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Götze im DFB-Team : Auf einmal wieder „Super-Mario“

  • -Aktualisiert am

Fast wie im WM-Sommer: Jerome Boateng (links) und Mario Götze beim 3:1-Sieg über Polen. Bild: AP

Bei den Bayern ist Mario Götze oft zweite Wahl, im DFB-Team bringt Joachim Löw ihn indes immer. Beim 3:1-Sieg über Polen beeindruckt Götze nicht nur durch seine zwei Tore.

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          Joachim Löw wusste genau, welche letzte Maßnahme er noch treffen musste, um den 3:1-Sieg über Polen in Frankfurt stimmungsvoll abzurunden. In der Nachspielzeit des EM-Qualifikationsspiels holte der Bundestrainer Einwechselspieler Lukas Podolski heran, um Mario Götze einen besonderen Abgang zu verschaffen. Als der Doppeltorschütze zur Seitenlinie trabte, erhoben sich viele der 48.500 Fans und applaudierten – das hatte Götze zuletzt selten erlebt, selbst wenn es erst knapp 14 Monate her ist, dass er Deutschland zum Vier-Sterne-Land machte.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Seit dem entscheidenden Tor im WM-Finale vom Rio, das Götzes persönlich eher bescheidenes Turnier hell überstrahlte, hat sich einiges getan. Beim FC Bayern schoss er zwar in 48 Partien 15 Tore, doch vielmehr blieb haften, dass der heute gerade 23 Jahre alte Offensivspieler in den entscheidenden Partien vom Münchner Trainer Pep Guardiola nicht in der Startelf aufgeboten wurde, sondern nur Minuten-Arbeitszeiten bekam. Die Diskussionen über seine Zukunft in München und die Kompatibilität  mit Guardiolas Plänen zogen sich über Monate – und belasteten nicht nur den Spieler, sondern auch den Verein.

          Im Sommer sprach Götze sich selbst ein Machtwort und entschied, in München zu bleiben. Die Lage hat sich zwar zu Beginn der neuen Spielzeit nicht wesentlich verändert, doch wer Götze im Deutschland-Trikot gegen Polen spielen sah, fragt sich, warum er bei den Bayern nicht öfter erste Wahl ist. Ein Grund für Götzes Reserverolle stand am Freitag auf der anderen Seite. Weil die Münchner einen Weltklassestürmer wie den Polen Robert Lewandowski und ein üppiges Angebot an Mittelfeldspielern haben, ist es dort viel schwerer als im Nationalteam.

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          Haben gut lachen: Die deutschen Torschützen Müller und Götze (rechts) :

          Einen Mittelstürmer wie Lewandowski, der auch gegen Deutschland zum 2:1 traf (36. Minute), gibt es im DFB-Team nach dem Rücktritt von Miroslav Klose nicht mehr. Vor dem Duell mit Polen musste zudem Marco Reus mit einer Zehen-Verletzung passen. Wenig später gab Bundestrainer Löw Götze ein Startelf-Versprechen, das gar nicht so überraschend kam: Schließlich begann Götze seit der WM in allen Pflichtspielen des DFB und stand als einziger Nationalspieler in allen elf Partien seit Rio auf dem Rasen. So erklärt sich auch Götzes Aussage: „Natürlich ist es immer schön, wenn man Vertrauen spürt. Das spüre ich grundsätzlich immer, wenn ich bei der Nationalmannschaft bin.“

          Was Götze am Freitag zeigte, hob ihn nicht nur wegen seiner Tore und eines Pfostentreffers aus einem starken deutschen Team hervor. In Frankfurt agierte der nur 1,76 Meter große Spieler nicht immer wie ein „falscher Neuner“. Oft stand er tatsächlich in vorderster Front vor den drei offensiven Mittelfeldspielern Karim Bellarabi, Mesut Özil und Thomas Müller. Das 2:0 schoss er zwar aus der Distanz, beim 3:1 aber staubte er in Mittelstürmer-Manier nach dem abgewehrten Ball ab. Noch mehr beeindruckte nicht nur den Bundestrainer Götzes enormer Einsatz. „Mario hat sich heute wahnsinnig viel bewegt, war immer anspielbar. Er hat ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht“, sagte Löw.

          Immer wieder ließ sich Götze aber auch zurückfallen, um als Anspielstation zu dienen. War Defensivarbeit gefordert, lief er die polnischen Abwehrspieler mit großem Eifer an – fast so, als wolle er die Laufstrecke, die er aufgrund der geringen Einsatzzeit in München nicht leisten darf, nun bei der Nationalelf nachholen. Dazu stand Götze nicht nur beim entscheidenden 3:1 ganz richtig, sondern auch schon kurz vor der Halbzeit, als er einen Kopfball von Vereinskollege Lewandowski auf der eigenen Torlinie für den schon geschlagenen Torwart Manuel Neuer klärte – es wäre das 2:2 gewesen.

          Kurz vor Mitternacht verließ Götze die Frankfurter Arena mit einem breiten Lächeln – als Letzter der deutschen Sieger, weil er zur Doping-Probe musste. „Wir haben drei Punkte geholt. Ich konnte zwei Tore erzielen, es gibt schlechtere Tage“, sagte er. „Wir wollten unbedingt auf den ersten Platz.“ Den haben sie nun von Polen übernommen und können am Montag (20.45 Uhr / Live bei RTL und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) in Schottland mit einem Sieg einen großen Schritt Richtung EM 2016 in Frankreich machen. Bei drei Punkten in Glasgow und einer Niederlage Irlands gegen Georgien wäre das Ticket gar vorzeitig gesichert.

          Das war nach dem holprigen Jahr nach der WM nicht unbedingt zu erwarten. Großen Anteil daran hat Götze. Mats Hummels hielt daher gerne ein Plädoyer für seinen früheren Kollegen vom BVB: „Mario steht etwas zu Unrecht in der Kritik. Er ist einfach ein großartiger Fußballer. Das wissen wir in Dortmund sowieso, und das sollten alle anderen auch wissen.“ Bayern- und DFB-Kollege Manuel Neuer hat eine neue Lockerheit bei Götze beobachtet. „Er ist Vollprofi, er denkt wirklich 24 Stunden an den Fußball und an seine Leistung. Wenn man dann zu verbissen ist, ist das nicht immer förderlich. Ich glaube, er schaut jetzt auch ein bisschen anders darauf – und das hat man ihm auch angesehen.“

          Ob ihm das aber auch in München, wo er in den letzten 15 Bundesligaspielen ohne Tor blieb, nach den Tagen bei der Nationalelf weiterhilft, ist ungewiss. Zumindest hat Götze mal wieder bei den Bayern in Abwesenheit Werbung in eigener Sache betrieben. Da nicht nur Franck Ribéry, sondern auch Arjen Robben in München vorerst ausfällt, könnte Götze mehr Einsatzzeiten bekommen. In Frankfurt war er jedenfalls für den Bundestrainer, die Mitspieler und die Fans wieder der „Super-Mario“. „Jeder freut sich, wenn er ein gutes Spiel macht, zwei Tore schießt, dann auch noch mit den Fans im Rücken“, sagte Götze. Im dritten Jahr möchte er das auch in München endlich erleben

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