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Mario Gomez : Die Tormaschine will keine Pausen

Geklärtes Verhältnis: Bundestrainer Joachim Löw weiß, was er an seinem Stürmer hat. Mario Gomez weiß, dass ihm das keinen Stammplatz sichert Bild: dpa

Mario Gomez hat in Florenz sein bisher längstes Trainingslager genossen und die Sicherheit, einen Stammplatz zu haben. In der Nationalelf kämpft er mit Klose.

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          Man kann sagen, dass Mario Gomez so gut vorbereitet in die WM-Saison geht wie kein anderer deutscher Nationalspieler. Man kann aber auch sagen, dass er darauf liebend gerne verzichtet hätte. Der 28 Jahre alte Stürmer, der auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Brasilien sowohl gegen Miroslav Klose als auch gegen die Modernisierung des Offensivspiels zu kämpfen hat, absolvierte zunächst in Südtirol bei der Vorbereitung des FC Bayern zwei Wochen seine Einheiten - und dann ging es mit seinem neuen Klub AC Florenz gleich für dreieinhalb Wochen ins nächste Trainingslager. „Das braucht man nicht unbedingt“, sagte Gomez ganz ehrlich auf der Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft am Tag vor dem Testspiel gegen Paraguay in Kaiserslautern über seinen „ganz speziellen“ italienischen Einstand.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Körperlich sei zwar alles in Ordnung gewesen, aber geistig mache das schon müde, sagte Gomez. Dreieinhalb Wochen rund um die Uhr mit denselben Leuten zu verbringen, das sei eben nicht immer einfach. In dieser Saison dürfte es für Gomez in dieser Beziehung noch schlimmer kommen: Mit der Nationalmannschaft wird Gomez im sportlichen Idealfall knapp neun Wochen zur Weltmeisterschaft zusammen sein.

          Löw schätzt das kreative Angriffsspiel

          Miroslav Klose, sein großer Sturm-Konkurrent von Lazio Rom, hatte in diesen Tagen aus eigener Erfahrung sehr genau gewusst, auf was sich Gomez da mit seinen Wechsel nach Italien eingelassen hatte. Und so erreichte den neuen florentinischen Torjäger-Liebling nach zehn Tagen Trainingslager eine ironische SMS des römischen Kollegen. „Und - wie ist es so?“, fragte Klose belustigt. Diese Frage, weit über seine neuen Erfahrungen im Marathon-Trainingslager hinaus, wird Gomez seit Monaten ohnehin ziemlich oft gestellt. Er hatte sich ja selbst lange bei den Bayern gefragt, wie es für ihn weitergehen könnte.

          Gomez kommt gerade aus einem Marathon-Trainingslager von seinem neuen Verein, dem AC Florenz

          In Kaiserslautern, der alten Heimat von Klose, beginnt nun für Gomez und Klose der ganz spezielle Konkurrenzkampf um den einzigen deutschen Sturmplatz - den der Bundestrainer aber auch noch an einen gelernten Mittelfeldspieler wegrationalisieren könnte. „Wenn beide fit sind und Spielpraxis haben, sind sie extrem wichtige Spieler“, sagte Löw über die Stürmer in italienischen Diensten. Aber er habe natürlich auch Alternativen, wie man am Wochenende gesehen habe, fügte er mit Blick auf die beiden Tore von Mario Götze als Sturmspitze für den FC Bayern bei einem Testspiel in Györ hinzu. „Das ist eine Weiterentwicklung, die es im Fußball gegeben hat“, sagte Löw. Und man darf hinzufügen: eine Weiterentwicklung, wie sie ihm sehr gefällt. Der Bundestrainer betonte zu Beginn der WM-Saison daher noch mal ganz ausdrücklich, wie sehr er das kreative Angriffsspiel schätzt, das sich aus dem Mittelfeld heraus entwickelt. „Ich liebe es über alles, offensiv zu spielen. Ich liebe das Risiko.“ An dieser Spielweise werde er garantiert nichts ändern.

          Die zwei Wochen mit Guardiola habe Gomez genossen

          Für Gomez hatte Löw zum Saisonstart noch ein paar starke Worte übrig. Aber die Einschränkungen, die er damit gleichzeitig verband, waren nicht zu überhören: „Er ist eine Tormaschine - wenn er regelmäßig spielt, seinen Rhythmus findet und Vertrauen beim Trainer hat“, sagte der Bundestrainer. Und genau an diesen entscheidenden drei Punkten fehlte es zuletzt für Gomez bei den Bayern: an Einsätzen, am Rhythmus, am Vertrauen. In den Medien hieß es daher immer wieder, Gomez sei vom FC Bayern und Trainer Pep Guardiola geflüchtet, und seine Gemütsverfassung sei entsprechend düster. In Kaiserslautern allerdings präsentierte sich ein ziemlich aufgeräumter Gomez, der ganz nüchtern über seinen Abschied aus der Bundesliga und seine Befindlichkeiten sprach. „Es war gar nicht so schwer, wie manche vielleicht geglaubt haben“, sagte der Stürmer über seine Zeit auf der Ersatzbank und seine immer weiter schwindenden Aussichten. „Da gibt es keinen Ärger, keine Wut. Der Fußball hat sich weiterentwickelt, und der neue Trainer hat eine andere Philosophie“, so Gomez über sein letztes Jahr unter Heynckes und die neue Ausrichtung unter Guardiola.

          Auch wenn es etwas merkwürdig klinge, habe er sich sehr gefreut, den neuen Bayern-Trainer, unter dem er keine Perspektive mehr sah, als Spieler erleben zu dürfen. Gomez berichtete angetan von der Arbeitsweise und der Haltung Guardiolas, den er schon in seiner Jugendzeit als Spieler des FC Barcelona bewundert habe. „Ich habe mich oft mit Pep ausgetauscht“, sagte er. „Ich habe die zwei Wochen sehr genossen.“ Der in Italien wieder umschwärmte Torjäger gab sich in Mainz über seine sportliche Lage ganz abgeklärt: „Ich hätte auch noch drei Jahre fünfzig Prozent auf der Bank sitzen und noch einige Titel sammeln können“, sagte Gomez über seine Aussichten beim Triple-Gewinner, die ihn zum Wechsel bewogen haben. Es sei zwar schwierig gewesen, eine Mannschaft mit einem solchen „Teamspirit“ zu verlassen. Aber er habe lieber spielen wollen, und der Süden sei ohnehin schon immer sein Jugendtraum gewesen. Und dann sagte Gomez noch einen Satz, den man im Fußball nicht oft hört, schon gar nicht in einer WM-Saison: „Für viele ist es vielleicht nicht nachvollziehbar, dass ich mich nicht nur über Titel definiere.“

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