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Deutscher Sieg in Niederlanden : Die Demonstration des Manuel Neuer

„Ich habe darauf gewartet, dass solche Szenen kommen, bei denen ich mich auszeichnen kann“: Manuel Neuer Bild: Picture-Alliance

Dem jungen deutschen Team gelingt mit einem Tor in letzter Minute ein Coup in den Niederlanden. Dabei steht speziell Manuel Neuer unter Beobachtung. Und dem Torwart gelingt eine besondere Antwort auf die Zweifel.

          Dass es an diesem Abend darauf ankommen würde, Behauptungswillen zu zeigen, der auch an der Körpersprache abzulesen ist, machte Manuel Neuer als einer der Ersten deutlich. Das Publikum begrüßte den 32-Jährigen beim Erscheinen auf dem Rasen in der Johan-Cruyff-Arena so, wie es einen deutschen Fußball-Nationalspieler beim Auftritt in einem holländischen Stadion nicht verwundern sollte: mit hörbarer Missgunst. Neuer nahm es relaxt zur Kenntnis und absolvierte sein Aufwärmprogramm mit demonstrativer Gelassenheit.

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          Für den Schlussmann war es sein 86. Länderspiel (durch das er nach Einsätzen mit Oliver Kahn gleichzog) und bei dem er seine Tatkraft zunächst nur dosiert einbringen musste: Weil seine Vorderleute ihre Sache zu Beginn zielstrebig erledigten und dadurch das Geschehen weit vom eigenen Strafraum weg verlagerten. Bis zur 15. Minute, als Leroy Sané die Führung erzielte, war Neuers Eingreifen überhaupt nur bei Rückpässen von Niklas Süle und Antonio Rüdiger von Nöten. Ansonsten konnte er erstmal ohne Aufregung beobachten, wie die Kollegen das Terrain beherrschten. Als es später hektischer wurde, wirkte der Münchner anders als manch Mitstreiter in Schwarz-Weiß vom Oranje-Druck unbeeindruckt.

          „Dieses Ergebnis kann nur von Vorteil sein“, bilanzierte der Rückhalt die gelungene Vorstellung, zu deren Vollendung Serge Gnabry (34.) und Nico Schulz mit der Pointe in der letzten Minute der offiziellen Spielzeit die übrigen deutschen Treffer beisteuerten. Der 3:2-Sieg in Amsterdam bescherte dem unlängst in Pflichtspielen so unsteten Team zum Auftakt der Qualifikation für die EM 2020 sogleich die ersten Punkte. Für Neuer bringe der Erfolg insbesondere eine Extraportion frisches Selbstvertrauen. „So kann es weitergehen“, fügte er an.

          Joshua Kimmich sprach von einem Coup, der „brutal gut getan hat“. Ähnliche Glücksgefühle bei allen Beteiligten habe es im Nationalteam zuletzt beim Happy End gegen Schweden während der Weltmeisterschaftsvorrunde gegeben, als Toni Kroos mit seinem Kunst-Freistoß die Hoffnung nährte, das Abenteuer in Russland führe ans Ziel. Der Mittelfeld-Stratege von Real Madrid lobte diesmal die Mitspieler speziell für die erste Hälfte: „Fußballerisch kann man es nicht besser machen“, meinte der 29-Jährige, der von einer richtungsweisenden Gier sprach, die letztlich den Unterschied ausgemacht habe: „Ich habe gespürt, dass alle auch nach dem 2:2 im Kopf hatten, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen.“

          Bei Bundestrainer Joachim Löw klang das fast gleichlautend: „Ich muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen, dass wir hier beim sehr wahrscheinlich härtesten Konkurrenten drei Punkte mitnehmen. Ich glaube, die erste Halbzeit war von uns fußballerisch überragend.“ Er sei „natürlich“ sehr zufrieden: „Wir hatten jetzt auch mal das Spielglück, das wir in den letzten Spielen nicht so hatten. Heute haben wir die PS auf die Straße gebracht.“

          Neuer, der international erfahrenste Akteur in der deutschen Startformation, stand in Amsterdam unter Beobachtung. So deutlich wie nie zuvor, nachdem er vor zehn Jahren von Löw erstmals nominiert wurde und sich dann zum Weltmeister-Rückhalt entwickelte, muss dem Routinier in den vergangenen Wochen bewusst geworden sein, dass seiner Person in den Zukunftskonzepten der DFB-Elf keine übergeordnete Rolle mehr eingeräumt wird. Auf seine Leistung gegen die Niederländer hatte das keinen ungünstigen Einfluss. Als Ryan Babel mit freier Schussbahn vor ihm aufkreuzte, wehrte Neuer den Ball ab (25.). Noch spektakulärer war seine Rettungstat 120 Sekunden darauf, als er einen weiteren Versuch Babels aus fünf Metern vereitelte.

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