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Manchester City : Das 34-Millionen-Pfund-Desaster

Kein Tor seit 13 Spielen: Robinho wirkt fahrig statt filigran Bild:

Im Uefa-Cup-Spiel beim HSV steht Robinho unter Zugzwang: Die Freude bei Manchester City am Star ist dahin. Der Brasilianer schießt keine Tore mehr, die Kollegen kritisieren ihn öffentlich - nur für den Trainer ist Robinho unersetzlich.

          Englands teuerster Kicker hat sich mit 25 Jahren das Daumenlutschen abgewöhnt. Für die Fans von Manchester City ist das kein guter Fingerzeig. In der ersten Saisonhälfte war Robinho zum Publikumsliebling geworden, mit feinen Tricks und mit elf Toren in fünfzehn Spielen. Nach jedem Tor steckte er zum Feiern den Daumen in den Mund wie ein fröhliches Kleinkind. Doch mit der Fröhlichkeit ist es vorbei.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Im Januar verschwand Robinho ohne Erlaubnis aus dem Trainingslager auf Teneriffa und flog heim nach Brasilien. Bei seiner Rückkehr erwartete ihn eine 320.000-Pfund-Strafe durch den Klub. Und eine Festnahme durch die englische Polizei, die ihn wegen des Verdachts der Vergewaltigung verhörte (erst knapp drei Monate später wurde erklärt, dass keine Anklage erhoben werde).

          Desinteresse an jeder Art von Defensivarbeit

          Dann musste Robinho seinem einstigen Vorbild Pelé mit Klage drohen, weil dieser behauptet hatte, Robinho habe Drogenprobleme (Pelé nannte es darauf „ein Missverständnis“). Vor allem aber sind die Darbietungen des Brasilianers in diesem Jahr nicht mehr filigran, sondern fahrig, nicht mehr leichtfüßig, sondern lustlos. In allen bisherigen Partien 2009 blieb er ohne Treffer, seit nunmehr 13 Spielen. Im letzten Heimspiel gegen Sunderland verschoss er auf arrogante Weise einen Elfmeter. Und plötzlich fällt allen auf, wie wenig der selbstverliebte Künstler zum Kollektiv beiträgt.

          Schluss mit Fröhlichkeit: auch im Pool der brasilianischen Nationalmannschaft macht Robinho (r., mit Torhüter Julio Cesar) keinen ganz entspannten Eindruck

          Schon kritisierten ihn Kollegen öffentlich. „Robinho ist unser bester Spieler, aber er muss jede Woche sein Bestes geben“, mahnte Sturmpartner Craig Bellamy vor dem Uefa-Cup-Viertelfinalhinspiel beim Hamburger SV an diesem Donnerstag (20.45 Uhr im FAZ.NET-Europa-League-Liveticker). Robinhos Desinteresse an jeder Art von Defensivarbeit wird zur Last für den Rest des Teams: „Wir müssen sicherstellen, dass wir, wenn wir den Ball nicht haben, hart arbeiten, um ihn zurückzubekommen“, fordert Bellamy. Dies könne nicht allein die Aufgabe von Vincent Kompany, Nigel de Jong oder der Abwehrspieler sein.

          Spekulationen über Ribéry

          Trainer Mark Hughes hatte die beiden defensiven Mittelfeldspieler geholt, um Robinho den Rücken freizuhalten – für Kompany und de Jong überwies City insgesamt 28 Millionen Euro Richtung Hamburg. Ausgerechnet beim Gastspiel dort wird die Rückendeckung fehlen. De Jong ist, da er in der ersten Saisonhälfte schon für den HSV im Uefa-Cup spielte, für den Rest dieser Saison in Europa gesperrt. Kompany wurde am Samstag, beim 0:2 bei Arsenal, verletzt auswechselt. Der Einsatz des Belgiers, neben dem Iren Stephen Ireland der in dieser Saison beständigste Spieler von City, gilt als gefährdet.

          Da ist Robinho besonders im Zugzwang, zumal er auswärts bisher fast immer enttäuschte – selbst als er noch in Form war, traf er fast nur zu Hause. „Robinhos Ruf schwindet von Woche zu Woche“, urteilt der „Telegraph“ über den „teuren Luxus“, der den Klub im September 34 Millionen Pfund Ablöse kostete (damals über 40 Millionen Euro) und über acht Millionen Pfund pro Jahr verdient, beides Rekorde der Premier League. Mehrere Zeitungen spekulieren, dass der Klub Robinho loswerden und Franck Ribéry holen wolle. Es sei, so die „Daily Mail“, „der einzige Weg, wie Manchester City aus diesem 34-Millionen-Pfund-Desaster herauskommen kann“. Allerdings werde es Robinhos „schwache Kosten-Nutzen-Bilanz“, so der „Telegraph“, schwer machen, im Sommer einen Käufer zu finden.

          Immer noch unersetzlich

          Trainer Mark Hughes bemüht sich zu retten, was zu retten ist. Er dementiert alle Trennungsgerüchte und wirbt um Verständnis dafür, dass Robinho „etwas platt“ sei gegen Ende seiner ersten Saison in der physisch fordernden Premier League. Der Angreifer ist immer noch unersetzlich, wegen der Verletzung des früheren Wolfsburgers Martin Petrow: „Ich hatte bisher nicht die Gelegenheit, Robinho aus der Feuerlinie zu nehmen“, sagt Hughes. So wenig das Team den Brasilianer in der jetzigen Form braucht, so sehr braucht ihn der Trainer. Schließlich ist Robinho der einzige echte Star, den er für die mehr als 150 Millionen Euro bekam, die er seit der Übernahme des Klubs durch die Öl-Milliardäre aus Abu Dhabi im letzten Sommer ausgeben konnte. Wenn nach dem Debakel beim Werben um Kaká im Januar nun auch noch Robinho zum Restposten wird, dürften die Klubeigentümer wohl bald fragen, was für ein No-Name-Team sie für viel Geld bekommen haben.

          Der Bedeutungsverlust lässt sich an der Reisekostenabrechnung ablesen. In der ersten Saisonhälfte schickte der Klub einen Privatjet nach Brasilien, um Robinho dort nach Weltmeisterschafts-Qualifikationsspielen schnell und komfortabel wieder zurück nach England zu schaffen. Nach dem 3:0-Sieg mit Brasilien gegen Peru am Mittwoch in Porto Alegre musste der Kicker zurück nach Manchester Linie fliegen.

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