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Maracanã-Stadion : Ein Symbol wird zum Streitfall

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Rios Gouverneur Sérgio Cabral gibt sich trotz allem gelassen. „Wir garantieren die Fertigstellung nach Plan im Dezember“, sagt er. 900 Tage wurden als Vorgabe für die Dauer der Bauarbeiten genannt. Die Rechnung würde jedenfalls nach derzeitigem Stand nicht aufgehen, es sei denn, man zahlte drauf. Für die Kosten kommt die Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro auf, erst nach der WM 2014 soll das Maracanã privatisiert werden. Die Verwaltung übernimmt nach den Worten Cabrals ein Privatunternehmen. Kritiker befürchten, dass Stadionbesuche für Geringverdiener dann nicht mehr zu bezahlen sind.

„Hier kommen alle sozialen Klassen zusammen“

Durch Luxusboxen, moderne Sitze und Verbesserungen bei den Sicherheitsstandards werden unwillkürlich auch die Tickets teurer, und ein großer Teil der ehemaligen Fan-Gemeinschaft wird die Spiele nur außerhalb des Stadions verfolgen können. Für Rio Carvalho ein Unding: „Maracanã ist einer der wenigen öffentlichen Orte in Rio, an dem wirklich Menschen aller sozialen Klassen zusammenkommen. Das wird einfach aufgegeben“, sagt der Assistent für Brazilian Studies an der Universität Princeton.

Christopher Gaffney, Professor für Urbanistik an der Universidade Federal Fluminense in Rio de Janeiro, geht noch einen Schritt weiter. Für ihn sind die Bauarbeiten „nichts anderes als eine weitere Renovierung ohne Sinn und Verstand“. Gaffney gehört zur Nationalen Fan-Vereinigung, einer 3000 Mitglieder starken Gruppe, die sich als Sprachrohr für die Zukunft des Fußballs in Brasilien versteht.

Es gibt nur noch Platz für 76.525 Fußballfans

Sie ist der Ansicht, dass die Kultur und die Geschichte des brasilianischen Fan-Kults mit jeder Modernisierung eines Stadions weggesprengt werden. Nach Gaffneys Ansicht geht es nur um Kommerz. Die Gegenseite argumentiert, dass die Tickets für Fußballspiele in Brasilien (ab acht Euro) immer noch wesentlich billiger seien als in vielen europäischen Ligen.

Zwölf brasilianische Städte wollen sich an der Austragung der WM beteiligen, im Maracanã-Stadion soll voraussichtlich das Endspiel stattfinden. Schon bei der einzigen Fußball-WM in Brasilien 1950 fand das Endspiel zwischen Uruguay und Brasilien dort statt. 1:2 unterlag der Rekordweltmeister damals. Seither wurde das ehrwürdige Stadion mehrmals renoviert, zuletzt vor den Panamerikanischen Spielen 2007. Fast ein Jahr lang ruhte der Spielbetrieb. 60 Millionen Euro investierte der Bundesstaat damals, doch für die Fifa hat das nicht gereicht. Nach der aktuellen Renovierung wird jetzt nur noch Platz für 76.525 Fußballfans sein. Offiziell passten einmal 173.000 Zuschauer hinein.

„Ich hoffe nur, unser Stadion bleibt, was es ist“

Im Inneren des Stadions liegt im Moment alles in Schutt und Asche. Man sieht Lastwagen über das Gelände fahren, das einer großen, grauen Grube ähnelt. Normalerweise können Touristen auch den Rasenplatz besichtigen, auf dem Márcio, den alle nur Pelé nennen, seine Kunststücke mit dem Ball vorführt. Der Brasilianer gehört seit vielen Jahren zum Inventar des Stadions.

Im Dress der Seleção begeistert der Straßenfußballer Besucher mit seiner Geschicklichkeit. Seit gebaut wird, musste auch er in den Aufenthaltsraum umziehen. Zwischen einer Zico-Bronzestatue und anderen Ausstellungsstücken lässt er den Ball auf seinem Kopf tanzen. Was im Hintergrund geschieht, davon verstehe er nichts. „Ich hoffe nur“, sagt Márcio, „unser Stadion bleibt, was es ist.“

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