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Manchester City und United : Keine gleichwertigen Mannschaften mehr

  • -Aktualisiert am

Sané jubelt und City marschiert an der Spitze, United steht im Abseits. Bild: dpa

Das Manchester-Derby in der Premier League macht deutlich: City ist spitze, United abgehängt. Die Frage ist nun, ob Solskjaer der richtige Mann ist, Englands Rekordmeister zu sanieren.

          Als Trost bleibt den Fans von Manchester United nur die Schadenfreude. Denn die 0:2-Niederlage ihrer Mannschaft im Derby gegen Manchester City tut ihrem ärgsten Rivalen, dem FC Liverpool, mehr weh als ihnen. City hat durch den Sieg im Titelrennen in der Premier League vor dem FC Liverpool nun einen Punkt Vorsprung und es damit selbst in der Hand, die Meisterschaft zu verteidigen. Und wenn die United-Fans ihrem neureichen Nachbarn den Triumph auch nicht gönnen, so wäre er für sie trotzdem leichter zu verkraften, als den FC Liverpool nach fast 30 Jahren wieder an der Spitze sehen zu müssen.

          Über eines aber kann die Folklore dieser traditionellen Rivalität nicht hinwegtäuschen: Manchester United gehörte in dieser Saison zu keiner Zeit auch nur zum erweiterten Kreis der Titelanwärter. Momentan müssten sie sich im nächsten Jahr mit der Europa League begnügen. Weniger Geld, weniger Glamour. Aktuell stehen fünf Klubs vor ihnen in der Tabelle: Manchester City, der FC Liverpool, Tottenham Hotspur, der FC Chelsea und der FC Arsenal. In der vorigen Saison wurde United zwar Zweiter hinter Meister City, allerdings mit 19 Punkten Rückstand. In den Jahren davor waren sie Sechster, Fünfter, Vierter und Siebter geworden. Englands Rekordmeister, das zeigt sich in diesen Tagen wieder einmal, hat den Anschluss an die Spitze verloren.

          Seit der Kult-Trainer Alex Ferguson vor sechs Jahren mit dem Gewinn der bislang letzten Meisterschaft von Manchester United in den Ruhestand ging, wirkt der Klub planlos. Es fehlt eine klare Strategie. Fergusons Nachfolger – David Moyes, Louis van Gaal und José Mourinho – konnten Uniteds einstigen Stellenwert nicht aufrecht erhalten. Mit Ole Gunnar Solskjaer, der im Dezember Mourinho ersetzt hat, ist nun eine Art Gegenentwurf zu dessen namhafteren Vorgängern im Amt. Er ist als Trainer vergleichsweise unerfahren, wird ab Sommer wohl erstmals mit einem Sportdirektor zusammenarbeiten – und er soll aus seiner Zeit als Spieler die „United-DNA“ in sich tragen.

          Dabei war der Norweger, der sogar mit dem für Manchester typischen Dialekt Englisch spricht, ursprünglich nur als Interimstrainer bis zum Ende der Saison geholt worden. Aber weil er anfangs einen Sieg nach dem anderen holte und im Achtelfinale der Champions League unerwartet Paris St. Germain bezwang, beförderte ihn der Klub im März zum Cheftrainer mit einem Vertrag über drei Jahre. Vizevorstand Ed Woodward habe ja auch keine andere Wahl gehabt, hieß es zu der Zeit – so erfolgreich, so beliebt war Solskjaer in Manchester, auch bei den Fans.

          Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen werden allerdings kritische Stimmen laut. Manchester United hat sieben seiner vergangenen neun Spiele verloren; vor dem 0:2 gegen Manchester City waren sie gegen den FC Everton 0:4 untergegangen. Der ehemalige United-Spieler Paul Ince sagte danach der BBC: „So, wie Manchester United gerade spielt, muss man fragen, ob Ole Gunnar Solskjaer der richtige Mann ist.“

          Trainer Solskjaer: Seit er zum Chef befördert wurde, gab es fast nur noch Niederlagen

          Die Kritik greift zu kurz. Der Verfall Uniteds ist nicht Solskjaers Schuld. Den Schaden haben andere angerichtet. Und doch wirkt der Zeitpunkt seiner Beförderung im Rückblick überhastet. Als Interimstrainer hatte Solskjaer United mit einer bemerkenswerten Siegesserie wieder näher an die Spitzengruppe der Premier League heran geführt. Dazu kam der Einzug ins Viertelfinale der Champions League.

          Als Chef steht er dagegen bei fünf Niederlagen in sieben Spielen. Der Schwung des Neuen ist verpufft. Dabei hatte der Klub keinen Druck, Solskjaer mitten im Betrieb einen neuen Kontrakt zu geben. Man hätte den Ausgang der Saison abwarten können. „United ist gegenwärtig nicht einmal mehr in Citys Schatten“, schrieb die BBC: „Und das Ausmaß von Solskjaers Auftrag wird mit jeder Niederlage krasser.“ Er steht vor der Kernsanierung von Englands umsatzstärkstem Fußballklub.

          Der FC Liverpool und Manchester City setzen am Wochenende ihren Zweikampf um die englische Meisterschaft fort. Manchester United empfängt am Sonntag den FC Chelsea, einen direkten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze. Die Teilnahme an Europas wichtigstem Klubwettbewerb würde die Rekrutierung neuer Spieler erleichtern: Im Sommer wird es bei United personelle Veränderungen geben. Er werde mit United Erfolg haben, hatte Solskjaer nach dem 0:4 gegen den FC Everton angekündigt, „und es gibt Spieler, die nicht Teil davon sein werden“.

          Für sie kommen andere. Geld ist kein Problem. Auch wenn Solskjaer versprochen hat, es nicht blind aus dem Fenster zu werfen. „Was Pep Guardiola mit seinen Spielern erreicht hat, ist beachtlich“, sagte er nach der Derby-Niederlage anerkennend, „und wir sind so nah dran“ – womit er jedoch nur die örtliche Nähe beider Klubs meinte. Der Klassenunterschied war vorher deutlich zu sehen gewesen. Besonders in den Schlussminuten, als Citys Spieler im Old Trafford mit Leichtigkeit das Spiel zu Ende brachten, während die United-Fans in Scharen zu den Ausgängen drängten.

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