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Mainz feiert : "Wegen Aufstiegs geschlossen"

Seinen Segen hat Mainz 05: Kardinal Lehmann Bild: dpa/dpaweb

Dort, wo die Anhänger von Mainz 05 schon zweimal vor der Großleinwand das Scheitern in letzter Minute miterleben mußten, wird seit Sonntag gefeiert, getreu dem Motto: Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht.

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          "Wegen der Aufstiegsfeier des 1. FSV Mainz 05 bleibt unser Betrieb heute nachmittag geschlossen." Die aus aktuellem Anlaß und in unüberhörbar großer Eile aufs Band gesprochene Ansage einer kleinen Mainzer Stadtteil-Glaserei dürfte kaum einen Kunden verärgert haben. Schließlich haben die am Sonntag in die Erste Fußball-Bundesliga aufgestiegenen Mainzer - in Anlehnung an die tollen Fastnachtstage - eine von (Rosen-)Montag bis (Ascher-) Mittwoch währende Aufstiegsfeier begonnen. Kurzerhand wurde dafür die Sperrstunde außer Kraft gesetzt. Überall in der Stadt zogen Fußballfans rotweiße Fahnen auf; selbst dem altehrwürdigen Gutenberg, dessen Denkmal gegenüber dem Staatstheater steht, wurden rotweiße Fanartikel übergestülpt.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Dort am Höfchen, wo die Anhänger des 1. FSV Mainz 05 schon zweimal in Folge vor der Großleinwand das Scheitern ihres Teams in letzter Minute miterleben mußten, wird seit Sonntag ausgelassen gefeiert, ganz getreu dem Motto: Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht. Unmittelbar nach dem glücklichen Saisonfinale, das die als "unaufsteigbar" geltenden Rheinhessen zur "Nummer eins am Rhein" gemacht hatte, strömten Tausende Fans zum Spontanfest in die Innenstadt. Am Montag abend wurde die Feier mit Erfolgstrainer Jürgen Klopp und seiner Mannschaft dann noch einmal in geordneten Bahnen wiederholt.

          Kein „Wunder“ sondern Kontinuität

          Von einem "Wunder" will in Mainz allerdings niemand etwas wissen. Der seit 16 Jahren amtierende Vereinspräsident Harald Strutz dankte am Sonntag nach dem 3:0-Heimsieg gegen Eintracht Trier nur den Spielern aus Karlsruhe, die mit einem tapfer erkämpften 1:0-Sieg gegen Mitbewerber Aachen den Mainzern die Tür zur ersten Liga aufgeschossen hatten. Ansonsten wertete Strutz den in dieser Saison doch eher überraschend dahergekommenen Erfolg als Beleg für eine solide und von Kontinuität geprägte Aufbauarbeit eines gut geführten Zweitligavereins.

          Der Bajazzo, eine Figur aus dem Mainzer Karneval, dirigiert die Menge auf dem Gutenbergplatz

          Gegen die weitverbreitete Ansicht, daß Mainz nun einmal keine richtige Fußballstadt sei, hatte sich der Manager Christian Heidel ohnehin stets gewehrt. Und als beim Gottesdienst am Sonntag morgen der Organist seiner Kirchengemeinde auch das Fan-Lied "Steht auf, wenn ihr Mainzer seid" anstimmte, da sei ihm bewußt geworden, daß es diesmal mit dem Aufstieg klappen werde, sagte der Manager. Die Begeisterung für "Kloppo" und sein oft genug bis zum Umfallen kämpfendes Team ist in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt und der Region mit jedem verpaßten Aufstieg ein wenig gewachsen. Grundschulklassen besuchen zusammen mit der Lehrerin das Training oder die Heimspiele der "Nullfünfer", die so gern mit ihrem Image eines Karnevalsvereins kokettieren. Kaum eine größere Geschäftseröffnung und nur wenige wichtige Jubiläen gehen in der Stadt neuerdings ohne Beteiligung der Spaßfußballspieler über die Bühne.

          Keine spektakulären Verpflichtungen

          Dennoch ist den Verantwortlichen der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen. Für die nächste Saison, wenn das noch immer nicht ganz ausgebaute Bruchwegstadion eine feste Bundesligaspielstätte sein wird, sind bisher keine spektakulären Verpflichtungen vorgesehen. Statt dessen will man mit allen Spielern, die am Aufstieg beteiligt waren, so schnell wie möglich in Vertragsverhandlungen einsteigen. Die in der ersten Liga zusätzlich zu erzielenden Einnahmen von voraussichtlich mehr als 14 Millionen Euro sollen zu einem guten Teil in den begonnenen Stadionausbau gesteckt werden - zur Freude der Stadt und des Landes, die das Prestigeprojekt bis dahin finanziell abgesichert haben.

          Daß die Fußballmannschaft, die in den vergangenen drei Jahren in der Zweiten Bundesliga beachtliche 180 Punkte sammeln konnte, nun "einfach einmal dran war", ist in der Stadt unstrittig. Es sei wie im Spielcasino, sagte Manager Heidel: "Wer lange genug durchhält, den belohnt das Glück irgendwann." Pech hatte am Sonntag nur einer: Der Stürmer Michael Thurk schoß sein Team mit zwei Treffern in die Bundesliga - um demnächst zum Zweitligisten Energie Cottbus zu wechseln. Die Mainzer denken nun trotzdem daran, "dem Michael ein Denkmal zu bauen".

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