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Fußball-Nationalmannschaft : Das endlose Leiden des Marco Reus

  • Aktualisiert am

Mal wieder verletzt: Marco Reus fehlt gegen Polen und Schottland. Bild: dpa

Personalsorgen bei Joachim Löw: Der Bundestrainer muss in der EM-Qualifikation gegen Polen und Schottland auf Marco Reus verzichten. Der Dortmunder ist schon wieder verletzt.

          Schon wieder: Ein angebrochenes Endglied der linken Großzehe zwingt Marco Reus zur nächsten Fußball-Pause. Die Leidensgeschichte des Dortmunder Offensivstars setzt sich somit fort. Bundestrainer Joachim Löw, die Nationalmannschafts-Kollegen und der BVB sind bestürzt. Der 26 Jahre alte Dortmunder musste wegen der schmerzhaften Fußverletzung das Quartier der DFB-Auswahl in Frankfurt am Main verlassen und nach Dortmund zurückkehren. „Natürlich ist es für uns und für Marco bedauerlich“, sagte der Bundestrainer am Donnerstag.

          Statt Länderspiel-Höhepunkt gegen Polen und Auswärts-Aufgabe in Schottland stehen für Reus abermals medizinische Behandlungen und die nächste Rehabilitation an. Wie lange der Nationalspieler dieses Mal ausfällt, ist nicht bekannt. Löw muss für die wichtigen Spiele am Freitag (20.45 Uhr / Live bei RTL und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) in Frankfurt und drei Tage später in Glasgow gegen Schottland (20.45 Uhr) umplanen. „Natürlich verzichte ich ungern auf ihn, weil er immer für besondere Momente und Entscheidungen sorgen kann“, erklärte Löw, fügte aber an: „Wir werden jetzt nicht lamentieren, wir haben genug Möglichkeiten.“

          Darin hat der DFB-Chefcoach schon Übung, gerade auf der Position von Reus. Die aktuelle Verletzung, die zunächst verschwiegen wurde, hatte sich der Ausnahmespieler nach DFB-Angaben bereits am Sonntag beim 3:1-Sieg im Bundesligaspiel von Borussia Dortmund gegen Hertha BSC zugezogen. Die weitere Behandlung erfolge bei seinem Verein, teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Donnerstag mit. Löw setzt am Freitag gegen Polen in der Offensive auf Mesut Özil und Mario Götze. Beide sollen in der Startelf stehen. Spielmacher Özil würden die Knieprobleme nicht mehr behindern. „Er hat keinerlei Einschränkungen, Mesut wird spielen“, sagte Löw.

          Eigentlich hatte Reus’ Leidensgeschichte schon vor seinem ersten Länderspiel am 7. Oktober 2011 beim 3:1 in Istanbul gegen die Türkei begonnen. Gleich mehrmals musste das Debüt des damaligen Gladbachers wegen diverser Blessuren verschoben werden. Auch danach stoppten immer wieder kleinere und größere Verletzungen den gebürtigen Dortmunder. Der ehemalige BVB-Coach Jürgen Klopp übermittelte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff einmal scherzhaft: „Wir schicken euch Marco Reus gesund. Wäre cool, wenn ihr ihn uns gesund zurückschickt.“

          Es lief doch gerade so gut: Reus (links) und Dortmund gewannen alle Saisonspiele.

          Die bitterste Stunde erlebte Reus gerade in der Phase, in der er bei Löw den stärksten Eindruck hinterließ. Im letzten Testspiel vor der WM 2014 gegen Armenien erlitt er einen Syndesmose-Teilriss und Bandausriss am linken Sprunggelenk - das Aus für den großen Weltmeisterschafts-Traum! „Ich wünsche meinem Team viel Glück in Brasilien“, übermittelte der enttäuschte Reus im Sommer 2014 seinen Kollegen, die dann in Rio den heiß ersehnten WM-Titel holten.

          „Ich komme zurück noch stärker, als ich war“, sagte Reus damals trotzig und kämpferisch zugleich. Dieses Versprechen konnte der Mittelfeldspieler bis dato nicht erfüllen, auch weil ihm das Verletzungspech weiter kräftig zusetzte. Gerade genesen, zog er sich beim 2:1-Sieg der DFB-Auswahl gegen Schottland im September des Vorjahres einen Außenbandteilriss am linken Fuß zu und fiel wieder länger aus. In vier Jahren bei der Nationalmannschaft kam Reus gerade mal auf 25 Einsätze, in denen er neun Tore erzielte.

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          Anfang November 2014 stoppte im Bundesligaspiel des BVB gegen Mönchengladbach eine Bänder- und Sehnenzerrung Reus abermals. Er musste deshalb für die Länderspiele gegen Spanien und Gibraltar absagen. Kaum zurück auf dem Platz riss nach einem Foul von Paderborns Marvin Bakalorz das Außenband im rechten Sprunggelenk. Auch abseits des Platzes bekam Reus Stress, als sein jahrelanges Fahren ohne Führerschein bekanntwurde und er 540.000 Euro Strafe zahlen musste.

          Eigentlich sollte in der gerade eröffneten EM-Saison alles besser werden. Löw hatte vor der Sommerpause in den Spielen gegen die Vereinigten Staaten und Gibraltar extra auf Reus verzichtet, um dem Offensiv-Antreiber einen längeren Urlaub und eine optimale Vorbereitung zu ermöglichen. Umsonst: In den ersten Länderspielen muss Reus wieder aussetzen.

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