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3:2 in Qäbälä : Mainzer reisen weit und wechseln gut

Cordoba kam, sah und traf: Der kolumbianische Torjäger von Mainz 05 trifft mit der ersten Ballberührung Bild: dpa

3400 Kilometer für den ersten Europa-League-Erfolg: Mainz 05 gewinnt bei FK Qäbälä in Aserbaidschan mit 3:2. In der zweiten Halbzeit hat Trainer Martin Schmidt den richtigen Riecher bei den Einwechslungen.

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          Mainz 05 musste weit reisen, um erstmals ein „richtiges“ Europapokalspiel zu gewinnen. Beim 3:2-Sieg gegen FK Qäbälä in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku gewannen die Mainzer nach einer turbulenten zweiten Halbzeit dank zweier „Joker“-Tore das zweite Spiel in der Gruppe C der Europa League. Trainer Martin Schmidt wechselte nach dem zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand Torjäger Jhon Cordoba und Levin Öztunali ein, die mit ihren Treffern das Spiel vor 8500 Zuschauern in der Bakcell Arena zu Gunsten der Mainzer drehten. Zuvor hatte Yoshinori Muto die Mainzer in Führung gebracht (41. Minute), binnen fünf Minuten drehte dann aber der Tabellenführer der ersten aserbaidschanischen Liga das Spiel durch einen Elfmetertreffer von Qurbanov (57.) und einen Flachschuss von Zenjov (62.).

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor dem Erfolg in Baku hatte Mainz 05 auf internationalem Parkett lediglich Spiele in Qualifikationsrunden gewonnen, in denen dennoch bis zu dieser Saison stets Endstation war. In der laufenden Saison haben sie nun nach zwei Spielen vier Punkte auf dem Konto. Der Weg in die K.o.-Runde ist somit machbar. In drei Wochen sollten die Mainzer dafür freilich im Heimspiel gegen den Gruppenfavoriten RSC Anderlecht, der in St-Etienne ein 1:1 erreichte, punkten, um die gute Ausgangsposition in der Rückrunde der Vierergruppe zu wahren.

          „Wir sind natürlich sehr glücklich. Mit vier Punkten nach zwei Spielen sind wir auf einem guten Weg. So kann es weitergehen“, sagte der Mainzer Trainer Schmidt. „Wir haben gezeigt, dass wir fit sind, auch psychisch. Wir haben eine gute Mentalität und Moral. Und wir können Tore schießen.“

          Muto wird belohnt

          Der Erfolg in Baku brachte eine weitere Premiere: Erstmals war ein Uefa-Präsident bei einem Spiel der Rheinhessen zu Gast. Der kürzlich gewählte Alexander Seferin nutzte einen Antrittsbesuch bei den Fußballverbänden der Kaukasus-Republiken für den Spielbesuch.

          Die Mainzer bemühten sich in ihrer Partnerstadt von Beginn an um Spielkontrolle, aber es fehlte das Tempo, die Pässe in die Spitze waren zudem immer wieder von Ungenauigkeiten geprägt. Zielstrebiger agierte da zunächst Qäbälä: Ein Kopfball von Zenjov landete aber zum Glück der Mainzer am Pfosten. Torhüter Jonas Lössl wäre chancenlos gewesen (24.). Erfolgreicher ging dann Yoshinori Muto zu Werke, als er in der 40. Minute im Strafraum zum Schuss kam. Der Japaner, der nach langer Verletzungspause erstmals in dieser Saison in der Startelf stand, traf aus halblinker Position unhaltbar für den gegnerischen Torhüter Dmytro Bezotosnyi mit dem linken Fuß durch die Beine von Gegenspieler Rafael Santos hindurch ins lange Eck. Mit dieser Führung gingen die Mainzer in die Halbzeit.

          Sieg in Aserbaidschan: Mainz 05 hat den ersten Europapokalsieg errungen Bilderstrecke
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          In der 50. Minute gelang den oft zu hektischen Mainzern durch de Blasis endlich einmal ein sauberes Zuspiel in den Strafraum. Malli schloss unbedrängt viel zu harmlos ab. Aber immerhin erweckten die Mainzer den Eindruck, dass sie aufgrund einer geordneten Defensive in der Lage sein könnten, erstmals in dieser Spielzeit ohne Gegentor zu bleiben.

          Bell bringt Qäbälä zurück ins Spiel

          Der Traum währte allerdings nur bis zu 55. Minute. Da half Stefan Bell auf denkbar unnötige Weise dem Gegner zurück ins Spiel: Der Kapitän, schon in den vergangenen Wochen immer wieder Fehlerquelle im Defensivspiel, brachte seinen Torhüter mit einer zu kurzen Kopfballrückgabe derart in Bedrängnis, dass der Däne den gegnerischen Stürmer Ozovic im Strafraum nur noch per Foul bremsen konnte, was ihm obendrein eine Gelbe Karte einbrachte. Den fälligen Elfmeter verwandelte Qurbanov für den in sieben Spielen stets siegreichen Tabellenführer der aserbaidschanischen Liga. Die Mainzer verloren nach dem Ausgleich die Ordnung, in der 62. Minute schloss Zenjov einen Konter per Flachschuss zum 2:1 ab.

          Schmidt reagierte und brachte bei einem Doppelwechsel Öztunali und Torjäger Cordoba. Die Wechsel zahlten sich aus: Mit der ersten Ballberührung erzielte Cordoba nach einem Malli-Eckstoß aus vier Metern den Ausgleich (67.). Zehn Minuten später schloss Öztunali eine feine Einzelleistung per Linksschuss mit dem Treffer zum 3:2 ab. Rund 200 mitgereiste Mainzer Fans feierten ihre Spieler anschließend noch fast eine halbe Stunde lang vor dem Fanblock. Entsprechend fröhlich dürfte auch der Rückflug durch die europäische Nacht gewesen sein, der die Mainzer am frühen Freitagmorgen wieder nach Frankfurt zurückführen sollte, ehe schon am Samstagnachmittag der Abflug zum Auswärtsspiel in Wolfsburg ansteht.

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