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Manuel Neuer im Gespräch : „Ich habe so einen Helferinstinkt“

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Manuel Neuer ist immer aktiv - auch wenn es nicht ständig so aussieht Bild: AP/dpa

Die deutsche und Münchner Nummer eins bricht in dieser Bundesligasaison alle Rekorde. Vor der Partie gegen Düsseldorf (15.30 Uhr) spricht Neuer im F.A.Z.-Interview über seine Beschäftigungslosigkeit zwischen den Pfosten.

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          Der frühere Handball-Nationaltorhüter Stefan Hecker sagte: Wenn es wehtut, ist das ein gutes Gefühl. Weil es sagt, dass ich den Ball gehalten habe. Kennen Sie das?

          Als Fußballtorhüter hat man nicht so viele Schmerzen wie ein Handballtorhüter, bei dem die Distanz viel kürzer ist. Aber auch ich versuche, den Körper in den Weg zu stellen, ihn oft so nah wie möglich an den Angreifer heranzubringen. Und das kann ich bestätigen: Es ist ein geiles Gefühl, den Ball zu halten.

          Hat Ihre Jugend auf den Ascheplätzen des Ruhrgebiets Sie abgehärtet, so wie Sascha Mölders, den Torjäger des FC Augsburg, der kürzlich davon berichtete?

          Ich habe gegen Mölders noch auf Asche gespielt. Noch schlimmer als die rote Asche war die schwarze. An trockenen Sommertagen qualmte die. Der Platz war knochenhart, das Fallen hat immer wehgetan. Da hat man Narben davongetragen.

          Damals schauten Sie auf Anraten Ihres Jugendtrainers immer die „Eurogoals“ auf Eurosport?

          Stimmt. Schöne Tore haben mich nicht interessiert, sondern das Verhalten der Torhüter.

          Gucken Sie heute immer noch, wie es die anderen machen?

          Auf jeden Fall. Wenn man aufhört sich zu verbessern, hat man keinen Spaß mehr am Fußball. Ich versuche mich weiterzuentwickeln.

          Kann man das, wenn man so wenige Bälle zu halten bekommt wie Sie in dieser Saison beim FC Bayern? Beim 3:0 in Mainz zum Beispiel keinen einzigen.

          Bälle halten ist ja nicht meine einzige Aufgabe. Ich muss auch die Abwehr organisieren und dirigieren. Physisch ist die Intensität für mich im Training viel höher als in einem Spiel.

          Im deutschen wie im Münchner Tor ist Neuer häufig allein auf weiter Flur
          Im deutschen wie im Münchner Tor ist Neuer häufig allein auf weiter Flur : Bild: dpa

          Ein Spiel ist dann eher geistige Arbeit?

          Ja, für mich ist die Belastung eher eine psychische. Es gibt Spiele, in denen ich lange nichts zu tun bekomme. Ich halte mich dann durch das Sprechen mit den Vorderleuten, durch das Dirigieren und Organisieren wach. Ich merke dann, ich bin im Spiel, bin aktiv. Und wenn wir eine Ecke haben, schnappe ich schon mal einen Ball vom Balljungen und lasse den ein paar Mal aufticken, um das Gefühl zu behalten. Es kann ja immer noch eine Situation kommen, in der man da sein muss für die Mannschaft. Darauf muss ich vorbereitet sein.

          Die Zuschauer liegen also falsch, wenn sie sagen: Der muss ja gar nichts machen?

          Ich bin aktiv, auch wenn man es nicht ständig sieht.

          Ein perfekter Arbeitstag sähe aber anders aus?

          Ich freue mich natürlich, wenn ich mich auszeichnen kann. Aber ich kann ja den Abwehrspielern nicht sagen: Jetzt lasst mal einen vorbei. Genau das will ich ja verhindern, indem ich mithelfe und dirigiere, damit wir gut stehen.

          Sie sind ja ein Dirigent, dem das Orchester meist den Rücken zuwendet.

          Ich bin der einzige Spieler im Team, der alle anderen 21 Spieler auf dem Platz sieht. Deshalb kann ich am besten einwirken auf die Mannschaft. Aber ich erreiche natürlich akustisch nicht jeden. Das ist einer der Gründe, warum ich relativ weit vorne stehe, um mindestens die Viererkette und die beiden defensiven Mittelfeldspieler mit meiner Stimme noch zu erreichen - was nicht immer gelingt.

          Sehen Sie in Ihrem Breitbandbild sofort, wenn was nicht stimmt? Wenn in der Defensive die Abstände nicht richtig sind?

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