Wochen sahen wohl nicht nur die Bayern als Wende zum Besseren, sondern es war auch die Geburt des „Aggressiv-Leaders“, wie van Bommel von Hitzfeld bezeichnet wird. Es dauerte aber in München, bis er von den Kollegen als Führungsspieler akzeptiert wurde, bis er in die Rolle hineinwuchs. Er brauchte Zeit - und vielleicht auch den Trainerwechsel.

          Unter Ottmar Hitzfeld hat er nun seinen festen Platz in der Mannschaft, Felix Magath dagegen hatte ihn von rechts in die Mitte und zurück geschoben. Van Bommel würde trotzdem nichts Schlechtes im Nachhinein über den früheren Trainer sagen, er sagt dafür lieber Gutes über den neuen Trainer, lobt Hitzfelds „natürliche Autorität“ und dessen Blick fürs Detail.

          Er hält dem Vergleich mit Effenberg stand

          Der 30 Jahre alte ehemalige holländische Nationalspieler hat etwas geschafft, was Michael Ballack in den vier Jahren beim FC Bayern nie gelungen war: Er hält dem Vergleich mit Stefan Effenberg stand. Der frühere Regisseur wird seit seinem Weggang 2002 fast schon glorifiziert, zum einen, weil sein Nachfolger die Rolle ganz anders interpretierte. Ballack hat die Mannschaft auf leisere, weniger provokante Art und Weise geführt, war zwar ungemein wertvoll für die Mannschaft, allein wegen seiner vielen Tore, aber er ist keiner, der den Sieg erzwingen kann.

          Effenbergs glänzender Ruf rührt zum anderen daher, dass er eine ruhmreiche internationale Ära geprägt hat, Ballack dagegen nur eine erfolgreiche nationale. In seinem Verhalten auf dem Platz ähnelt van Bommel manchmal Effenberg. Und vermutlich hängt vieles von seinem Auftreten am Mittwoch ab, ob der FC Bayern der Champions League zumindest noch eine Runde erhalten bleibt.

          Weitere Themen

          Borussias neuer „Heiland“? Video-Seite öffnen

          Haaland vor Heimdebüt : Borussias neuer „Heiland“?

          Der junge Stürmer aus Norwegen wird von vielen BVB-Fans beim öffentlichen Training beobachtet – sein Debüt am Wochenende hat große Hoffnungen geweckt. Ist Erling Haaland der neue „Heiland“ für die Borussia?

          Topmeldungen

          Borussia Dortmund : Das Problem hinter dem Haaland-Hype

          Alle reden vor dem Spiel gegen Köln von Erling Haaland. Ohne den Hype um ihn würde der BVB wieder festhängen im Stimmungstief. Denn richtig rund läuft es eigentlich nicht. Die Suche nach Lösungen ist kompliziert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.