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Borussia Dortmund : Favre wird neuer Trainer

  • -Aktualisiert am

Favre kommt nach Dortmund, weitersagen! Bild: dpa

Lucien Favre kehrt zurück in die Fußball-Bundesliga. Der 60 Jahre alte Schweizer, der schon Hertha und Gladbach erfolgreich trainierte, wird neuer Chefcoach bei Borussia Dortmund. Dort trifft er auf alte Bekannte.

          Als aus dem offenen Geheimnis eine harte Nachricht wurde, näherten sich die Fußballprofis von Borussia Dortmund und ihr scheidender Trainer Peter Stöger gerade der Tiefschlafphase. In Los Angeles, wo der BVB die Saison mit einer Werbetour ausklingen lässt, war es mitten in der Nacht, als der Revierklub offiziell bestätigte, was seit Tagen zu erwarten stand: Lucien Favre übernimmt am 1.Juli den Posten des Cheftrainers bei dem börsennotierten Bundesligaverein. Der Sechzigjährige, zuletzt beim französischen Klub OGC Nizza beschäftigt, erhält einen Arbeitsvertrag, der bis Ende Juni 2020 datiert ist. Favre hat sich in der Bundesliga bei seinen Stationen Hertha BSC Berlin und Borussia Mönchengladbach einen Namen gemacht. Seine teils überaus erfolgreiche Arbeit bei diesen Klubs haben auch die Dortmunder im Hinterkopf gehabt, als sie schon vor längerer Zeit begonnen hatten, sich mit Favre zu befassen. „Er genießt bei uns hohe Wertschätzung für seine fachlichen Qualitäten, die er in der Bundesliga bei Hertha BSC und in Mönchengladbach, genau wie zuletzt in Nizza, auch schon mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat“, sagt Michael Zorc, der Sportdirektor des BVB.

          Der Fußball-Lehrer wird seinen Dienst in einer für Dortmund einschneidenden Phase antreten. Der Klub plant einen Umbruch auf mehreren Ebenen, darunter auch die administrative. Matthias Sammer wird als externer Berater mitarbeiten, Sebastian Kehl auf der neugeschaffenen Position „Leiter der Lizenzspielerabteilung“ nahe an die Mannschaft heranrücken. „Die Verpflichtung von Lucien Favre als Trainer ist ein wichtiger Teil unseres sportlichen Neustarts in diesem Sommer“, sagt Zorc. Dieser „Neustart“ wird mit deutlichen Veränderungen in der Zusammensetzung der Mannschaft einhergehen, die in der vergangenen Saison insgesamt enttäuscht hatte, was nicht zuletzt auf ein schwieriges Betriebsklima mit atmosphärischen Störungen in der Kabine zurückzuführen war. Insofern wartet über das Technisch-Taktische hinaus eine Menge Arbeit auf Favre.

          Der BVB gehöre „zu den interessantesten Klubs in ganz Europa“, sagt Favre trotz der jüngsten sportlichen Rezession und ihrer Begleitumstände. Nach dem freien Fall im Herbst und der Trennung von Peter Bosz hatte dessen Nachfolger Stöger die Mannschaft zwar stabilisiert und am Ende mit viel Mühe auf Platz vier und damit in die Champions League geführt. Aber die Niederlagen in München (0:6) und gegen den Erzrivalen Schalke (0:2) hatten früh darauf hingedeutet, dass eine längerfristige Zusammenarbeit mit Stöger für die Verantwortlichen des BVB nicht in Frage kam.

          Nagelsmann der eigentliche Wunschtrainer?

          Vermutlich hätten die Borussen gern noch ein Jahr mit Stöger weitergemacht, wenn das Team spielerisch einen besseren Eindruck hinterlassen und sich souverän für die europäische Königsklasse qualifiziert hätte. Dann wären für den BVB die Chancen gestiegen, seinen eigentlichen Wunschtrainer zu verpflichten, Julian Nagelsmann. Der aktuell wohl talentierteste deutsche Trainer kann seinen aktuellen Arbeitgeber 1899 allerdings frühestens nach der kommenden Saison mittels einer Klausel vor Vertragsablauf verlassen.

          So wurde der Weg frei für Favre, der in den Überlegungen des BVB schon vor einem Jahr, nach der Trennung von Thomas Tuchel, eine Rolle gespielt, aus Nizza aber keine Freigabe erhalten hatte. Favre gilt als gewiefter Taktiker mit einem klaren Plan; eine seiner Lieblingsvokabeln aus dem Wortschatz des Fußballs lautet „Balleroberung“. Neben seinen analytischen Fähigkeiten eilt ihm auch der Ruf voraus, Spieler und ganze Teams besser zu machen. Favre gilt allerdings auch als zuweilen schwierig im Umgang, als eigensinnig und manchmal zaudernd. Insofern wird es eine besondere Herausforderung für ihn bedeuten, mit der emotionalen Sprengkraft und allerlei Befindlichkeiten umzugehen, die ein Klub der Kategorie Borussia Dortmund in sich trägt.

          Fürsprecher Reus

          Einen einflussreichen Fürsprecher im Team wird Favre schon haben, bevor er seinen Dienst Anfang Juli offiziell antritt: Marco Reus. Der Stürmerstar des BVB, der demnächst zum Kapitän aufsteigen dürfte, hatte als junger Spieler in Mönchengladbach unter Favre gelernt und gearbeitet und auch nach seinem Wechsel gelegentlich anklingen lassen, wie sehr er den Monsieur aus der französischen Schweiz schätze.

          Auch ein erfahrener Kollege mit bedeutender BVB-Vergangenheit traut dem neuen Mann auf der Bank einiges zu. „Lucien Favre kann die Bundesliga wieder spannend machen. Er kann die Bayern angreifen“, sagte der frühere Erfolgstrainer Ottmar Hitzeld der Schweizer Zeitung „Blick“. Und gab dem neuen BVB-Trainer noch einen Tipp mit auf dessen Dortmunder Weg. „Favre muss sich darauf einstellen, dass Zaudern nicht nach Dortmund passt, da muss man schnell und manchmal hart entscheiden.“

          Lucien Favre

          Privates: geboren am 2. November 1957 in Saint-Barthelemy, Schweiz. Verheiratet, ein Sohn.

          Stationen als Spieler: FC Lausanne-Sport (1976-79), Xamax Neuchatel (1979-81), Servette Genf (1981-83), FC Toulouse (1984-84), Servette Genf (1984-91). 24 Länderspiele (1 Tor) für die Schweiz.
          Erfolge als Spieler: Schweizer Fußballer des Jahres 1983, Schweizer Meister mit Servette Genf 1985.

          Stationen als Trainer: FC Echallens (1991-95), Yverdon-Sport (1996-2000), Servette Genf (2000-02), FC Zürich (2003-07), Hertha BSC (2007-09), Borussia Mönchengladbach (2011-15), OGC Nizza (2016-18), ab 1. Juli 2018 Borussia Dortmund.
          Erfolge als Trainer: Schweizer Meister 2006, 2007, Schweizer Pokalsieger 2001, 2005.

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