https://www.faz.net/-gtl-9lkkr

Manchester United : Das Ende der Alleinherrschaft

  • -Aktualisiert am

An seiner Seite wäre noch Platz: Trainer Ole Gunnar Solskjaer soll neben sich einen Sportdirektor stehen haben Bild: AFP

Seit dem Karriereende von Ferguson fehlt bei Manchester United eine Vision. Solskjaer ist nun das Gesicht eines Gegenentwurfs – doch der Klub will neben ihm einen Sportdirektor installieren.

          2 Min.

          Dass die Störgeräusche irgendwann kommen würden, damit mussten sie rechnen bei Manchester United. Der neue Trainer Ole Gunnar Solskjaer, der im Dezember die Nachfolge des entlassenen José Mourinho angetreten hat, war mit zehn Siegen in elf Spielen in seine neue Aufgabe gestartet. So konnte das nicht ewig weitergehen. Am Dienstagabend hat sich beim Auswärtsspiel gegen die Wolverhampton Wanderers nun ein weiterer Misston eingeschlichen: United verlor das Spiel beim Siebten der Premier League trotz spielerischer Überlegenheit 1:2 und verpasste dadurch den Sprung auf Platz drei der Tabelle.

          Zuvor hatte die Mannschaft bereits gegen Paris Saint-Germain im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals verloren, die Niederlage im Rückspiel aber noch umgebogen; in der Liga musste sie sich dem FC Arsenal und im Viertelfinale des FA Cups abermals den Wolves geschlagen geben.

          Das ändert aber nichts am generellen Erfolg Solskjaers. Der 46-Jährige hat United seit seinem Amtsantritt als Interimstrainer im Dezember zurück in die Spur gebracht. Sein Auftrag war es eigentlich nur gewesen, eine bis dahin verkorkste Saison halbwegs würdevoll zu Ende zu bringen. Er hat es in kurzer Zeit geschafft, die schlechte Stimmung im Team zu verbessern.

          Unter seiner Leitung rufen Stars wie Paul Pogba, Romelu Lukaku und Marcus Rashford wieder regelmäßig ihr volles Potential ab. In der Tabelle der Premier League steht United nach 32 Spielen in Reichweite der Champions-League-Plätze, in der laufenden Saison des europäischen Spitzenwettbewerbs steht Manchester United erstmals seit 2014 wieder im Viertelfinale, wo mit dem FC Barcelona eine schwierige, aber auch eine schillernde Aufgabe wartet.

          Solskjaer (links) und Spieler nach der Niederlage gegen Wolverhampton: Störgeräusche eingeschlichen
          Solskjaer (links) und Spieler nach der Niederlage gegen Wolverhampton: Störgeräusche eingeschlichen : Bild: AP

          Solskjaers Beförderung zum Cheftrainer mit einem Vertrag über drei Jahre war also nur folgerichtig. Aber sie ist nicht ohne Risiko. Denn eine angeschlagene Mannschaft wiederaufzurichten, ist das eine; den Klub langfristig so zu lenken, dass er in England und in Europa wieder um Titel mitspielen kann, das andere. Es ist fraglich, ob der als Trainer noch vergleichsweise unerfahrene Solskjaer das allein schaffen kann. Ein Sportdirektor würde ihm zumindest einen Teil der Arbeit abnehmen können.

          Schon als im Dezember Mourinho entlassen wurde, machten Berichte die Runde, wonach der Klub daran interessiert sein soll, einen solchen Posten einzurichten. In England, wo die Cheftrainer nicht ohne Grund „Manager“ genannt werden, ist eine solche Arbeitsteilung nicht unbedingt üblich. Es heißt aber, man gehe bei United davon aus, spätestens zum Anfang der nächsten Saison einen Namen präsentieren zu können. Und Solskjaer scheint das durchaus sinnvoll zu finden.

          Auf die Pläne angesprochen, sagte er: „Ich spreche und diskutiere gerne mit Leuten über Fußball, die Ahnung haben und in den richtigen Positionen sind. Die Anforderungen des Fußballs bedeuten heute, dass man die Verantwortung teilen muss.“ Zusammen mit Vizevorstand Ed Woodward und Joel Glazer, Teil der amerikanischen Eigentümerfamilie, würden nun Optionen geprüft, wie man den Klub am besten in die Zukunft steuere. Gesucht werde eine Person, bei der die Zügel aus den verschiedenen Bereichen zusammenlaufen, darunter etwa das Scouting oder die Nachwuchsarbeit.

          Seit dem Karriereende von Alex Ferguson vor sechs Jahren konnte Manchester United nicht mehr an seine alten Erfolge anknüpfen. Es fehlt eine Vision, eine langfristige Strategie. David Moyes, Louis van Gaal, Mourinho: Keiner hat es geschafft, bei Manchester United die Erwartungen zu erfüllen. Solskjaer wird nun zum Gesicht eines Gegenentwurfs – ohne einen einzelnen starken Mann im Zentrum sämtlicher Abläufe, sondern mit einer Aufgabenteilung, die einem Unternehmen von der Größe Manchester Uniteds eher gerecht wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein als Totengräber verkleideter Mann steht in Bayern neben einem Holzkreuz mit der Aufschrift „Gastronomie“.

          Lockerungs-Diskussion : Mahner gegen Ungeduldige

          Wie üblich gibt es kurz vor dem nächsten Bund-Länder-Gipfel zu Corona eine Kakophonie der Forderungen. Ärzteverbände raten zur Vorsicht, die Menschen in verschiedenen Bundesländern bewerten die bisherigen Maßnahmen sehr unterschiedlich.
          Mitarbeiter von Bosch versammeln sich am frühen Morgen mit Fackeln vor einem Werk in Stuttgart und beteiligen sich an einer Kundgebung.

          Tarifkonflikt : IG Metall hat in der Nacht mit Warnstreiks begonnen

          Die Arbeitgeber instrumentalisierten die Corona-Krise, um höhere Löhne zu verhindern – so der Vorwurf der Gewerkschaft. In vielen Werken haben Beschäftigte in der Nacht die Arbeit niedergelegt, und im Lauf des Tages sollen es noch mehr werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.