https://www.faz.net/-gtl-7nuzn

Bayern-Gegner Manchester : Wayne Rooney - der letzte Mann

Dieser Mann ist eine Wucht: Wayne Rooney Bild: AP

Manchester United liegt in der englischen Liga am Boden. Nur vom bulligen Stürmer gehen noch offensive Energie und Esprit aus. Die Bayern sind vor dem Spiel in der Champions League am Dienstag (20.45 Uhr) gewarnt.

          2 Min.

          Wayne Rooney nahm den Ball, ließ einen Gegenspieler aussteigen, hatte plötzlich die ganze gegnerische Hälfte vor sich. Und eine Sekunde zum Nachdenken. Ein Blick, eine Idee, ein Schuss. Von der Mittellinie aus flog der Ball fünfzig Meter weit in hohem Bogen über den hilflos zurücktaumelnden Torwart ins Netz. Der erste seiner beiden Treffer beim 2:0-Sieg bei West Ham United vor einer Woche zeigte: Wayne Rooney ist immer noch ein Mann für die besonderen Momente.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          So, wie er es schon war, als er noch gar kein Mann war - damals, vor fast zwölf Jahren, als er kurz vor seinem 17. Geburtstag mit einem Traumtor für den FC Everton aus dreißig Metern den dreißig Spiele unbesiegten Meister und Tabellenführer Arsenal bezwang und der jüngste Torschütze der Premier-League-Geschichte wurde. Es war keine Überraschung, dass Alex Ferguson zwei Jahre später 31 Millionen Pfund ausgab, um den jungen Kraftprotz zu Manchester United zu holen - denn auch dieser Klub stand stets für die großen, die besonderen Momente.

          Ein Jahrzehnt später aber sieht Rooney wie der Letzte aus, für den das noch gilt. Nur von ihm gehen in dieser Saison noch offensive Energie und Esprit aus - wenigstens in manchen Spielen, wie beim 5:0 in Leverkusen. Oder beim 4:1 im Ligaheimspiel gegen Aston Villa am Samstag, als Rooney zweimal traf. Der einzige andere Gefahrenherd, Torjäger Robin van Persie, nach mehreren Verletzungen gerade wieder in Form gekommen, verletzte sich nach seinem Hattrick beim 3:0 gegen Olympiakos Piräus am Knie und fällt für das Viertelfinalhinspiel gegen den FC Bayern an diesem Dienstag (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) und das Rückspiel eine Woche später aus.

          Ohne ihn war das Team chancenlos beim 0:3 im Derby gegen City am Dienstag, das die Stimmung im Old Trafford kippen ließ. Erstmals beschimpften Fans nicht nur Trainer David Moyes, auch den Klub-Heiligen Sir Alex Ferguson, der Moyes zum Nachfolger bestimmt hatte. Am Samstag vor dem Heimspiel gegen Aston Villa war die Wut einiger Fans noch immer nicht verraucht. Einige Anhänger hatten ein Flugzeug gechartert, welches ein Banner über Old Trafford zog. Darauf stand geschrieben: „Der Falsche: Moyes raus“.

          Konzentration aufs Wesentliche
          Konzentration aufs Wesentliche : Bild: dpa

          Englische Zeitungen berichten von Zerfallserscheinungen: von einer angeblichen „Meuterei“ der Spieler gegen Moyes, vom möglichen Versuch einer Übernahme des Vereins durch frühere United-Stars unter Führung von David Beckham. Mit solchen Spekulationen und Machtspielchen kann der rhetorisch nicht sehr filigrane Boxer-Sohn Rooney, der in der Freizeit gern gegen den Sandsack schlägt und seinem größten Sport-Helden Mike Tyson nacheifert, wenig anfangen. Er verbreitet schlichte Durchhalteparolen. Und stellt sich immer noch hinter Moyes - der ihn damals in Everton zum 16-jährigen Jungstar gemacht hatte.

          Was man derzeit zeige, sei einfach „nicht gut genug“, klagt Rooney, dessen Team von 16 Heimspielen in der Premier League sechs verloren hat, mehr als in den letzten drei Spielzeiten zusammen. Hinzu kam das Aus in beiden Pokal-Wettbewerben vor eigenem Publikum. Rooney fordert, man müsse Old Trafford „wieder zu einem Ort machen, den Gegner fürchten“. Ob das ausgerechnet gegen die furchterregenden Bayern gelingt? Natürlich zeigt sich der hohe Favorit auf der Hut, zumindest rhetorisch. Arjen Robben warnt vor Rooneys Steigerungsfähigkeit: Er sei einer für „die großen Spiele“, einer „mit großartiger Einstellung, er hat große Qualitäten und hört nie auf zu kämpfen“.

          Zumindest in einem Punkt ist Rooney jedem Bayern voraus: Er verdient deutlich mehr. Seit seiner Vertragsverlängerung im Februar wird er mit einem Jahresgehalt von fast 19 Millionen Euro nicht mal von einem Messi oder Ronaldo übertroffen. Nun werden aber auch Wunderdinge von ihm erwartet, wie das 50-Meter-Tor bei West Ham. Spätestens in der kommenden Saison, wenn Nemanja Vidic zu Inter Mailand wechselt, winkt Rooney der Aufstieg zum Kapitän - allerdings auf einem Schiff, das derzeit zu sinken droht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Marokkanische Migranten am 18. Mai bei der Ankunft in Ceuta

          Migration aus Marokko : Ansturm auf Ceuta

          Tausende Menschen sind innerhalb eines Tages in die spanische Exklave Ceuta geströmt. Die politische Botschaft aus Rabat: Ohne Marokko lässt sich der Kampf gegen die illegale Migration nach Europa nicht gewinnen.
          Brennpunkt Jerusalem: Palästinenser am Tempelberg im Straßenkampf mit israelischen Sicherheitskräften.

          Gewalt in Nahost : Wo Frieden nicht möglich ist

          Der neue Gewaltausbruch in Nahost birgt für Israel Gefahren. Nun stehen sich auch jüdische und arabische Israelis gegenüber. Jerusalems heilige Stätten sind der Kern des Konflikts.
          Transparente gegen den Verkauf des Hauses und für die Ausübung des Vorkaufsrechts durch den Bezirk in der Anzengruberstraße in Berlin-Neukölln

          Wohnungspolitik : Neukölln wehrt sich

          Immer mehr Mietshäuser werden in Eigentumswohnungen aufgeteilt, vor allem in Großstädten wie Berlin. Ein Bezirk in der Hauptstadt nimmt nun den Kampf gegen ein großes Immobilienunternehmen auf – und betritt damit Neuland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.