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Mario Basler : Die Lokomotive von Trier

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Ein Typ, der in Trier ankommt: Mario Basler (m.) ist an der Mosel populär - nicht nur bei seinem Spieler Wilko Risser Bild: dpa

Mario Basler hat ausgesorgt und könnte im Luxus schwelgen. Aber er will als Trainer in die Bundesliga - und fängt bei Eintracht Trier an. Wer ihn haben will, muss zahlen. Gegen Köln soll sein Team die dritte Profimannschaft aus dem Pokal werfen.

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          Mario Basler ist ein gemachter Mann. In einer langen und schrillen Fußballkarriere hat er jede Menge Geld verdient, und auch danach „hat es immer gereicht, um dreimal am Tag zu essen“, wie er sagt. Seine größte Einnahmequelle seither: der Traberrennstall Catch Glory, den er 2004 mit seinem Schwager, dem Spielervermittler Roger Wittmann, und dessen Lebensgefährtin Anke Huber gegründet hat. Allein der Wert von Igor Font, dem Starhengst des Stalles, der den Weltrekord über 1000 Meter hält und von der Rennbahn gerade in die Zucht gewechselt ist, wird auf mehr als sieben Millionen Euro geschätzt. Basler und seine Partner hatten ihn 2005 für 50.000 Euro gekauft.

          Basler hat mit 40 Jahren ausgesorgt, könnte im Luxus schwelgen und vielleicht nebenbei seine Max-Merkel-Gedächtnis-Kolumne für „Bild“ verfassen, um nicht ganz in Vergessenheit zu geraten. Aber Basler hat andere Pläne. „Ich will Bundesligatrainer werden“, sagt er, und deshalb sitzt er im blauen Trainingsanzug in einem desolaten Gebäude am Moselstadion in Trier und hält vor zwei Lokalreportern Pressekonferenz. Basler trainiert Eintracht Trier, das ist ziemlich weit unten für einen wie ihn, das ist vierte Liga, und die Frage ist: Warum tut er sich das an?

          „Schauen Sie“, sagt Basler, das sagt er ziemlich oft, weil er viel zu erklären hat vor dem Spiel der dritten Pokalrunde am Dienstag gegen den 1. FC Köln (19.00 Uhr / FAZ.NET-DFB-Pokal-Liveticker). „Schauen Sie, die Frage ist: Welches ist der richtige Weg für mich? Ich hätte sagen können, ich bleibe nach dem Fußball-Lehrerschein zu Hause und hoffe, dass ich in den nächsten fünf Jahren ein Angebot aus der Bundesliga bekomme. Das wäre wie jede Woche Lotto spielen und immer auf einen Sechser hoffen.“ Dann hätte er die Zeit mit etwas anderem überbrücken müssen, aber das kam nicht in Frage, denn in Baslers Lebensplanung gibt es keinen Plan B.

          Große Sprünge: Im Pokal gegen Köln wollen die Trierer (Foto: Stürmer Sahr Senesie) wieder jubeln

          „Seit ich mit vier in den Verein kam“, sagt er, „begeistert mich Fußball an jedem einzelnen Tag, und ich habe für mich entschieden, immer im Fußball zu arbeiten.“ Und er hat entschieden, unten anzufangen, zunächst als Co-Trainer in Koblenz, dann als Chef in Trier. Die vierte Liga will er nicht als Schritt in die falsche Richtung auffassen. „Ich gebe mir drei, vier Jahre Zeit, um mir als Trainer einen Namen zu machen und meine Vorstellungen ohne großen Druck zu entwickeln und umzusetzen.“

          Wo ist der bunte Hund geblieben?

          In der Öffentlichkeit hat Basler ein Problem. Er gilt als „Super-Mario“, als Schluri mit großer Klappe und kleinem Engagement. In Trier muss er deshalb auch beweisen, dass diese Klischees überholt sind. Alle, die mit ihm zu tun haben bei der Eintracht, sind voll des Lobes über seinen Arbeitseifer, seine Ernsthaftigkeit, seine professionelle Einstellung, seine strukturelle Arbeitsweise.

          Wo ist der bunte Hund geblieben? „Schauen Sie“, sagt Basler, „das ist Jahre her, da war ich Spieler. Ich bin älter geworden, reifer, und ich habe eine andere Verantwortung. Für 25 Spieler, für den Verein, für den Erfolg. Die Leute verwechseln das, sie denken an meine Zeit als Spieler zurück, aber jetzt bin ich Trainer, und deshalb musste ich mich ändern. Als Spieler kann man unter der Woche ein bisschen lauter sein, denn am Samstag kann man auf dem Platz alles wieder geraderücken. Als Trainer aber musst du deine Arbeit die ganze Woche über machen, am Samstag, in diesen 90 Minuten, kannst du nicht mehr groß eingreifen.“

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