https://www.faz.net/-gtl-73aj2

Manchester City : Trainer Mancini in Beweisnot

Wollte zuerst weg, jetzt trifft er für ManCity: der ehemalige Wolfsburger Edin Dzeko Bild: dapd

Die Scheichs verlangen von Manchester City in der Königsklasse Erfolge. Und das, obwohl Trainer Mancini nicht die Spieler bekam, die er wollte. Auch die neue Abwehrschwäche kommt vor dem Spiel gegen Dortmund (20.45 Uhr) ungelegen.

          3 Min.

          Im August sah es aus, als wären in Abu Dhabi die Ölquellen versiegt. Manchester City, der englische Klub, der seit der Übernahme durch das Emirat vor vier Jahren über eine halbe Milliarde Pfund für neue Spieler ausgegeben hatte, blieb in diesem Sommer seltsam untätig auf dem Transfermarkt - bis zum letzten Tag. Erst in den finalen 24 Stunden der Transferperiode Ende August verpflichtete City doch noch vier Spieler.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Allerdings waren sie nicht von dem Kaliber wie die Einkäufe der letzten Jahre. Es kamen die Nachwuchsleute Matija Nastasic, Javi Garcia und Scott Sinclair, dazu Rechtsverteidiger Maicon, der seit seiner imposanten Rolle beim Champions-League-Sieger Inter Mailand 2010 einen drastischen Form- und Preisverlust erlebt hat. Am Ende kostete der Brasilianer nicht mal mehr fünf Millionen Euro, nach Maßstäben des Scheich-Klubs ein Trinkgeld.

          Verfehlte Transferziele im Sommer

          Muss der spendabelste Fußballverein der Welt plötzlich am Ramschtisch einkaufen? Offenbar bekam er nicht das, was er ursprünglich wollte. Die Einkaufswut im Schlussverkauf wirkte wie eine Frustreaktion auf die verfehlten Transferziele des Sommers. Der englische Meister bekam weder Robin van Persie (zu Manchester United), Eden Hazard (zu Chelsea), Javi Martinez (zum FC Bayern) noch Daniele de Rossi (in Rom geblieben) - und kaufte, als wäre Kaufen Selbstzweck, dann eben die zweite Wahl.

          Trainer Roberto Mancini murrte deutlich über das seiner Meinung nach zu zögerliche Vorgehen seines Klubs auf dem Spielermarkt, besonders im Fall van Persie. Doch auch Geld hat eben Grenzen. Spieler solcher Qualität achten, sofern sie gut beraten sind, nicht allein aufs höchste Angebot, sondern auch auf die sportliche Perspektive. Und was soll ein Spielmacher wie Hazard in einem Team, in dem sich schon ähnliche Typen wie David Silva oder Samir Nasri im Weg stehen? Und was ein Torjäger wie van Persie in einem Klub, der sich bereits ein Sturmquartett für 140 Millionen Euro zusammengekauft hat? Hazard und van Persie gingen zu den beiden großen City-Rivalen in der Premier League, wo sie nun verlässlich spielen und Stärke zeigen.

          Während der Dortmunder Kollege Jürgen Klopp vier Tage vor dem Champions-League-Spiel in Manchester an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) seinen Torjäger Robert Lewandowski beim 5:0 gegen Mönchengladbach ruhen ließ, brauchte Mancini nach zuvor vier sieglosen Spielen beim 2:1 in Fulham alle vier Luxusstürmer. Nach Sergio Agüero, Carlos Tevez und dem ewigen Problemkicker Mario Balotelli (dem Mancini nun genervt erlaubte, er könne „rauchen, wenn er unbedingt will“) musste erst Edin Dzeko als vierter und letzter Stürmer auf den Platz kommen. Eine Minute nach seiner Einwechslung in der 86. Minute erzielte der frühere Wolfsburger, der im Sommer gern gegangen wäre, dem FC Bayern aber zu teuer war, das 2:1. Er vertrieb gerade noch rechtzeitig den ersten Hauch von Krisenstimmung. Mancini verkündete trotzig, man werde auch in dieser Saison den Meistertitel holen.

          Gradmesser sind internationale Erfolge

          Doch würde ihnen das reichen, den Reichen aus dem Morgenland? Sie haben sich für das Management ihres Spielzeugs in diesem Sommer einen Mann von großem Kaliber geleistet, den Spanier Ferran Sorriano, der von 2003 bis 2008 einer der Drahtzieher bei der Verwandlung des FC Barcelona von einer regionalen Kultmarke in ein Weltereignis des Sports war. Dasselbe Kunststück soll er in Manchester wiederholen. Der Gradmesser dafür sind internationale Erfolge. Deshalb muss deutlich mehr herausspringen als letzte Saison, in der man gegen die Bayern und Neapel in der Gruppenphase ausschied.

          Mancini muss noch beweisen, ob er dafür der Richtige ist - ob er also auch international die Erfolgsaura eines José Mourinho hat, dem man in Madrid Interesse am City-Job nachsagt. In den drei Jahren bei Inter Mailand, in denen er dreimal italienischer Meister wurde, kam Mancini in der Champions League nie über das Viertelfinale hinaus - ehe Mourinho übernahm und sie gewann. Auch diesmal ist der Start beim 2:3 bei Real, als Mancinis Defensive gegen Mourinhos Offensive mit drei Gegentoren in den letzten vierzehn Minuten kollabierte, auf eine Weise misslungen, die nachwirkt. Gegen Dortmund steht City unter Zugzwang und muss auf die Fortdauer seiner Heimstärke hoffen (keine Niederlage in 39 Liga- und Europapokal-Heimspielen seit Ende 2010).

          In der Pflicht: Mancini muss beweisen, dass er auch in der Königsklasse erfolgreich arbeiten kann Bilderstrecke

          “Ein echtes Problem“ nannte Mancini die Toranfälligkeit. Das abwehrstärkste englische Team der vergangenen beiden Jahre kommt auf 17 Gegentreffer in neun Saisonspielen. Vielleicht liegt das an der Formschwäche der zuvor überragenden Innenverteidiger Kompany und Lescott. Vielleicht aber auch an einer fast unbemerkt gebliebenen Verpflichtung auf dem Transfermarkt. Aus Florenz kam Mancinis früherer Assistent Angelo Gregucci als neuer Defensiv-Coach. Ein Job, für den er exzellente Qualifikationen mitbringt. Nur eine nicht: Er spricht kein Englisch.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Donnerstag in Brüssel.

          Brexit-Streit : Noch viel Überzeugungsarbeit für Boris Johnson

          Mit den EU-Partnern hat sich Großbritanniens Regierungschef auf eine neuen Entwurf des Brexit-Vertrags geeinigt. Doch im britischen Unterhaus muss Boris Johnson weiter um jede Stimme dafür kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.