https://www.faz.net/-gtl-9xv89

Hoffmann gegen Boldt beim HSV : Hamburger Zündeleien

Unruhe um Bernd Hoffmann: Der Vorstandschef bringt beim HSV Mäzen Kühne gegen sich auf. Bild: dpa

Der Machtkampf beim HSV spitzt sich zu. Der Vorstandsvorsitzende Hoffmann liegt im Zwist mit Sportvorstand Boldt und bringt auch Mäzen Kühne gegen sich auf. Es ist ein riskantes Spiel.

          1 Min.

          Es tobt ein Machtkampf beim Hamburger SV, wieder einmal. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen: Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende. In den vergangenen Wochen soll er mehrmals mit Sportvorstand Jonas Boldt aneinandergeraten sein. Mal ging es um die Neuzugänge in der Winterpause – Boldt wollte den Slowaken Robert Bozenik verpflichten, Hoffmann den Kölner Simon Terodde, letztendlich kam Joel Pohjanpalo von Boldts ehemaligem Arbeitgeber Bayer Leverkusen. Mal ging es um Äußerungen, die in manchen Ohren etwas forsch klangen, etwa als Hoffmann Anfang März nach dem 0:3 in Aue sagte: „Honeymoon is over.“ Er meinte Boldt und Trainer Dieter Hecking, die bis dahin ruhig und erfolgreich gearbeitet hatten, denen es aber nicht gelungen war, den HSV so zu positionieren, dass er sicher mit der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga planen kann. In Wirklichkeit aber geht es vor allem um eines: um die Macht im Klub.

          Es ist ein offenes Geheimnis in Hamburg, dass Hoffmann nur allzu gern im Mittelpunkt steht. Schon während seiner ersten Amtszeit nannten ihn manche den „Sonnenkönig“. Er, der gelernte Diplom-Kaufmann, der über seine Arbeit bei einem Sportrechtevermarkter zum HSV kam, verblüffte schon 2005 damit, dass er den HSV fünf Jahre später in den Top 20 Europas und zehn Jahre später gar in den Top 10 sah. Fünfzehn Jahre später, im Jahr 2020, zählt der Klub nicht einmal mehr zu den Top 18 der Republik. Und Hoffmann legt es wieder einmal auf einen Kompetenzstreit innerhalb des HSV an. Im Sommer 2009 musste Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer gehen, folgt nun Boldt?

          Kühnes Einfluss geschwunden

          Hoffmann selbst scheint auf dem heißen Stuhl zu sitzen. Klaus-Michael Kühne, der Mäzen des HSV, sagte nun dem Online-Auftritt der „Zeit“ auf die Frage, ob es in absehbarer Zeit zu einer personellen Neuaufstellung beim HSV kommen werde: „Ich hoffe es.“ Die Erfahrung lehrt, dass Wortmeldungen des Zweiundachtzigjährigen gefährlich sind. Kühne verfolgt seine eigene Agenda. Seit Hoffmann im September 2018 zum Vorstandsvorsitzenden bestellt wurde, sank Kühnes Einfluss. Das schmerzt den Edel-Fan, der bereits Millionen in seinen Herzensverein gepumpt hat.

          Und das kann sich schnell wieder ändern. Zwar heißt es, dass der HSV die Corona-Pandemie und den zu erwartenden wirtschaftlichen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe verkraften könne, in jedem Fall aber macht den Verein diese Situation anfällig. Kühne befürwortet übrigens Marcell Jansen als Neubesetzung des AG-Vorstands. Der ehemalige Profi ist 34 Jahre alt, ein Neuling im Business. Es ist ein riskantes Spiel, das sie da spielen in Hamburg.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Real Madrid verzweifelt fast

          Später Jubel gegen Bergamo : Real Madrid verzweifelt fast

          Früh sieht ein Atalanta-Profi vom deutschen Schiedsrichter die Rote Karte – doch Madrid kann das Übergewicht lange nicht nutzen. Kurz vor Schluss aber fallen sich die Real-Spieler doch in die Arme.

          Topmeldungen

          Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), bei einer Pressekonferenz im März 2020

          Kramp-Karrenbauer zum KSK : „Generalinspekteur Zorn hat Fehler gemacht“

          In der jüngsten Debatte über das KSK gesteht die Verteidigungsministerin Fehler ihres Generalinspekteurs ein. Der habe das Parlament nicht ausreichend informiert. Berichte über eine Ablösung von Kommandeur Kreitmayr weist sie als „Fake News“ zurück.
          Olaf Scholz im Willy-Brandt-Haus

          Finanzpolitik : Scholz will höhere Steuern für Besserverdienende

          Der Bundesfinanzminister will mittlere und untere Einkommen entlasten. Die derzeitige Finanzpolitik mit hohen, kreditfinanzierten Ausgaben zur Bekämpfung der Corona-Krise will er fortsetzen: „Da gilt es zu klotzen, nicht zu kleckern“, so Scholz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.