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Mainz 05-Manager Heidel über die Bayern : „Stil und Respekt gehören auch dazu“

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Anruf genügt: Heidel meint, die Bayern könnten zumindest mal anrufen, wenn sie schon die besten Spieler abwerben Bild: Wonge Bergmann

Christian Heidel weiß, dass die Bayern jeden Spieler kaufen könnten. Im Interview kritisiert der Manager von Mainz 05 aber ihre Umgangsformen, die eines deutschen Meisters nicht würdig seien.

          2 Min.

          Christian Heidel ist einer der dienstältesten Macher in der Bundesliga. Der Manager von Mainz 05 ist seit 1992 in dieser Funktion für seinen Klub tätig und hat ihn von der zweiten Bundesliga ins Oberhaus geführt. Am Donnerstagabend bezeichnete er das augenblickliche Verhalten von Bayern München gegenüber anderen Klubs bei einer Podiumsdiskussion der Frankfurter Rundschau als für einen deutschen Meister nicht würdig.

          Sie haben die Bayern öffentlich für ihr Verhandlungsgebaren kritisiert. Was ist so unredlich am Werben der Bayern um die Top-Stars?

          Ich habe sie nicht für ihr Verhandlungsgebaren oder ihr Werben kritisiert, denn es gab weder bei Jan Kirchhoff noch bei Mario Götze irgendwelche Verhandlungen. Es geht mir vielmehr um den Stil und um das Miteinander nach einer Einigung mit dem Spieler.

          Ist denn nicht verständlich, dass die Bayern gerade bei den Spitzenspielern möglichst wenig Aufsehen erregen wollen, um ihre Verhandlungssituation nicht zu verschlechtern?

          Aber kann man als Vorstandsvorsitzender oder als Sportvorstand nicht seinen Kollegen in Mainz oder Dortmund kurz anrufen und ihn darüber informieren, dass man seinen Spieler ab der kommenden Saison verpflichtet hat? Da verschlechtert doch niemand seine Position. Schalke hat mal Christian Fuchs per Ausstiegsklausel aus seinem Vertrag herausgekauft und Horst Heldt hat mich darüber zuvor telefonisch informiert, auch wenn ich mich nicht gefreut habe.

          Entspricht es nicht mittlerweile den Gepflogenheiten, dass sich Klubs nicht mehr an die Regeln halten und einen vertraglich gebundenen Spieler bereits lange vor Auslaufen des Vertrags ansprechen?

          Bayern München kann sowieso jeden Spieler in Deutschland verpflichten. Das haben sie sich in vielen Jahren hart erarbeitet.

          Halten Sie sich immer an die Regel, Spieler erst ein halbes Jahr vor Vertragsende anzusprechen?

          Wir sind doch alle keine Engel und die Statuten in der Tat sehr schwammig. Und nochmal, darum geht es mir ja auch gar nicht. Bayern verpflichtet  für 37 Millionen Euro einen Spieler. Da kann man doch den Hörer in die Hand nehmen und seinen Vertragspartner kurz persönlich informieren. Wir spielen alle  gemeinsam in einer Liga und Stil und gegenseitiger Respekt gehören auch oder gerade bei Millionentransfers dazu.

          Sind nicht vertraglich gebundene Spieler wie Mario Götze oder Robert Lewandowski eigentlich diejenigen, die als Vertragspartner ihres Vereins die Klubführung über Verhandlungen informieren müssten?

          Da haben sie ja nicht Unrecht, aber ersetzt das die Kommunikation der Vereine untereinander?

          Sie hatten schon im Januar moniert, dass die Bayern mit Ihrem Klub Mainz 05 keinen Kontakt aufgenommen hatten, nachdem sie Jan Kirchhoff verpflichtet hatten. Was hätten die Bayern Ihnen dann sagen sollen?

          Sie hätten zum Beispiel die Information weitergeben können, dass sie den Spieler verpflichtet haben, wann man es veröffentlichen möchte oder wann der Spieler zum Medizincheck kommen darf und soll. Wir haben nicht einmal gewusst, dass er zum Medizincheck nach München eingeladen wurde. Das Ergebnis der medizinischen Untersuchung hat uns dann ein Journalist von Sport-Bild übermittelt.

          Hat sich die Verhandlungskultur der Bayern durch die Person Matthias Sammer verändert?

          Das kann ich nicht beurteilen, aber mir auch nicht vorstellen.

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