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Manchester United : Planziel mit sauberem Laken erfüllt

Meisterjubel: Carrick, Rooney und Ronaldo (vl.) feiern den Titel Bild: REUTERS

Mit einem unspektakulären 0:0 gegen Arsenal wurde Manchester United vorzeitig englischer Meister. Der 18. Titel ist ein historischer. Die „Red Devils“ wollen mehr. Sparpläne könnten Alex Ferguson aber einen Strich durch die Rechnung machen.

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          Es war eine unspektakuläre Art, einen Titel zu erreichen. Ein Treffer war nicht nötig, kein einziger Schuss erreichte das gegnerische Tor. Ein 0:0 gegen Arsenal reichte zum vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft, der dritten hintereinander. Die routinierte Weise, mit der Manchester United am Samstag im Stadion Old Trafford den Titel holte und feierte, zeigte: Es war nicht die Erfüllung eines Traumes, sondern eines Planzieles.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der letzte Schritt zur achtzehnten englischen Meisterschaft, durch die United zum FC Liverpool als Rekordmeister aufschloss, zeigte einen Minimalismus, den beherrschen muss, wer so viel auf einmal erreichen will wie Alex Ferguson mit seiner Mannschaft. Offensive Kräfte wurden gespart für das Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona (der sich ebenso schonen konnte, denn die 2:3-Niederlage von Real Madrid in Villarreal machte Barca am Samstag ebenfalls vorzeitig zum Meister, siehe auch: Fußball international: Barcelona und Inter werden auf der Couch Meister). Es reichte eine kompakte Defensivleistung, die United zum bereits 23. „clean sheet“ der Saison führte, dem „sauberen Laken“, wie man in England ein Spiel ohne Gegentor nennt. Wenn Edwin van der Sar auch am nächsten Samstag in Hull sauber bleibt, stellt er den vier Jahre alten Premier-League-Rekord von Chelsea-Torwart Petr Cech ein.

          „Das gäbe uns einen besonderen Platz in der Klubgeschichte“

          Es ist bereits die dritte Trophäe der Saison, nach Klub-Weltmeisterschaft und Ligapokal. Ermöglicht wurde das durch den ausgeglichensten und stärksten Kader, den ein Klub in England, vielleicht sogar in Europa, je aufgebaut hat. „Das Besondere in dieser Saison ist, dass man die beste Elf nicht nennen kann“, fand Kapitän Gary Neville. „Es ist der gesamte Kader. Jeder hat dazu beigetragen.“

          Meistertrainer Alex Ferguson

          Ferguson kann sich bestätigt fühlen, besonders in das zentrale Mittelfeld investiert zu haben. Unter José Mourinho hatte der FC Chelsea mit Spielern wie Lampard und Essien ein Übergewicht im Spielzentrum erreicht und zweimal den Titel gewonnen, denn Ferguson hatte nach dem Karriere-Ende von Roy Keane lange keinen adäquaten Ersatz gefunden. Das änderte sich erst, als United mehr als 80 Millionen Euro für Carrick, Anderson und Hargreaves ausgab. Dazu entwickelte sich der Schotte Darren Fletcher zu einem Weltklassespieler. Resultat ist eine kompakte Stärke im Spielzentrum, mit der United gegen jeden bestehen kann. Typisch für den nimmersatten Ferguson ist, dass er schon am Tag des 18. Meistertitels an den 19. dachte: „Das gäbe uns einen besonderen Platz in der Klubgeschichte.“

          Die ermüdende Dominanz könnte auf die Probe gestellt werden

          Dabei haben sie den längst sicher. Für Ferguson und seinen Evergreen Ryan Giggs war es bereits der elfte Meistertitel mit Manchester. Liverpool dagegen, das seit 1990 keinen mehr gewonnen hat, schmerzt dieser Saisonausgang besonders. Denn in der ersten Saisonhälfte waren die „Reds“ das eindeutig beste Team, ehe sie im Winter für ein paar Wochen schwächelten und dann nicht mehr herankamen. Benitez hatte zwar recht, als er fand, dass Manchester über weite Strecken der Saison „nicht das beste Team“ war, gerade im Vergleich mit den drei anderen Spitzenklubs, gegen die es nur fünf von 18 Punkten holte. Aber United leistete sich die wenigsten Schwächen.

          Die ermüdende Dominanz der immergleichen vier Top-Teams könnte bald auf eine Probe gestellt werden. Laut einem Bericht des „Observer“ gibt es Sparpläne der Premier League, die Größe der Profikader auf 30 oder gar nur 25 Spieler zu beschränken. Die hochverschuldeten Topklubs beschäftigen viel mehr Spieler, allen voran Liverpool mit 62 Profis, Arsenal mit 59, Manchester mit 51, Chelsea mit 46, alle deutlich über dem Ligaschnitt von rund vierzig. Es würde bedeuten, dass sie nicht mehr alle Verletzungen, Sperren oder Formschwankungen mühelos aus gewaltigen Personalreserven ausgleichen könnten - so wie es Manchester in dieser Saison beeindruckend gelang.

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