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Aufregung um Trainer Rose : „Das geht an mir nicht spurlos vorbei“

„Ich würde von einer unglücklichen Niederlage sprechen“: Gladbach-Trainer Marco Rose Bild: dpa

Seit der Ankündigung, dass der Trainer den Klub verlässt, hat Gladbach jedes Spiel verloren, nun auch das brisante im DFB-Pokal gegen Marco Roses zukünftige Dortmunder. Die Lage ist äußerst kritisch.

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          Am 15. Februar, also vor gerade einmal gut zwei Wochen, sah die Fußballwelt in Mönchengladbach von außen betrachtet noch ganz ordentlich aus. Die Borussia stand in der Tabelle der Fußball-Bundesliga punktgleich mit Borussia Dortmund an der Schwelle zu den Teams, die in der kommenden Saison im Europapokal spielen dürfen. Dazu waren die Gladbacher noch in der laufenden Kampagne im DFB-Pokal, im Viertelfinale stehend, sowie in der Champions League, im Achtelfinale, vertreten. Doch in den nur sechzehn Tagen seit diesem 15. Februar ist bei Borussia Mönchengladbach einiges passiert.

          DFB-Pokal
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Das Bild, das sich nun darstellt, hat Schönheitsfehler bekommen, einige sogar, und sie lassen sich auch nicht so einfach überpinseln. Es begann mit der Ankündigung des Klubs, dass Trainer Marco Rose „von einer Klausel in seinem bis Juni 2022 laufenden Vertrag Gebrauch machen und im Sommer zu Borussia Dortmund wechseln möchte“. So sagte es Sportdirektor Max Eberl in einer Mitteilung, die an diesem Tag publik wurde. „Bis dahin werden wir mit Marco gemeinsam alle Kräfte mobilisieren, um unsere Ziele in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League zu erreichen.“

          Diese drei Ziele sind inzwischen ernsthaft in Gefahr geraten. In der Bundesliga gab es seitdem zwei Niederlagen, eine blamable gegen Abstiegskandidat Mainz (1:2) und eine unglückliche bei Titelanwärter Leipzig (2:3). Der Rückstand auf die Europapokal-Ränge beträgt nun vier Punkte. In der Champions League setzte es im Hinspiel des Achtelfinales eine 0:2-Niederlage gegen den Favoriten Manchester City. Die Aussicht, das Duell in der zweiten Partie noch zu drehen, sind gering. Und im DFB-Pokal kam am Dienstagabend das Aus in der Runde der letzten acht Mannschaften.

          Gladbach vergibt, Dortmund trifft

          Dass das im eigenen Stadion ausgerechnet gegen Roses zukünftigen Klub passierte, war eine bittere Pointe auf der Talfahrt der Gladbacher. Borussia Dortmund gewann mit 1:0 durch ein Tor von Jadon Sancho in der 66. Minute und steht im Halbfinale. Die Dinge haben sich also schnell geändert in Mönchengladbach, allerdings eindeutig nicht hin zum Guten für die Borussia vom Niederrhein. Entsprechend war die Laune bei Rose: „Ich würde von einer unglücklichen Niederlage sprechen. Wir hätten gern im Pokal den nächsten Step gemacht. Das wäre auch für unser Gefühl wichtig gewesen.“

          Dabei hatten die Gladbacher tatsächlich kein schlechtes Spiel gemacht und waren auch nicht deutlich unterlegen. Sie hatten gute Chancen, der Partie eine ganz andere Wendung zu geben als die, die am Ende im Ausscheiden mündete. Marcus Thuram etwa hatte schon ganz früh eine große Möglichkeit. Kurz vor der Pause fiel gar ein Tor durch Thuram, doch vorher gab es eine minimale Abseitsposition. Und schließlich wehrte Dortmunds Torwart Marwin Hitz einen Gewaltschuss von Ramy Bensebaini mit einer starken Parade ab. Wenig später fiel nach einem Konter der BVB-Treffer durch Sancho.

          Dass wegen der Corona-Pandemie keine Fans im Stadion sind, gefällt niemandem, immerhin ersparte die Leere im Borussia-Park Rose das direkte Erleben der Enttäuschung und Wut der Fans über seinen Schritt, der einhergeht mit den jüngsten sportlichen Problemen. Nach der Verkündung gab es harte Reaktionen der Anhänger. Sportdirektor Eberl stellte sich vor seinen Noch-Trainer und verkündete, dass er den Weg mit Rose, wie geplant, bis zum Saisonende im Sommer gehen werde. Und auch Rose teilte mit, dass er die Ablehnung, die dem Erfolgstrainer nun entgegenschlug, aushalten könne.

          Nach dem Duell mit seinem zukünftigen Arbeitgeber ließ der Vierundvierzigjährige einen kurzen Blick hinter seine Fassade zu. „Man kann mir glauben, dass die Situation mich auch fordert. Das geht auch an mir nicht spurlos vorbei“, sagte Rose am Abend. „Mich ärgert das Ausscheiden. Wir sind schwer enttäuscht und in einer schwierigen Phase.“ Zumindest seine verbale Kampfeslust fand der Trainer schnell wieder. „Das bedeutet, dass ich vorangehen und die Mannschaft wieder aufrichten muss.“ Man müsse wieder „die Leistung abrufen, Spiele gewinnen und den Anschluss herstellen“.

          Die Umkehr sollte allerdings schnell passieren. Schon am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) kommt Bayer Leverkusen zu einem Duell nach Mönchengladbach, das die Borussia beim Wunsch, im kommenden Jahr international unterwegs sein zu wollen, lieber nicht auch noch verlieren sollte. Eberl hält unterdessen unerschütterlich am Plan fest, den Weg weiter mit Rose zu gehen: „Ich sehe den Grund nicht, warum es nicht funktionieren soll.“ Der Trainer betonte, dass er von „Max nichts Anderes erwartet“ habe: „Das zeigt seine Qualität als Sportdirektor und als Mensch.“

          Die Spieler versichern öffentlich, dass es kein Problem mit Rose gebe, von dem klar ist, dass er nur noch ein Chef auf Zeit ist. „Genauso wie bislang auch“ gehe die Arbeit mit dem Trainer weiter, sagte etwa Jonas Hofmann. „Natürlich mit dem Punkt, dass wir wieder Ergebnisse brauchen, dass wir wieder gewinnen müssen. Ansonsten geht das genau so weiter.“ Doch natürlich hat die große Aufregung um Rose auch Unruhe in die Mannschaft gebracht. Dagegen helfen, wenn Eberl seine Meinung nicht doch noch unerwartet ändert, nur Siege und Punkte. Die Gladbacher hatten sie selten so nötig wie gut zwei Wochen nach dem 15. Februar 2021.

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