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Malcolm Glazer : Die neuen Hausherren bei Manchester United

Der Glazer-Clan: Joel, Bryan und Vater Malcolm Bild: AP

Malcolm Glazer geht aufs Ganze. Mit Joel, Bryan und Avram übernehmen ab sofort drei seiner fünf Söhne die Kontrolle bei Manchester United. Die Familie will die Eintrittspreise drastisch erhöhen.

          Malcolm Glazer geht aufs Ganze. Der neue Eigentümer von Manchester United besetzte in dieser Woche die Chefetage neu: Mit Joel, Bryan und Avram übernehmen ab sofort drei seiner fünf Söhne die Kontrolle im Tagesgeschäft. Gleichzeitig enthüllte der 76 Jahre Milliardär aus Florida, wie er die Geschäfte seines Neuerwerbs auf Touren bringen will.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit drastisch erhöhten Ticketpreisen sowie durch weltweite Vermarktung von Fanartikeln und Lizenzrechten soll der Fußballklub seine Erlöse bis 2010 um 52 Prozent auf 246 Millionen Pfund steigern. Dank strammer Kostenkontrolle muß sich der Betriebsgewinn gleichzeitig auf 114 Millionen Pfund (170 Millionen Euro) vervierfachen, lautet die Vorgabe des Hausherrn.

          Alleinherrscher im Aktionärskreis

          Die internen Weichen für eine schnelle Umsetzung des Geschäftsplans sind jetzt gestellt. Noch in diesem Monat rückt Malcolm Glazer, der jetzt 76,2 Prozent der Anteile besitzt, zum Alleinherrscher im Aktionärskreis auf. Am kommenden Monat will er den übrigen Anteilseignern ein konkretes Abfindungsangebot unterbreiten. Dessen Annahme gilt als Formalie. Bereits am 22. Juni, so Glazers Plan, soll der seit 1991 an der Londoner Börse notierte Klub vom Kurszettel verschwinden.

          Mit der frisch nominierten Führungsriege, für die der langjährige Chairman Roy Gardner sowie zwei weitere Direktoren im Verwaltungsrat kurzfristig Platz machen mußten, ist Glazer Senior auch geschäftlich aufs engste verbunden. Unter Führung des 38 Jahre alten Joel, der zum neuen Chairman bei Manchester United gekürt werden soll, profilierte sich das Familien-Trio bereits im Management der "Tampa Bay Buccaneers" - jenem amerikanischen Footballklub, den Patriarch Malcolm 1995 für damals 192 Millionen Dollar kaufte. Joel trimmte bei den "Buccanners" die Arbeitsabläufe auf Effizienz und bewies mit der Verpflichtung des damaligen Star-Trainers Jon Gruden das richtige Gespür im Sportgeschäft.

          Familiärer Kraftakt

          Seine älteren Brüder Bryan (40 Jahre) und Avram (44) kümmerten sich indessen um zahlungskräftige Sponsoren und die Finanzen. Der familiäre Kraftakt machte sich wenige Jahre später bezahlt: Der Sportklub der Glazers gewann 2003 die amerikanische Football-Meisterschaft, der Marktwert der "Buccanners" wird von Fachleuten heute mit mindestens 800 Millionen Dollar (654 Millionen Euro) veranschlagt.

          Ob die Erfolgsrezepte aus Florida künftig auch beim mehrfachen Meister der britischen "Premier League" greifen werden, erscheint fraglich.

          Einstieg mit Schulden finanziert

          Denn "ManU", wie die Anhängerschaft den 127 Jahre alten Traditionsklub nennt, galt bis zuletzt nicht nur als professionell geführt, sondern - mit einem Börsenwert von rund 700 Millionen Pfund - als wertvollstes Fußball-Unternehmen der Welt. Der Glazer-Clan finanzierte seinen 1,2 Milliarden Euro teuren Einstieg vor allem mit Schulden und plant zudem, das vereinseigene Stadion "Old Trafford" als Sicherheit für neue Kredite zu verpfänden. Dabei stehen mit Citadel, Och-Ziff Capital und Perry Capital gleich drei amerikanische Hedge-Fonds für insgesamt 275 Millionen an frischem Geld gerade. Entsprechend hoch ist die Zinslast. Diese dürfte auf absehbare Zeit mit mindestens 23 Millionen Pfund pro Jahr zu Buche schlagen, geht aus dem jüngsten Geschäftsplan der Eigentümer hervor.

          Angesichts der neuen Verhältnisse in der Chefetage ist die Entrüstung bei den Anhängern von Manchester United entsprechend groß: "Wir fühlen uns durch die Glazers geschröpft und geplündert", sagte am Freitag ein Vertreter von "Shareholder United". Der Aktionärskreis, in dem die Fußballfans organisiert sind, hielt bislang 5 Prozent am Fußballklub und reagierte besonders empört auf den von Glazer geplanten Preisschub der Ticketpreise. Denn nach bisheriger Kalkulation soll sich der durchschnittliche Ticketpreis pro Heimspiel von heute 26,50 Pfund binnen fünf Jahren auf rund 46 Pfund erhöhen. Eine Sonderlast, die die sportbegeisterten Einwohner in der strukturschwachen Region Nordenglands als Zumutung empfinden: Schließlich bewegt sich das durchschnittliche Jahreseinkommen eines "ManU"-Fans nur bei 34.000 Pfund, haben die Marktforscher der britischen Fußballverbandes jüngst ermittelt. Der entsprechende Wert beim Londoner Nobelklub "FC Chelsea" nimmt sich mit 48.000 Pfund dagegen sehr viel höher aus.

          Vom Kostenregiment der Glazers wird allerdings auch nicht die Abteilung der Profisportler verschont bleiben, sagen Vertraute der Familie. Chairman Joel Glazer will Cheftrainer Alex Ferguson künftig ein jährliches Budget von 25 Millionen für den Einkauf neuer Spieler zugestehen. Bei den britischen Liga-Rivalen "Chelsea" und "Arsenal" wird indessen mit Jahresetats von mindestens 50 Millionen Pfund kalkuliert.

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