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Manchester United : Der Aufstand der Edelfans

Keine Freunde: Schon 2005 protestierten viele United-Fans gegen die Übernahme des Klubs durch die Glazer-Familie Bild: AFP

Reiche Fußballanhänger wollen die Glazers, ungeliebte Eigner von Manchester United, loswerden. Mittendrin im Zweikampf um den Champions-League-Sieger: Jim O'Neill, Chefökonom bei Goldman Sachs. Sein Arbeitgeber ist von O'Neill wenig erfreut - verdient doch die Bank mit den Glazers mit.

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          Die amerikanische Unternehmerfamilie Glazer hat nicht mehr viele Freunde bei Manchester United. Wenn die Eigentümer des britischen Fußballvereins die Heimspiele im Stadion Old Trafford besuchen wollen, brauchen sie neuerdings Bodyguards, um sich die wütenden Fans vom Leibe zu halten. Die Trikots der Spieler auf dem Platz sind zwar rot, doch viele Anhänger von Manchester United tragen als demonstratives Zeichen ihres Protests Schals in Grün und Gelb - den historischen Vereinsfarben des Traditionsclubs.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sportlich gibt es keinen Grund zur Klage. Manchester United hat auf der Insel die letzten drei Meistertitel geholt und steht auch derzeit auf Platz eins der Tabelle. Vor zwei Jahren gewann das Team außerdem die europäische Champions League. Aber die Fans werfen Familienpatriarch Malcolm Glazer vor, den britischen Spitzenclub finanziell auszusaugen und dem Verein untragbare Schulden aufgehalst zu haben. Erst vorletzte Woche hat mit dem FC Portsmouth erstmals ein Verein der höchsten britischen Spielklasse Insolvenz angemeldet.

          An die Spitze der Anti-Glazer-Bewegung hat sich eine ungewöhnliche Allianz von leidenschaftlichen Manchester-Anhängern gesetzt, deren Mitglieder sich mit Geld bestens auskennen: Vermögende Edelfans aus dem Londoner Bankenviertel wollen eine voraussichtlich milliardenschwere Übernahmeofferte für den Verein organisieren, um die Glazers loszuwerden. „Red Knights“ (Rote Ritter) nennt sich die Gruppe, die auf der Insel für Schlagzeilen sorgt.

          Farbiger Protest: Die Unterstützer der „Red Knights” tragen gelb und grün als Protest gegen die Glazer-Familie, die ihren traditionell rot gekleideten Klub übernommen hat

          Als Initiator gilt Jim O'Neill, der Chefvolkswirt der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs. Hedge-Fonds-Manager Paul Marshall ist mit von der Partie und der im Fußballgeschäft erfahrene Investmentbanker Keith Harris. Zwei namentlich nicht bekannte Geldgeber sollen angeblich bereits jeweils 500 Millionen Pfund für den Übernahmecoup angeboten haben.

          Die Glazers geben sich unbeeindruckt

          Inzwischen haben die Rebellen mit den tiefen Taschen auch zahlreiche weniger betuchte Manchester-Anhänger auf ihrer Seite. Das Fanbündnis Manchester United Supporters' Trust (Must) hat sich mit den Roten Rittern solidarisiert und die Zahl seiner Unterstützer binnen weniger Tage auf über 120.000 Fans mehr als verdoppelt.

          Die Glazers geben sich unbeeindruckt und lassen lediglich ausrichten, dass der Verein nicht zum Verkauf stehe. Analysten spekulieren freilich darüber, dass dies nur Verhandlungstaktik sein könnte. Malcolm Glazers Sohn Joel hat sich zudem telefonisch bei Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein über dessen Untergebenen O'Neill beschwert und gedroht, die Geschäftsbeziehung zur Bank zu beenden. Goldman Sachs hat noch im Januar mitgeholfen, eine Ramschanleihe von Manchester United im Volumen von 500 Millionen Pfund (rund 550 Millionen Euro) unters Volk zu bringen.

          Während also sein Arbeitgeber an der Schuldenspirale von Manchester United mitverdient, macht O'Neill genau dagegen öffentlich Front. Seinen Feldzug gegen die Glazers führe er als „Privatmann“, verteidigt sich O'Neill, doch soll Bankchef Blankfein erbost über die Freizeitaktivitäten seines Chefvolkswirts sein. Der Brite O'Neill, der seit Jahrzehnten Vereinsfan ist, nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Schulden bei Manchester United seien zu hoch, wetterte der Ökonom und stellte klar: „Ich werde diese Anleihe nicht kaufen.“

          Spekuliert wird über ein Angebot von 1,2 Milliarden Pfund

          Gemessen an den Einnahmen ist der Verein zwar die Nummer drei unter den reichsten Fußballclubs in Europa. Doch Manchester United sitzt ähnlich wie andere britische Fußballclubs auf einem Schuldenberg von mehr als 700 Millionen Pfund. Die Glazers haben ihre Übernahme vor fünf Jahren zu großen Teilen über Kredite finanziert, nun zehren die Zinsen am Gewinn. Die Kritiker werfen den Eigentümern außerdem vor, sich über millionenschwere „Managementgebühren“ am Verein zu bereichern.

          „Riesige Summen sind ausbezahlt worden“, ärgert sich Duncan Drasdo, der Vorsitzende des Fanbündnisses Must. Die britische Fußballwelt wartet mit Spannung darauf, ob es den Roten Rittern gelingt, genügend Kapital für eine erfolgreiche Kaufofferte zu mobilisieren. Spekuliert wird über ein Angebot von mindestens 1,2 Milliarden Pfund einschließlich Schulden.

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