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Manchester United : Ende der Schonfrist für Moyes

Jetzt gilt es: David Moyes startet mit Manchester United in die Königsklasse Bild: dpa

David Moyes hat als Nachfolger von Alex Ferguson bei Manchester United erst ein Spiel verloren. Doch Fans und Medien murren. Nun startet er gegen Leverkusen (20.45 Uhr) in die Champions League.

          Eine Woche nach seinem 50. Geburtstag war David Moyes mit seiner Frau in der Stadt, er musste etwas an der Uhr richten lassen, die sie ihm geschenkt hatte. Das Telefon klingelte. Es war ein Anruf, der die Uhren im Leben von David Moyes auf einen Schlag anders ticken ließ. „Wo bist du?“, fragte die vertraute Stimme von Alex Ferguson.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Kannst du vorbeikommen?“ Moyes setzte seine Frau im Einkaufszentrum ab, dachte, dass Sir Alex ihm einen Spieler leihen oder abkaufen wolle, und ärgerte sich nur, dass ihm keine Zeit blieb, seine Sachen zu wechseln. Denn „ich würde nie in Jeans und T-Shirt zu einem Treffen mit Sir Alex gehen“.

          Daheim bei Ferguson gab es eine Tasse Tee. Und dreizehn Worte, die Moyes „schockten“. Ferguson sagte: „Ich höre nächste Woche auf. Du bist der neue Trainer von Manchester United.“ Es war eines jener Angebote, die man nicht ablehnen kann: Nachfolger des erfolgreichsten Trainers der Welt zu werden.

          „Ich hatte keine Chance, ja oder nein zu sagen. Mir wurde nur gesagt: Du bist der Neue, und das reichte.“ Viereinhalb Monate später steht der rothaarige Schotte mit dem stechenden Blick gegen Bayer Leverkusen an diesem Dienstag (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) am Anfang seiner Karriere in der Champions League - und am Ende seiner Schonfrist bei United.

          Verzicht auf fast fünf Millionen Euro

          Er hat erst ein Spiel verloren (0:1 in Liverpool am 3. Spieltag der Premier League) und wurde dennoch von einigen bereits als Verlierer dargestellt. Fans und Medien murrten, weil im Sommer kein namhafter Spieler verpflichtet werden konnte. United fragte bei Real Madrid nach Mesut Özil und Sami Khedira, bekam aber keinen der beiden Deutschen.

          Auch der Versuch, Ander Herrera von Athletic Bilbao zu verpflichten, scheiterte. Als einziger Transfer kam der des Belgiers Marouane Fellaini von Moyes’ bisherigem Klub FC Everton zustande - und auch das nur, weil Fellaini laut „Independent“ in den letzten Stunden der Transferperiode gegenüber dem alten Klub auf Bonuszahlungen von fast fünf Millionen Euro verzichtete.

          Den Titel im Community Shield gewann Moyes mit Stürmer Robin van Persie schon

          Fellaini ist ein wuchtiger Arbeiter im Mittelfeld, aber keiner jener Kreativspieler, die United fehlen, da Shinji Kagawa bisher nicht an seine Dortmunder Klasse anknüpfen konnte, und Ryan Giggs, inzwischen zugleich Assistenztrainer und Joker von Moyes, in drei Monaten vierzig wird. Das Publikum im Old Trafford dürstet nach einem Flair-Spieler, seit Cristiano Ronaldo 2009 zu Real Madrid wechselte.

          Dessen Murren über den Weggang von Özil und die Verpflichtung von Gareth Bale hatten in Manchester Hoffnungen auf eine Rückkehr geschürt. Doch mit der Bekanntgabe des neuen Fünfjahresvertrags bei Real hat sich dieses Thema seit Sonntag auch erledigt. United hat einen großen Namen, doch viel davon war mit der überlebensgroßen Figur Ferguson verbunden.

          Moyes und Rooney trafen sich vor Gericht

          Und schon in den vergangenen Jahren hat der Klub trotz dessen Ausstrahlung auf dem Spielermarkt nicht mehr in der ersten Reihe mitbieten können. Wegen der hohen Abflüsse für die Darlehen, mit denen der Amerikaner Malcolm Glazer 2005 den Klub kaufte, bleibt trotz stattlicher operativer Gewinne nicht genug übrig, um mit den Rohstoff-Milliardären von Manchester City und Chelsea mitzuhalten.

          Dafür hat Moyes etwas anderes geschafft, das nicht selbstverständlich ist, wenn eine Trainerlegende wie Ferguson aufhört: das Team zusammenzuhalten. Nani verlängerte, Robin van Persie will es ihm nachtun, und vor allem blieb Wayne Rooney. Der bullige Engländer war zuletzt unzufrieden, von Ferguson ins Mittelfeld zurückgezogen zu werden.

          Öffnen

          Und nachdem er vom alten Boss beim Aus in der Champions League gegen Real nur auf der Bank gelassen wurde, machte Rooney kein Geheimnis daraus, zu Chelsea wechseln zu wollen. Doch Moyes gab ihn nicht her, obwohl es für ihn kein einfacher Fall von Vertrauensbildung war.

          Als Trainer bei Everton hatte er den Jungstar zu United ziehen lassen müssen, worauf Rooney ihm in einem Buch unterstellte, den Verkauf erzwungen und die Presse informiert zu haben. Man sah sich vor Gericht, Rooney zog den Kürzeren. Nun hat Moyes Rooney neu motiviert, mit einem Platz im Sturm neben Robin van Persie und mit der Aussicht, das zu sein, „was er ist“.

          „Alles am deutschen Fußball ist beeindruckend“

          Am Samstag erzielte Rooney, der derzeit wegen einer Kopfverletzung mit einem gepolsterten Stirnband spielt und damit einem russischen Trachtentänzer ähnelt, per Freistoß sein erstes Saisontor zum 2:0-Endstand gegen Crystal Palace. Moyes sah ihn „auf dem Weg zu alter Form“.

          Die ist auch nötig, vor allem in der Champions League. Ferguson, inzwischen einer der Klubdirektoren, sprach von einer der „schwersten Gruppen, die United je hatte“ - mit Donezk, San Sebastian und Leverkusen. „Alles am deutschen Fußball“, so Moyes, „ist beeindruckend“.

          Der Spieler mit der auffälligsten Frisur spielt nun in Manchester

          Schon in den elf Jahren, in denen er Everton von einem Abstiegskandidaten in einen stabilen Klub des oberen Tabellendrittels der Premier League verwandelte und dreimal „Trainer des Jahres“ wurde, war die Champions League sein „Ziel als Trainer“ - eines, das er nie erreichte.

          Für United dagegen ist die Champions League Alltag, man ist zum 18. Mal nacheinander dabei, Rekord. Es ist immer noch der Klub des Alex Ferguson, weiß Moyes. „Aber irgendwann wird es der von David Moyes sein.“

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