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Mainz 05 : Versöhnung und Einigkeit

Einstimmig gewählt Harald Strutz wird Ehrenpräsident des FSV Mainz 05. Bild: dpa

Mainz 05 macht Harald Strutz zum Ehrenpräsidenten und präsentiert sich als große Gemeinschaft. Kritische Anmerkungen bleiben trotz Tabellenplatz 17 und Pyro-Eklat aus.

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          Am Ende fehlte eigentlich nur noch eine Vereinshymne. Wenn Mainz 05 seine Mitgliederversammlungen so beenden könnte wie beispielsweise Schalke 04 mit dem gemeinsamen Singen von „Blau und Weiß, wie lieb’ ich Dich“, dann hätte die Mitgliederversammlung am Montagabend auch noch einen hörbaren Gradmesser dafür gehabt, wie sehr sich ein Verein nach Versöhnung mit der jüngeren Vergangenheit und Einigkeit in der aktuellen sportlichen Situation sehnt. Anders ist angesichts eines Tabellenplatzes 17 oder dem von einem Pyro-Eklat begleiteten Pokal-Ausscheiden in Kaiserslautern das völlige Ausbleiben von kritischen Anmerkungen der zahlreich erschienen Mitglieder kaum zu erklären.

          Als Ergebnis der Versammlung bleibt somit dank guter Transfereinnahmen neben einem Rekordumsatz von 145,4 Millionen Euro und einem Gewinn von 15,8 Millionen Euro nach Steuern am Montagabend eine Abstimmung ohne Gegenstimme und Enthaltung, als die 653 Mitglieder von Mainz 05 Harald Strutz zum Ehrenpräsidenten kürten. Nur zweieinhalb Jahre nachdem der von 1988 bis 2017 amtierende Strutz nach monatelangen Diskussionen über die Heimlichtuerei rund um die Entlohnung als ehrenamtlicher Vereinsvorsitzender und einer halben Stelle als Justiziar des Landessportbunds Rheinland-Pfalz auf eine abermalige Kandidatur verzichtet hatte, nahm der Verein den Vorsitzenden der aufregendsten Epoche der Vereinsgeschichte wieder in seiner Mitte auf und ließ ihn gar vom eigens angereisten DFL-Ehrenpräsidenten Reinhard Rauball als Laudator belobigen.

          Strutz zeigte sich gerührt von der Auszeichnung und dankte den Mitgliedern. „Die Ehrenpräsidentschaft nehme ich als persönliches Kompliment. Ich vergesse aber auch nicht, dass ich das meinen Vorstandskollegen zu verdanken habe und vor allem Christian Heidel.“ Der ehemalige 05-Manager Heidel wurde wie Peter Arens, Jürgen Doetz, Friedhelm Andres, Karl-Heinz Elsässer, Hubert Friedrich und Manfred Thöne zum Ehrenmitglied ernannt. Er musste der Ehrung fernbleiben, da er sich nach einem Schlaganfall noch in der Reha befindet. Er sandte aber eine frohgemute Videobotschaft aus seinem Domizil auf Mallorca nach Mainz.

          Heidel ermutigte die Mainzer wie auch der frühere 05-Trainer Jürgen Klopp in dessen kurzer Videobotschaft zu Ehren „meines Vorstands“, beginnend mit dem Spiel am Freitagabend gegen den Tabellennachbarn 1. FC Köln zusammen mit dem Team den Kampf aufzunehmen. Damit unterstützte Heidel den aktuellen Vorstandschef Stefan Hofmann und auch Sportvorstand Rouven Schröder, die an die Mitglieder appellierten, nach sechs Punkten aus acht Spielen nicht alles schlecht zu reden, sondern zusammen zu rücken.

          Hofmann richtete sich zudem mit scharfen Worten gegen die Vorkommnisse in Kaiserslautern. „Das Ausmaß an Pyro und beleidigenden Gesten gegenüber dem Team haben in unserem Verein nichts zu suchen“, sagte er. Hofmann nahm die neu gewählte Führung der Fanabteilung in die Pflicht, mit allem Ernst an die Verantwortung vor allem der Ultras zu appellieren.

          Zu Hofmann gab es abschließend noch eine Information, die dem neuen Transparenzgebot des Vereins entspricht: Hofmann wird statt einer Aufwandsentschädigung von 3000 Euro eine Entlohnung von 7750 Euro gewährt. Diese krumme Zahl kommt zustande, da Hofmann noch zu mehr als 50 Prozent seinem Hauptberuf im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium nachgeht und er entsprechend nur als Teilzeitvorstand honoriert wird. Hofmann ist formal zum restlichen Prozentsatz 05-Vorstand. Der Lohn entspricht dementsprechend anteilig dem marktüblichen Lohn eines Bundesligavorstands.

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