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Luiz „Felipão“ Scolari : Ein Kämpfer für Brasilien

  • Aktualisiert am

Luiz Felipe Scolari trainierte die Brasilianer schon einmal - nun kehrt er zurück Bild: dapd

Brasilien setzt auf Luiz „Felipão“ Scolari. Der Weltmeister-Trainer von 2002 soll die Fußballnation in den Confed Cup 2013 und die Heim-WM 2014 führen. Die Erwartungen sind enorm, und die Zeit ist knapp. Immerhin bekommt Scolari einen prominenten Helfer.

          Er ist wieder da. Der „große Felipe“, Luiz „Felipão“ Scolari soll es noch mal machen. Die Mission ist klar: Der neue Fußball-Nationaltrainer Brasiliens soll den Rekordweltmeister 2014 zum ersehnten Titel Nummer sechs führen. Mit dem 64-Jährigen als Trainer holte Brasilien 2002 den fünften Titel. „Felipão“ wird von Spielern und Journalisten gleichermaßen gefürchtet, geachtet und geliebt.

          Anders als seinem vor einigen Tagen gefeuerten Vorgänger Mano Menezes traut man ihm offenbar zu, die nationale Mission zu erfüllen. Dennoch bekommt er in Alberto Parreira, dem erfolgreichen WM-Coach von 1994, einen „Koordinator“ an die Seite gestellt. Scolari vereint aus Sicht der Brasilianer vieles, was Menezes und auch dessen Vorgänger Carlos Dunga nicht hatten.

          Temperament, Leidenschaft und Witz. Er gilt als Prototyp des Kämpfers. Oft genug brachten ihm seine Temperamentsausbrüche am Spielfeldrand Rügen und Platzverweise der Schiedsrichter ein. Er leidet, brüllt, kämpft und rennt während des Spiels vor der Trainerbank wild gestikulierend auf und ab. „Er ist ein Guerreiro (Krieger)“, sagt Taxi-Fahrer José in Rio de Janeiro, der mit der Wahl des neuen Coachs mehr als zufrieden ist.

          Scolari hat nationale und internationale Trainererfahrung. Er führte Clubs und Länder zu Erfolgen. Neben der brasilianischen Seleção trainierte er von 2003 an auch die von Portugal und führte die Portugiesen bei der WM 2006 bis ins Halbfinale. Insgesamt umfasst seine Trainerlaufbahn über 20 Stationen. Zwischen dem 1. Juli 2008 und dem 9. Februar 2009 war er auch Chefcoach beim FC Chelsea - konnte die in ihn gesetzten Erwartungen in London aber nicht erfüllen.

          2002 wurde er Weltmeister - nach einem Finalsieg über Deutschland

          Bei Palmeiras (São Paulo) heuerte er zweimal an (1997-2000, 2010-2012). Dort wurde er erst im September wegen Erfolglosigkeit entlassen. Vor drei Jahren beantwortete Scolari die Frage eines Journalisten auf etwaige Nationaltrainer-Ambitionen so: „Bist Du verrückt? Stell’ Dir den Druck vor.“

          Doch seitdem sind zwei Trainer - Dunga und Menezes - verschlissen. Der Druck ist zwar noch größer geworden, doch die Ruhmchancen auch. Bis zu Scolaris Feuerprobe dauert es nur noch sieben Monate. Dann muss sich seine Seleção beim Confederations Cup im eigenen Land mit anderen Weltmeistern wie Spanien, Italien und Uruguay auf Augenhöhe messen.

          Danach betreute Scolari Portugal mit Cristiano Ronaldo

          Joseph Blatter hat sich erleichtert über die schnelle Ernennung von Scolari geäußert, eine Einflussnahme der Fifa bei der Personalie aber nicht bestätigt. „Wenn man eine Nationalmannschaft hat, muss man auch einen Nationaltrainer haben“, sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Sao Paulo. „Sie bereiten die WM vor und sie haben die Auslosung zum Confederations Cup. Brasilien ohne Trainer, das ist keine Option“, sagte Blatter.

          Verbandschef José Maria Marin hatte die Personalentscheidung eigentlich erst im Januar 2013 treffen wollen. Dann hätte der Gastgeber bei der Auslosung der Confederations-Cup-Gruppen am Samstag ohne Trainer dagestanden. Spekulationen über einen Fifa-Einfluss zu einer schnelleren Lösung hatte Generalsekretär Jérôme Valcke noch am Mittwoch energisch zurückgewiesen. „Eine Nationalmannschaft kann kein Niemandsland sein“, sagte Blatter am Donnerstag. Scolari bezeichnete er als ausgezeichnete Wahl: „Das ist ein großer Name und ich wünsche ihm großen Erfolg.“

          Luiz Felipe Scolari im Kurzportät

          Geboren: 9. November 1948 in Passo Fundo, Brasilien

          Vereine als Spieler:

          1973-1979 SER Caxias do Sul
          1980 EC Juventude
          1980-1981 EC Novo Hamburgo
          1981 CS Alagoano

          Vereine als Trainer:

          1982 CS Alagoano
          1982-1983 EC Juventude
          1983 Grêmio Esportivo
          1984-1985 Al-Shabab
          1986 Grêmio Esportivo
          1986-1987 EC Juventude
          1987 Grêmio Porto Alegre
          1988 Goiás EC
          1988-1990 Al Qadsia Kuwait
          1990 Kuwait
          1991 Criciúma EC
          1991 Al-Ahli
          1992 Al Qadsia Kuwait
          1993-1996 Grêmio Porto Alegre
          1996-1997 Júbilo Iwata
          1997-2000 Palmeiras São Paulo
          2000-2001 Cruzeiro Belo Horizonte
          2001-2002 Brasilien
          2003-2008 Portugal
          2008-2009 FC Chelsea
          2009-2010 Bunyodkor Taschkent
          2010-2012 Palmeiras São Paulo
          seit 2012 Brasilien

          Größte Erfolge als Trainer:

          - Weltmeister mit Brasilien 2002
          - Vize-Europameister mit Portugal 2004
          - brasilianischer Meister mit Grêmio Porto Alegre 1996
          - 4x brasilianischer Pokalsieger
          - usbekischer Meister 2010 mit Bunyodkor Taschkent
          - 2x Sieger Copa Libertadores

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