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Frauenfußball : Männerklubs sind auch keine Lösung

Stärke dank professioneller Strukturen in Wolfsburg: Martina Müller und ihr Team bleiben Seriensieger Bild: dpa

Immer mehr Titel im Frauenfußball gehen an die aus dem Männerbereich bekannten Klubs: Sportlich helfen die professionelleren Bedingungen beim VfL Wolfsburg oder bei Bayern München. Aufmerksamkeit generiert der weibliche Kick dadurch kaum.

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          Der Frauenfußball wird immer männlicher: Dafür lieferte das Endspiel im DFB-Pokal nicht nur wegen der körperbetonten, kämpferischen Spielweise beim 3:0-Sieg des VfL Wolfsburg gegen Turbine Potsdam ausreichend Hinweise. Vor allem erweiterten die Wolfsburgerinnen am Freitag in Köln die Serie der Titelgewinne durch Frauenabteilungen von Männer-Profiklubs. Fünf der jüngsten sieben nationalen Titel gingen nun an den VfL und den FC Bayern München und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass einer der beiden Klubs in einer Woche mit der deutschen Meisterschaft Titel Nummer sechs gewinnen wird. In Europa gingen derweil die letzten vier Champions-League-Titel an Olympique Lyon und Wolfsburg. Paris könnte im Endspiel am 14. Mai in Berlin die Dominanz gegen den FFC Frankfurt untermauern.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die sportliche Qualität des Frauenfußballs und die individuelle Leistungsfähigkeit der Spielerinnen mag die Förderung unter den professionelleren Bedingungen eines Profiklubs geeignet sein: Auch deswegen hat eine Spielerin wie Martina Müller mit 35 Jahren noch jene Qualität, die sie am Freitag beim Endspiel in Köln unter Beweis stellte. Die ehemalige Nationalstürmerin, die nach Ende der Bundesligasaison von der Torjägerin im Volkswagen-Klub zur Vollzeitkraft im Volkswagen-Werk wird, erzielte die ersten beiden Tore selbst (13./61. Minute). Das dritte von Alexandra Popp bereitete sie mit einem feinen Zuspiel vor (71.), ehe sie einen netten Seitenhieb in Richtung Männerwelt wagte bei der Beschreibung ihres Elfmetertores zum 2:0: „Ich war mir absolut sicher, dass ich den reinmache - und nicht vorher ausrutsche.“

          Keine Fortschritte im Kampf um Aufmerksamkeit

          Das Ärgerliche daran ist aber, dass die Ausrutscher der Männer tagelang Gesprächsstoff für Millionen bieten, während das Mühen der weiblichen Vereinskameradinnen im Wettstreit um öffentliche Aufmerksamkeit zuletzt Rückschläg erlitt: Der erhoffte Aufschwung durch den Einstieg eines großen Versicherungskonzerns als Liga-Sponsor blieb bislang aus.

          Der Sportsender Eurosport hat die Frauenfußball-Bundesliga nach anfänglicher Begeisterung mittlerweile in sein kaum zu empfangendes zweites Programm abgeschoben. Zuletzt bemängelte beim Champions-League-Halbfinale gegen Paris Sain-Germain Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann wie sein französischer Kollege die Zustände in der Champions League. Während die Einschaltquoten des Nationalteams bei der am 6. Juni Juni beginnenden Weltmeisterschaft in Kanada zumindest im Erfolgsfall wieder den Eindruck einer heilen Frauenfußballwelt erzeugen dürften, kriselt es an der Basis.

          Gratulant und kritischer Geist: Bernd Schröder (l., mit Wolfsburgs Trainer Kellermann) bleibt skeptisch

          Potsdams Trainer Bernd Schröder lässt als einziges Kriterium für die Bewertung der Popularität des Frauenfußballs die Zuschauerzahl im Stadion gelten. „Steffi Jones hat als DFB-Direktorin immer wieder mal von einem Zuschauerschnitt von 4000 phantasiert“, sagt Schröder. „Die Wahrheit liegt bei weniger als 1000, Tendenz leicht rückläufig.“ Ob die von der kommenden Saison womöglich an sieben Ableger von Männerklubs unter den zwölf Bundesligateams die Trendwende schaffen, scheint fraglich, weil es ihnen kaum gelingt, eine größere eigene Anhängerschaft und Identität zu entwickeln. Mancher Verantwortliche der reinen Frauenfußballklubs wie Frankfurts Trainer Colin Bell mahnt deshalb schon an, dass der DFB diese Klubs schützen müsse vor der wirtschaftlichen Übermacht der Konkurrenz, die den Wettbewerb aus der Portokasse der Männer finanziere.

          Die noch bleibenden Unterschiede zum Männerfußball haben derweil auch ihr Gutes: Wo sich bei Spielen des 1. FC Köln in der Bundesliga Polizeihundertschaften bereithalten, bestritten im Rahmenprogramm des Endspiels auf den Wiesen vor dem Stadion hunderte Mädchen Jugendturniere. Die Atmosphäre unter den 19.000 Zuschauern war äußerst angenehm, es ist also die richtige Entscheidung, den seit 2010 bevorzugten Endspielort Köln wie am Freitag verkündet mindestens bis 2018 beizubehalten. Es hat also auch Vorteile, wenn der Frauenfußball nicht zu männlich wird.

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