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Fußball-Nationalmannschaft : Warum Löw gegen Polen auf Götze setzt

Sein bisher größter Moment: Mario Götze (links) schießt Deutschland zum WM-Titel 2014. Bild: Imago

Beim FC Bayern ist Mario Götze unter Pep Guardiola nicht erste Wahl. Bundestrainer Joachim Löw aber setzt im DFB-Team beim wichtigen Spiel gegen Polen auf ihn und zählt seine Stärken auf.

          Offenbar wusste Mario Götze wirklich von nichts. Man meinte jedenfalls, ihm auf dem Pressepodium der Fußball-Nationalmannschaft die Freude über eine gute Nachricht anzumerken. Ein paar Augenblicke vorher hatte dort noch Joachim Löw gesessen und im Zuge seiner Ausführungen zur Lage der Fußball-Nation auch ein Bekenntnis zu Götze abgegeben.

          Der Münchner Offensivspieler werde in jedem Fall in der Startelf stehen, wenn es an diesem Freitag (20.45 Uhr / Live bei RTL und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) in Frankfurt für die deutsche Mannschaft (13 Punkte) gegen Polen (14) um die Tabellenführung in der EM-Qualifikationsgruppe D geht.

          Zugegeben, eine echte Überraschung war das nicht – schließlich vertraute Löw in allen Pflichtspielen seit der Weltmeisterschaft auf den Mann, den er im Finale so gewinnbringend eingewechselt hatte. Götze gehört aber trotz seiner mitunter etwas spröden Ausstrahlung zu jener Sorte Spieler, der Nestwärme und besonderer Zuspruch guttun. Und den bekam er von Löw reichlich.

          „Mario Götze ist für mich ein Spieler von enorm hohem Wert“, sagte der Bundestrainer und zählte sogleich die Stärken auf, die er an ihm so schätzt: Spielintelligenz, Technik in der Umsetzung, Qualität auf engem Raum. Also praktisch all das, was Löw am Donnerstag als diejenigen Attribute nannte, auf die es ihm besonders ankomme bei der Nationalmannschaft: gegen die Polen, die sich im Hinspiel in Warschau einen überraschenden 2:0-Sieg erkontert hatten, aber auch (weit) darüber hinaus.

          Schließlich hätten die Deutschen es inzwischen ganz überwiegend mit Gegnern zu tun, die ihre größte Freude daran hätten, ihnen den Spaß zu verderben – indem sie eine „defensive Übermacht“ bildeten, wie der Bundestrainer das formulierte. Da brauche es kreative, handlungsschnelle Spieler, die in der Lage seien, jede noch so kleine Lücke zu nutzen.

          Vielleicht versuchte Löw auch deshalb, Götze eine Extraportion Ver- und Zutrauen mit auf den Weg zu geben, weil ein anderer Spieler dieser Kategorie nicht zur Verfügung steht. „Bedauerlich“ nannte der Bundestrainer den Ausfall von Marco Reus, bei dem nach Beschwerden beim Mittwoch-Training und anschließendem Röntgen eine angebrochene Zehe diagnostiziert worden war – eine Formulierung, die das wahre Verlustgefühl noch vorsichtig ausdrückte.

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          Götze gab sich indes zuversichtlich, seine Klasse – anders als zuletzt bisweilen in seinem Verein – auch wieder voll zur Geltung bringen zu können: „Ich weiß, dass ich nie meine Stärken verlieren werde, dass ich eine enorme Qualität habe.“ Gut wäre das, schließlich sind Spieler wie er auch Löws Leute der Zukunft.

          En passant erklärte der Bundestrainer am Donnerstag die Diskussion über Spielsysteme für überholt und rief, wie auch schon Sportdirektor Hansi Flick, eine Renaissance der individuellen Fertigkeiten aus. Mit der WM 2018 als Ziel allen Strebens: „Mission II“, wie Löw die angestrebte Titelverteidigung in Russland nannte. Dass die EM im kommenden Jahr in seiner Diktion nurmehr als „wichtiges Etappenziel“ firmiert, sollte indes keine Einladung zum mentalen Downgrade sein.

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