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DFB-Team im Umbruch : Die starke Ansage des Manuel Neuer

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Retter in höchster Not: Manuel Neuer vereitelt eine große Chance der Weißrussen. Bild: dpa

Die Fans staunen, die Kollegen sind beeindruckt. Manuel Neuer zeigt in Weißrussland nicht nur seine Qualitäten als Torwart. Mit dem viel diskutierten Feldspieler-Auftritt macht der Torwart gleich mehrere Dinge deutlich.

          Die zwei Tore im futuristischen Stadion in den Wäldern von Borissow waren Pflicht – für die Kür sorgte Manuel Neuer. Erst entschärfte er die erste und einzige gefährliche Aktion des Außenseiters Weißrussland mit einer grandiosen Parade. Dann bat der Kapitän die Konkurrenz zum Solo-Tänzchen an der Grund- und Außenlinie. „Im Prinzip wollte ich nicht dribbeln. Aber ich hatte keine direkte Anspielmöglichkeit, deshalb habe ich nochmal aufgezogen“, beschrieb Neuer den Anfang der spektakulärsten Szene der EM-Quali-Partie der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

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          Nach den ersten zwei, drei Haken aber war die Neuer-Show beim 2:0 noch nicht zu Ende. „Beim zweiten Mal war immer noch niemand da gewesen. Dementsprechend hat sich das einfach so ergeben“, erklärte der Bayern-Torwart seine Solo-Nummer gegen Juri Kowalew. Die Fans staunten, die Kollegen zeigten sich beeindruckt. „Das hat er in der Situation gut erahnt und dann noch den richtigen Pass gespielt, so dass wir im Ballbesitz geblieben sind“, sagte Torschütze Marco Reus: „Wir kennen Manu schon ein bisschen länger und wissen, dass er fußballerisch etwas drauf hat.“

          Mit dem viel diskutierten Feldspieler-Auftritt machte der 33 Jahre alte Keeper in seinem 87. Spiel für Deutschland gleich mehrere Dinge deutlich. Nach zwei Verletzungspausen wegen eines lädierten Daumens und einer Wadenblessur in der Rückrunde dieser Saison ist er zurück in einer Form, die wieder an seine starken Vorstellungen beim WM-Triumph 2014 in Brasilien erinnert.

          Der Münchner ist noch nicht satt und geht voran. Er sprach schon ein Jahr nach der WM-Blamage in Russland wieder vom Titel bei der Euro im kommenden Sommer. Und Neuer bremst Herausforderer Marc-André ter Stegen. Der Torwart des FC Barcelona hat mehrmals sein Begehren formuliert, Neuer als Nummer eins im DFB-Team abzulösen.

          „Er ist bereit“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff zu Neuers starkem Spiel in der Borissow-Arena, die wie ein Ufo wirkt. Oft verfolgte der Torwart das Offensivspiel seines Teams an der Mittellinie(!). Er lief einige Konterversuche des Gegners wie ein Abwehrspieler ab. „Ich habe einiges gelernt von meinen Mitspielern in der Vergangenheit. Da konnte ich mir einiges abschauen“, sagte der Handarbeiter zu seinen Fähigkeiten mit den Füßen. „Er könnte bei uns auch auf der Sechs oder ein bisschen weiter vorne spielen. So kreativ, wie er hinten rumgeschnickt hat“, meinte Joshua Kimmich.

          Den wichtigsten Faktor hat auch Neuers junger Bayern-Kollege erkannt: Ein starker Neuer strahlt auf das gesamte Team ab. „Man sieht, dass er Selbstvertrauen hat, dass er Bock hat zu spielen. Das tut uns als Mannschaft sehr gut“, sagte Kimmich. Vor der WM 2018 hatte der gebürtige Gelsenkirchener Neuer viel mit den eigenen Verletzungsproblemen zu tun. Der Kapitän konnte sich parallel kaum um das Innenleben des Teams kümmern. Jetzt sieht das wieder anders aus. Neuer will vorangehen, damit der personelle Umbruch „möglichst schnell“ gelingt, wie er in Borissow sagte: „Das ist ein Prozess. Wir arbeiten hart daran, dass wir die Abläufe einstudieren und in den Spielen umsetzen.“

          Neuers Spiel als Toreverhinderer schon weit vor dem Strafraum gehört dazu. „Recht mutig bei dem Spielstand“ von nur 1:0 nannte Bierhoff das Solo-Tänzchen des Torwarts: „Aber er kann das schon sehr gut einschätzen.“ Wahrscheinlich habe er „ein bisschen Langeweile gehabt“, schloss Bierhoff mit einem Lächeln an. Neuers Ehrgeiz ist weiter groß. „Ich kenne ihn ja, er spielt gerne mit und ist froh, wenn er Aktionen hat. Natürlich war es eine tolle Aktion für ihn“, bemerkte Bierhoff.

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