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Stadtderby in England : Manchester will das United-Feeling zurück

  • -Aktualisiert am

Manchester Uniteds Marcus Rashford spielt bisher eine überragende Saison. Bild: Reuters

Ein Sieg über den Stadtrivalen Manchester City würde allen United-Fans eine schöne Weihnachtszeit beschweren – ungeachtet der ungelösten Probleme im Verein. Und die sitzen tief und belasten seit langem.

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          Wenn man einmal ausblendet, dass Manchester United standesgemäß eigentlich weiter oben in der Tabelle der Premier League stehen müsste, dann sieht die aktuelle Situation des Klubs gar nicht so übel aus. Nach 15 Spielen in Englands erster Fußballliga sind die Plätze, die zur Teilnahme an der Champions League oder zumindest der Europa League berechtigen, nicht außer Reichweite. In der Liga sind sie seit vier Spielen unbesiegt; am Mittwoch gewann United gegen Tottenham Hotspur 2:1 und hat sich dadurch in der Tabelle an den Londonern vorbeigeschoben.

          Das dürfte der Mannschaft Mut machen für das Stadtderby gegen Manchester City am Samstag (18.30 Uhr bei Sky). Zumal City nicht mehr die Aura der Unbesiegbarkeit umweht wie in den vergangenen beiden Spielzeiten, in denen der ehemals kleinere der beiden Manchester-Klubs jeweils englischer Meister wurde. Ein Sieg gegen den Lokalrivalen, und die United-Fans hätten eine fröhliche Weihnachtszeit – ungeachtet der nach wie vor ungelösten Probleme im Verein.

          Die sitzen tief und belasten Englands Rekordmeister seit dem Karriereende der Trainerlegende Sir Alex Ferguson vor sechseinhalb Jahren. Dem Klub fehlt eine allem zugrundeliegende Idee, was sich in den vergangenen Jahren durch nicht erfüllte Trainer-Versprechen und teure Transfer-Flops geäußert hat. Die Fans legen das vor allem Ed Woodward zur Last, dem mächtigen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden und langen Arm der ungeliebten amerikanischen Eigentümerfamilie Glazer.

          Bloß keine Provokation vor dem Spiel

          So wurde United seit Fergusons Abschied mal Siebter, mal Vierter und dann wieder Sechster, was dem Anspruch dieses stolzen Klubs nicht gerecht wird. Nur in der Saison 2017/18, da wurden sie noch einmal Meisterschaftszweiter, ausgerechnet hinter City. Der Trainer damals war José Mourinho, der im vergangenen Dezember bei United entlassen wurde und der nun seit wenigen Wochen Tottenham Hotspur trainiert.

          Bei seiner Rückkehr ins Old Trafford wurde der Portugiese von den Fans freundlich begrüßt; warum auch nicht, immerhin hat er mit United in zweieinhalb Jahren die Europa League und den Ligapokal gewonnen. Trotzdem war sein Abschied geprägt von Misstönen, etwa von dem Konflikt mit United-Star Paul Pogba, der es gewagt hatte, Mourinho für dessen als zu pragmatisch wahrgenommene Spielweise zu kritisieren. Statt Mourinho holte United den bei den Fans extrem beliebten früheren Stürmer Ole Gunnar Solskjær, einen Anfänger im Geschäft.

          Nach dem Spiel am Mittwoch bemühten sich beide Trainer um leise Töne, wohl wissend, dass ihnen jeder Satz über den Gegner als Provokation ausgelegt werden könnte. „Die drei Punkte sind sehr wichtig für uns“, sagte Solskjær und lenkte den Blick lieber auf eigene Schwächen: „Wir haben in dieser Saison zu oft unentschieden gespielt und in Führung liegend zu viele Punkte abgegeben.“ Mourinho zeigte sich zwar unzufrieden mit der Leistung seines Teams, zollte aber auch seinem früheren Arbeitgeber Respekt: „Ich denke, sie haben es gut gemacht.“ Gewarnt hatte Mourinho unter anderem vor Marcus Rashford, wie er ausführte.

          Ein Sieg zum richtigen Zeitpunkt

          Der 22-Jährige schoss beide Tore zum Sieg für Manchester United, das Führungstor schon nach sechs Spielminuten. Überhaupt spielt Rashford bis jetzt eine starke Saison, in der Premier League steht er bei neun Toren und vier Vorlagen und hat damit beinahe schon die Werte aus der kompletten Vorsaison erreicht, als er vor allem unmittelbar nach dem Trainerwechsel groß aufspielte. Am Mittwochabend schrieb er bei Twitter „Doubters just spur me on“, Zweifler treiben mich nur an – und überließ die Interpretation seinen Followern.

          Für Solskjær war es ein Sieg zum richtigen Zeitpunkt. Denn so populär der Norweger auch ist, die Klubführung um Woodward will Fortschritte sehen. Zur Einordnung: Nach 15 Spielen in der vergangenen Saison, als Mourinho noch Trainer war, hatte United zwei Punkte mehr als heute. Am 17. Spieltag, nach einer 1:3-Niederlage gegen den Rivalen FC Liverpool, wurde er schließlich entlassen. Rein mit Blick auf die Tabelle läuft es mit Solskjær also nicht besser als mit Mourinho. Dennoch heißt es, dass sein Job bis auf weiteres nicht in Gefahr sei.

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