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Manchester City : Geld schießt keine Tore

Arsenal spielte Manchester City zwar in Grund und Boden, konnte das Spiel aber dennoch nicht gewinnen Bild: AFP

Manchester City ermauert sich gegen die glücklosen Schönspieler von Arsenal ein 0:0. Die Fans pfeifen auf so viel Destruktivität. Edin Dzeko soll bald mit Toren für Titel sorgen. Die Frage ist, ob das unter Trainer Roberto Mancini möglich ist.

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          Spätestens in der Nachspielzeit konnte Roberto Mancini seine Absicht nicht mehr leugnen. Pablo Zabaleta und Arsenals Bacary Sagna waren nach einem unnötigen Hahnenkampf an der Seitenlinie mit Roten Karten gerade vom Platz verwiesen worden, da winkte der Trainer von Manchester City Verteidiger Jerome Boateng heran, um ihn für die verbliebenen Sekunden für den einzigen Stürmer Carlos Tevez einzuwechseln. Der deutsche Nationalspieler sollte die Lücke stopfen, die Hitzkopf Zabaleta hinterließ, obwohl Arsenal durch Sagnas Abgang auch dezimiert war. Doch Mancinis Mauerbau hatte Erfolg - in London erreichte der reichste Verein der Welt ein torloses Unentschieden.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Die verwöhnten Arsenal-Anhänger echauffierten sich danach weniger über die verpassten Gelegenheiten ihrer Schönspieler - Robin van Persie und Cesc Fabregas trafen jeweils schon in der ersten Halbzeit den Pfosten und City-Torwart Joe Hart hielt stark -, sondern machten ihrem Unmut über so viel Destruktivität des Gegners lautstark Luft. Zumal Manchester City kein ängstlicher Abstiegskandidat ist, der den Gegentor-Schaden begrenzen muss, sondern ein Klub, der nach der Übernahme durch den reichen Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan möglichst schnell die Meisterschaft, aber vor allem die Champions League gewinnen will.

          Basis für den Silberschmuck im Trophäenschrank soll die munter sprudelnde Geldquelle sein. Doch wer nur auf das Preisschild schaut und sündhaft teuer mit spielend gut gleichsetzt, verkennt die Mechanismen des Fußballs - viele exzellente Einzelspieler machen in der Summe noch keine meisterliche Mannschaft. Gibt man das teure Spielzeug dann auch noch einem Baumeister in die Hand, dem der italienische Catenaccio näher ist als die Lust auf Tore um jeden Preis, entsteht ein Produkt, das durch individuelle Klasse zwar die Unter- und Mittelschicht besiegt, aber im Kampf der Schwergewichte nur punktuelle Erfolge feiert.

          Mit allen Mitteln: Robin van Persie (r.) wird von Vincent Kompany gebremst

          Trainer Roberto Mancini: „Dzeko entscheidet über Titel“

          Ob Edin Dzeko, der von Manchester City am Mittwochmorgen in aller Frühe per Privatjet aus dem Wolfsburger Trainingslager geholt wurde und dessen 35-Millionen-Euro-Transfer an diesem Donnerstag endgültig fixiert werden soll, den letzten Kick auf dem Weg in eine glorreiche Ära gibt, bleibt nach der Partie bei Arsenal fraglich. Nur wenn Trainer Mancini von seinem sturen Sicherheitsfußball Abstand nimmt, scheint mehr als die erstmalige Qualifikation für die Champions League für die Citizens, die im Sommer 2002 nach wechselvollen Jahren erst in die höchste englische Liga zurückkehrten, möglich.

          Ansonsten aber wird sich Dzeko, der in 111 Bundesligaspielen 66 Tore schoss, vorkommen, als hätte er nicht den Verein gewechselt, sondern seine Wolfsburger Mitspieler wären nur in hellblaue Trikots geschlüpft. Dem 24 Jahre jungen Bosnier könnte es entgegenkommen, dass die englische Liga nach der traditionell hektischen Weihnachtsbetriebsamkeit nun eine zehntägige Pause einlegt und er sich mit seinen neuen Kollegen abstimmen kann. Womöglich wirft Mancini Dzeko aber auch schon am kommenden Sonntag bei Leicester City im FA-Cup ins Pokal-Getümmel. Denn der Trainer ist sich sicher: „Dzeko entscheidet über Titel.“

          Gegen den Zweitligaverein könnte der Trainer eine neue taktische Variante erproben, die für die Zukunft vielversprechender erscheint als das Verbarrikadieren des eigenen Tores. Mit Dzeko, der aufgrund seiner körperlichen Größe in der Heimat „Kloc“, Laternenpfahl, genannt wird, im Zentrum und dem laufstarken wie robusten Carlos Tevez, der gegen Arsenal als vorderer Einzelkämpfer eine beeindruckende Vorstellung ablieferte, und dem flinken Jungstar Adam Johnson, der eingewechselt wurde, auf den beiden Flanken würde sich ein offensives, niederländisches 4-3-3-System anbieten. Ob Mancini aber so viel Vorwärtsdrang zulässt?

          In Manchester kann die Zeit für Stürmer schnell ablaufen

          Eines ist klar: Der personifizierte Dukatenesel aus Abu Dhabi will Erfolge sehen, sonst ist der Italiener nicht viel mehr als eine Fußnote in der Geschichte von Manchester City. Letztmals gewann der Klub 1968 die Meisterschaft. Es wird also Zeit. Wie schnell die ablaufen kann, hat nicht nur Mancinis Vorgänger Mark Hughes erleben müssen. Die für viel Geld geholten, aber formschwachen Roque Santa Cruz, bei Bayern München groß geworden, und Emmanuel Adebayor, fast so teuer wie Dzeko, stehen schon wieder auf der Abschiebeliste - egal, wie viel Geld durch die nur kurze Nutzung der beiden Stürmer verbrannt wird.

          Denn in der sportlichen Abrechnung ist immer noch das Torkonto entscheidend und nicht die finanzielle Potenz. Durch das Nullsummenspiel in London bleibt City in der Premier League Zweiter, weil Arsenal auch nicht traf und Tottenham (1:2 in Everton) und Chelsea (0:1 in Wolverhampton) am Mittwoch überraschend verloren. Doch die Tabelle lügt, zumindest ein bisschen. Denn die Verfolger haben noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Und doch sieht es aus, als würde Manchester am Ende ganz oben stehen. Aber nicht City, sondern Stadtrivale United. Der gewann am Dienstag 2:1 gegen Stoke. Mit gewohnt ansehnlichem Offensivspiel.

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