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Eichlers Wochenschau : England ist das Land der Serientäter

Wer gewinnt das Manchester-Derby? José Mourinho und Pep Guardiola (rechts) treffen als Trainer mal wieder aufeinander. Bild: dpa

Manchester Uniteds Trainer José Mourinho hält einen unglaublichen Rekord. Nun aber steht die längste Sonntagsserie der Welt nach dem „Tatort“ auf dem Spiel. Der Unterhaltungswert dürfte immens sein.

          Chapeau: Es gibt Weltrekorde, die ihre Halter überleben dürften. José Mourinho zum Beispiel hat neun Jahre lang, von Februar 2002 bis April 2011, mit keinem seiner Teams– Porto, Chelsea, Inter Mailand, Real Madrid– ein Heimspiel verloren, 150 Mal hintereinander. Und, fast noch unglaublicher: An einem Sonntag (17.30 Uhr bei DAZN) hat der Portugiese in seinen 17 Jahren als Trainer noch nie zu Hause verloren. 105 Mal. Nun aber steht die längste Sonntags-Serie der Welt nach dem „Tatort“ auf dem Spiel.

          Chapeau – wir ziehen den Hut!

          Am Tatort Manchester kommt Pep Guardiola mit Tabellenführer City zum Derby beim Tabellenzweiten United. Dass die beiden Trainerstars sich nicht sehr mögen, steigert den Unterhaltungswert des Duells. Mourinho hat nun dem Kollegen vorgeworfen, Lügen über angebliche Verletzungen seiner Profis aufzutischen. Guardiola ignorierte das Psycho-Spielchen. Er weiß: Wenn sein Team gewinnt und den Vorsprung auf elf Punkte ausbaut, beendet er nicht nur Mourinhos Sonntags-Strähne. Er geht dann selbst in die Geschichtsbücher ein: 14 Siege am Stück in einer Saison hat in 130 Jahren Erstligafußball auf der Insel noch niemand geschafft. England, das Land der Serientäter.

          Attaque: Auch Russland hat eine Serie, allerdings eine unsportliche. Als Drahtzieher des Staats-Dopings ist Vize-Ministerpräsident Witali Mutko vom IOC lebenslang ausgeschlossen worden. Die Fifa dagegen braucht Mutko noch, als Organisationschef der Fußball-WM 2018, und lässt ihn ungeschoren. Gut, wenn man in der Not noch Freunde hat oder zumindest Komplizen. Auch Sulejman Kerimow braucht welche, seit er in Nizza aus seinem Privatjet heraus wegen Geldwäsche verhaftet wurde. Bekannte Landsleute fordern seine Freilassung und verweisen auf die Verdienste des Milliardärs – unter anderem für den Sport.

          Attaque – hier wird angegriffen!

          Wie er diese Wohltaten leisten konnte, etwa die rund vierhundert Millionen Euro, die er in seinen Heimatklub Anschi Machatschkala steckte (mit Weltstars wie Roberto Carlos, dem er einen Bugatti Veyron schenkte), wirkt jedoch rätselhaft. Denn dieser bescheidene Oligarch, der als Parlamentarier seine Einkünfte offenlegen muss, musste 2016 mit offiziell 170.000 Euro auskommen. Das weckt sogar das Mitleid von Fußballprofis, eines sonst für politische Aktionen schwer zu begeisternden Berufsstandes. In der russischen Liga liefen die Anschi-Kicker mit der Trikotbotschaft auf: „Wir stehen dir bei, Sulejman!“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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