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City siegt souverän ohne Sané : Zwischen Hauptrolle und Nebendarsteller

Für eine lange Zeit nicht mehr auf dem Feld: City-Profi Leroy Sané Bild: dpa

Der aufregendste deutsche Angreifer stilisiert sich gern als Lichtgestalt – nun wirft ihn eine Verletzung zurück. Der Premier-League-Auftakt von Manchester City zeigt: Trainer Pep Guardiola kann auch ohne ihn.

          Vom Stammbaum her konnte nicht viel schiefgehen mit Leroy Sané und dem FC Bayern. Mit Söhnen, die aus väterlichen Fußballgenen und einem Erbgut mütterlicher Sportlichkeit in anderen Disziplinen hervorgingen, hat man beim Rekordmeister wie im Nationalteam gute Erfahrungen gemacht. Allein drei Weltmeister von 2014 zeigten das. Die Mutter von Miroslav Klose war polnische Nationalspielerin im Handball, die von Mats Hummels deutsche Nationalspielerin im Wasserball, die von Toni Kroos 18-malige DDR-Meisterin im Badminton – während die Väter allesamt gut kickten, wenn auch nicht so gut wie die Söhne.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Bei Sané ist das ähnlich. Vater Suleyman stürmte einst mit Jogi Löw für Freiburg in der zweiten Liga, dann für Nürnberg und Wattenscheid in der ersten. Mutter Regina, unter ihrem Geburtsnamen Weber Olympiadritte 1984, ist bis heute die erfolgreichste deutsche Sportgymnastin. Leroy Sané vereint in seiner so dynamischen wie geschmeidigen Spielweise das sportliche Erbe seiner Eltern. Das passte also. Und aus dem Familienkreis war schon vor gut einer Woche durchgesickert, dass sich der 23-Jährige für die Bayern entschieden habe. Doch dann ließ Pep Guardiola ihn am vergangenen Sonntag im englischen Supercup für Manchester City gegen Liverpool antreten, statt ihn wie üblich bei Spielern in fortgeschrittenen Transferverhandlungen zu schonen – ein Einsatz, der kaum zehn Minuten dauerte und alles veränderte.

          Ein seltsamer Fluch

          Nach der Verletzung, die sich als Kreuzbandanriss herausstellte, scheint die Verpflichtung fürs Erste geplatzt. Und die Bayern haben erst mal akutere Lösungen für ihren ausgedünnten Kader zu finden, statt sich neue Gedanken um eine wie auch immer aussehende Zukunft mit Sané zu machen. Es scheint ein seltsamer Fluch auf dem aufregendsten deutschen Angreifer zu liegen. Obwohl er in drei Jahren mit Manchester City zwei Meistertitel gewann – mehr hat kein anderer Deutscher in England geschafft –, verbindet man ihn in Deutschland nun vor allem mit zwei Fußballsommern, die durch die bizarren Entscheidungen zweier Startrainer ein bitteres Ende nahmen. Vor einem Jahr war es die deutsche WM-Blamage in Russland, nachdem Bundestrainer Löw ihn aus dem Kader gestrichen hatte. Nun ist es das Transfer-Dilemma der Bayern durch Guardiolas Entschluss, Sané einzusetzen.

          Es scheint an Sané etwas zu geben, das es Trainern nicht leichtmacht, vollends auf ihn zu vertrauen. Ja, vielleicht etwas, das Sané sogar ganz buchstäblich an sich hat. Seit zwei Jahren trägt er sich selbst über den ganzen Rücken tätowiert – beim Torjubel, die Welt umarmend, bestrahlt von Lichtquellen, die an Darstellungen himmlischer Erscheinungen erinnern. Es ist eine Selbstdarstellung, die das Gefühl eigener Außergewöhnlichkeit über das Gemeinsame zu stellen scheint. Der Treffer, der dabei dargestellt ist, das 5:3 gegen Monaco im Champions-League-Achtelfinale 2017, war einer aus drei Metern ins leere Tor, nachdem Kollege Sergio Agüero den Torwart ausgespielt und quergelegt hatte (einer, der überdies nichts half, City schied im Rückspiel aus). Traut man einem, der sich mit einer solchen Heldentat als Lichtgestalt stilisiert, das Aufgehen im kollektiven Denken und Handeln zu, wie es ein gutes Team braucht?

          Vor einem Jahr, als er in England die Wahl zum besten Jungprofi gewonnen und bei City einen Stammplatz errungen hatte, verschmähte ihn Löw. In diesem Jahr, als er bei Löw den Stammplatz kriegte und in allen drei EM-Qualifikationsspielen traf, degradierte ihn Guardiola in eine Nebenrolle. Sané mache zu viele Fehler, verliere den Ball zu leicht, fand der City-Trainer – der Sané nun aber, als der mit seinem Weggang kokettierte, wieder zu halten versuchte, auch wenn der souveräne Auftaktsieg in der Premier League am Samstag zeigte, dass City durchaus auch ohne Sané siegen kann.

          Solche Unsicherheiten aber kollidieren bei ehrgeizigen Sportlern mit dem Selbstverständnis, für eine Hauptrolle geboren zu sein, nicht für eine als Nebendarsteller, und sei es in einem Welt-Ensemble. Und gerade jetzt, als endlich der Schritt zu einem uneingeschränkten Status als Superstar bevorstand, als Erlöser der Bayern aus der Transfer-Tristesse, als Retter aus dem drohenden europäischen Mittelmaß – gerade da zerreißt ein kaum daumengroßes Band alle Pläne. Und gibt Leroy Sané viel Zeit zum Nachdenken.

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