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Lukas Podolski : Die Zeichen stehen auf Veränderung

Nebenrolle im Klub: Lukas Podolski fühlt sich bei Arsenal ausgebremst Bild: dpa

Lukas Podolski kommt bei Arsenal London nicht über den Status der Teilzeitkraft hinaus. Das bremst den Stürmer auch in der Fußball-Nationalmannschaft.

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          Einen gewissen Spannungsabfall mag man der Nationalelf nachsehen in diesen Tagen. Am Montag nahmen die Spieler dankbare und nachdenkliche Wortes des Bundespräsidenten und silbernen Lorbeer in Empfang, wenige Stunden später wurden sie auf dem roten Teppich beim Premierenstart des Kinofilms herumgereicht, der die Hommage an die Spieler schon im Titel führt: „Die Mannschaft.“

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Und nach Schloss Bellevue und Celebrity-Auftritt wartete dann am nächsten Tag auf Manager Oliver Bierhoff, Lukas Podolski und Jerome Boateng ein Autohaus mit der DFB-Pressekonferenz. Und als nächster Gegner in drei Tagen der Fußball-Winzling Gibraltar.

          Raus aus der VIP-Zone

          Das ist zweifellos ein ziemlich großer Schritt von der VIP-Weltmeisterzone in den Qualifikationsmodus zur Europameisterschaft, die ohnehin nur recht holprig in Gang kommen mag. Podolski und Boateng räumten in Berlin auch ganz unumwunden ein, dass sie keinen einzigen Spieler ihres Gegners vom Affenfelsen an der Südspitze der iberischen Halbinsel kennen. Aber das, so versicherte Podolski halbwegs pflichtbewusst, werde sich dank der Vorbereitung bis zur Partie am Freitag in Nürnberg schon noch ändern.

          EM-Qualifikation : Nationalmannschaft vor Spielen gegen Gibraltar und Spanien

          Der nächste Gegner jedoch, den keiner genauer kennt und keiner fürchtet, ist nicht mal auf der Weltrangliste des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) aufgeführt, die immerhin bis zur punktgleichen Nummer 208 mit San Marino und Bhutan reicht. Denn die Fifa erkennt Gibraltar als Nation nicht an. Sie hat den deutschen Gegner daher auch gar nicht in seinen Verband aufgenommen. Selten hat der Begriff des Fußball-Nobodys so gut gepasst.

          Schwierigkeiten mit Wenger

          Wenn man Podolski, der die Pressekonferenz in fröhlicher rheinischer Verbundenheit mit einem „Allen ein Kölle Alaaf!“ für sich eröffnete, genau zuhörte, sitzt dessen härtester Gegner derzeit ohnehin ganz woanders. Und zwar neben ihm, auf der Ersatzbank von Arsenal. Es handelt sich um Trainer Arsene Wenger, dessen Name Podolski gar nicht mehr in den Mund nahm, wenn es in Berlin um seine derzeit wenig bedeutsame Rolle in London ging. Der Trainer, dessen Namen nicht genannt werden darf, gesteht Podolski in dieser Saison kaum Einsatzzeiten zu.

          Dass dies womöglich auch etwas mit dessen Leistung zu tun haben könnte, also mit einer Leistungsschwäche des Weltmeisters, der auch bei den K.-o.-Partien in Brasilien nicht spielte, scheint Podolski nicht ernsthaft anzunehmen. „Ich weiß nicht, woran es liegt“, sagte er. „Da muss man den Trainer in England fragen. Man kann auch nicht sagen, ich habe eine Krise, weil ich gar nicht die Möglichkeit habe, mich zu zeigen. Im Training gebe ich immer alles. Aber wenn man im Spiel immer nur acht bis zehn Minuten Zeit bekommt, ist es schwierig. Da wird man gerade warm“, sagte Podolski

          Was passiert im Winter?

          Tatsächlich kommt der 29 Jahre Weltmeister in dieser Saison in der Premier League nach elf Spielen auf Einsatzzeiten, die zusammengenommen gerade mal eine Halbzeit ergeben. Er war nur in vier Partien dabei, nie nacheinander und genau für dreizehn, zwölf, elf und zehn Minuten. In der Champions League sieht es kaum besser aus: drei Einsätze in vier Spielen á dreizehn, sieben und sechs Minuten.

          Immerhin gelang dem Kurzzeit-Profi von Arsenal dabei ein Tor. „Ich muss mir Gedanken machen, was im Winter passiert. Ich werde das Gespräch mit dem Verein suchen. Es ist klar, dass ich mit der Situation nicht zufrieden bin. Aber ich habe weiter Spaß am Fußball. Aber wenn man mir diesen Wettkampf nimmt, den ich so geil finde, dann bin ich nicht zufrieden.“

          Allerdings muss man sagen, dass es in der Nationalelf derzeit auch nicht viel besser aussieht für Podolski. In den vier Länderspielen seit dem WM-Sommer reichte es für 44, 13 und sieben Minuten Einsatz in den drei Qualifikationsspielen gegen Irland (1:1), Polen (0:2) und Schottland (2:1) sowie 56 Minuten im Test gegen Argentinien (2:4).

          „Schauen, was kommt“

          Warum er aber selbst in der Nationalelf bei einem geschwächten Kader nicht mehr recht zum Zug kommt, kann man ja mal den Trainer aus Deutschland fragen. Joachim Löw hat diese Frage zuletzt allerdings schon freundlich beantwortet, als er die fehlende Spielpraxis bei Arsenal für Podolskis zuletzt wenig überzeugenden Auftritt gegen Irland anführte.

          Während mittlerweile fast alle Sommermärchen-Kinder von 2006 aus der Nationalelf zurückgetreten sind und in den Klubs ihren Platz gefunden haben, stehen bei Podolski die Zeichen offenkundig auf Veränderung. Aber das Ziel ist noch offen. „Man kann sich im Fußball leider nicht aussuchen, zu welchem Verein oder in welche Liga man will, sondern muss schauen, was kommt“, sagte er ganz gelassen in Berlin. Und da man sich auch die Nationalelf nach 120 Länderspielen nicht mehr aussuchen kann, herrscht zumindest in dieser Frage für Podolski Klarheit. Und nicht nur darüber. „Wir wollen Europameister werden. Das ist mein Ziel.“

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