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Abschied vom DFB-Team : Eine Ode an Lukas Podolski

  • -Aktualisiert am

Der Strahlemann: Lukas Podolski wird als ein Spieler in Erinnerung bleiben, der fast immer ein Lächeln zeigte. Das war auch am Dienstag bei seiner letzten Pressekonferenz mit Bundestrainer Löw (links) im Kreis des Nationalteams nicht anders. Bild: EPA

Ein Länderspiel noch – dann ist Schluss. Zum Abschied schreibt der ehemalige Pressesprecher der Nationalmannschaft eine Liebeserklärung an Lukas Podolski.

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          Es war kurz vor dem festlich geschmückten Berliner Olympiastadion. Lukas Podolski schaute wehmütig nach links und sagte: „Es wäre geil gewesen, wenn wir dort am Sonntag im WM-Finale gestanden hätten.“ Das Auto mit ihm bog rechts ab, in Richtung Hintereingang des Fifa-Medienzentrums. Wenige Minuten später saß er dort ganz vorne und durfte sich als „bester Nachwuchsspieler der WM 2006“ feiern lassen.

          Zwei, die gemeinsam Spaß hatten: Der ehemalige DFB-Mediendirektor Harald Stenger (l.) und Lukas Podolski, 2008 im schweizerischen Tenero.
          Zwei, die gemeinsam Spaß hatten: Der ehemalige DFB-Mediendirektor Harald Stenger (l.) und Lukas Podolski, 2008 im schweizerischen Tenero. : Bild: GES/Markus Gilliar

          Jeder, der ihn kannte, ahnte aber, nein, er wusste: Dieser Ehrung misst der damals 21 Jahre alte Stürmer der deutschen Nationalmannschaft, den die ganze Fußball-Welt nur „Poldi“ ruft, keine allzu große Bedeutung bei. Natürlich fand er nette Worte über den Stellenwert der Auszeichnung und bedankte sich artig. Doch statt allein vor dem Mikrofon zu sitzen bei dieser zum PR-Event gestylten Pressekonferenz, hätte er lieber zwei Tage später mit dem Team auf dem Rasen des Olympiastadions gestanden. Und wäre dort gern Weltmeister geworden.

          Es sollte nicht sein. Beim dramatischen Elfmeterschießen gegen Argentinien im Viertelfinale hatte er noch einen der Strafstöße mit links knallhart und souverän versenkt. Jene danach im „Sommermärchen“-Film von Sönke Wortmann festgehaltene Szene, als unzählige Bundeswehrsoldaten bei der Abfahrt des DFB-Busses in Richtung Quartier im Berliner Grunewald mit schwarzrotgoldenen Fahnen ein langes Jubelspalier bildeten, ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, was damals in Deutschland los war.

          Kein Finale, aber internationales Ausnahmetalent

          Im Halbfinale von Dortmund folgte dann allerdings in den letzten Minuten vor einem weiteren sich anbahnenden Elfmeterschießen abrupt das traurige Ende aller deutschen WM-Hoffnungen durch zwei späte Tore des späteren Titelgewinners Italien – und so musste Podolski eben an jenem für ihn vermeintlich stolzen Tag am 7. Juli 2006 in Berlin bei der Fahrt zur Kür als internationales Ausnahmetalent das Olympiastadion links liegenlassen.

          Lukas Podolski hat Spuren hinterlassen: In Ascona in einem Kunstwerk von Stephan Schmidlin zur Euro 2008 sogar in Bronze
          Lukas Podolski hat Spuren hinterlassen: In Ascona in einem Kunstwerk von Stephan Schmidlin zur Euro 2008 sogar in Bronze : Bild: Matthias Lüdecke

          Exakt acht Jahre und vier Tage später stand „Poldi“ dafür auf dem Rasen des legendären Maracanã-Stadions, im Konfettiregen und im Angesicht eines Brillant-Feuerwerks über dem Himmel von Rio. Wieder hatte die deutsche Nationalmannschaft gegen die Argentinier gewonnen, diesmal in der Verlängerung des Finales – und damit war Lukas Podolski endlich Weltmeister. Und auch von diesem Moment gibt es einzigartiges Dokument. Gemeinsam mit seinem Kumpel Bastian Schweinsteiger, der zuvor mit Tränen in den Augen in die Arme von Bundestrainer Joachim Löw gesunken war, machte Frohnatur „Poldi“ kurz vor der Siegerehrung ein Selfie, in dem beide mit leuchtenden Augen in das hochgehaltene Smartphone schauen.

          Rücktritt aus der DFB-Elf : Podolski beendet Karriere in Nationalmannschaft

          Es ist ein Bild, das mehr ausdrückt als Tausende von Worten. Da waren zwei Freunde auf dem Fußball-Gipfel nach einem nicht nur für sie langen, schönen und zugleich schwierigen Weg angekommen. Als sie 2004 – kurioserweise 50 Jahre nach dem „Wunder von Bern“ – kurz vor dem Ende der Ära Völler das erste Mal in Kaiserslautern gegen Ungarn das Nationaltrikot überstreiften, waren die Schlagzeilen vom „Rumpelfußball“ und dem Tiefpunkt der deutschen Nationalmannschafts-Historie bei der EM 2000 noch überall präsent. Es konnte damals nur aufwärts gehen, doch nach dem durchaus erfolgreichen WM-Job 2002 von Rudi Völler mit vielen von Oliver Kahn angeführten Routiniers und wenigen Talenten wusste keiner so richtig wie – bis Jürgen Klinsmann als Reform-Bundestrainer und Oliver Bierhoff in der neuen Funktion eines modernen Managers die Verantwortung für die Nationalmannschaft übernahmen, bezeichnenderweise von Anfang an assistiert vom späteren Weltmeister-Macher Joachim Löw.

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