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Kritik an Präsident Grindel : „Beim DFB wird gerne zu lange rumgeeiert“

  • Aktualisiert am

Wie geht es weiter mit DFB-Präsident Reinhard Grindel? Bild: dpa

Die Kritik an Reinhard Grindel wird nach neuen Vorwürfen lauter. Klare Worte gibt es nicht nur von einer deutschen Fußball-Legende. Philipp Lahm reagiert auf Spekulationen, er könne Grindels Nachfolger als DFB-Präsident werden.

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          Die Kritik an Reinhard Grindel wird immer lauter. Nach Vorwürfen, dass der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Zusatzeinkünfte über 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft in den Jahren 2016 und 2017 nicht publik gemacht haben soll, gab es auch bei der Eröffnungsgala der Hall of Fame des deutschen Fußballs am Montagabend in Dortmund deutliche Worte.

          „Wenn man in solch einer Position ist und solche Dinge ans Licht kommen, sollte man zumindest Argumente haben, um sie so schnell wie möglich beiseite zu räumen“, kritisierte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, „beim DFB wird aber schon einmal gerne zu lange rumgeeiert.“ Auch Andreas Rettig, Geschäftsführer beim Zweitligaverein FC St. Pauli, ging verbal auf Distanz: „Einen Platz in der Hall of Fame würde Grindel heute sicher nicht bekommen. Das Erscheinungsbild des DFB ist schon seit längerer Zeit verbesserungswürdig.“

          Diplomatischer äußerten sich Ligapräsident Reinhard Rauball. „Ich bin einer von wenigen, die die Dinge, die sie zu sagen haben, intern sagen. Das werde ich auch weiterhin so halten“, sagte Rauball. Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke, gab eine pragmatische Empfehlung an den DFB: „Streit ist nie gut. Ich weiß nicht, was die da untereinander haben. Die sollen sich einig sein und etwas für den deutschen Fußball tun.“ Grindel selbst äußerte sich auch in Dortmund nicht zu den Vorwürfen. Pläne für eine außerordentliche Präsidiumssitzung noch in dieser Woche bestätigte der DFB bislang nicht. Nach Informationen der Bild werde Grindel jedoch noch an diesem Dienstag seinen Rücktritt verkünden.

          Philipp Lahm, Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2014, reagierte auf Spekulationen, wonach er im Falle eines Rücktritts von Grindel dessen Nachfolge antreten könnte, mit einem Lächeln: „Heute ist der 1. April. So will ich das mal stehen lassen.“ Der 35-Jährige, der seine aktive Karriere bei Bayern München im Mai 2017 beendet hatte, erklärte, er habe „überhaupt keine Ambitionen, DFB-Präsident zu werden“.

          Nach Lage der Dinge könnten Grindels Tage aber gezählt sein. Am Wochenende war der interne Druck auf den ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten nochmals gewachsen. Mitglieder des DFB-Präsidiums und Funktionäre aus einigen Landesverbänden sollen eine rege Kommunikation betrieben haben. Angeblich, um Grindel zu überzeugen, dass er sich im September nicht mehr zur Wiederwahl stellen kann. Grund für die Zuspitzung war die im „Spiegel“ erstmals genannte Zahlung von 78.000 Euro, die er zwischen Juli 2016 und Juli 2017 – angeblich heimlich – als Aufsichtsratsvorsitzender der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft mbH erhalten hat.

          Ein Vorwurf lautete auch, Grindel habe die Öffentlichkeit zu seinem Antritt als Präsident nicht über diese Einnahme informiert. Grindel bestätigte den Betrag. Er sei zum Zeitpunkt seiner Wahl im April 2016 noch nicht Aufsichtsratschef der Gesellschaft gewesen und habe somit nichts verschwiegen. Es scheint, als wollten Grindels interne Gegner die Zahlung nun zum Anlass nehmen, ihn zu stürzen. Mitglieder des DFB-Präsidiums sowie Funktionäre aus den Landesverbänden und der Bundesliga waren auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Wochenende aber nicht bereit, Stellung zu nehmen. Auch Grindel lehnte es ab, Fragen zu beantworten. Es gärt im Verband.

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          Zu Grindels Vergütung wurde vom DFB bisher stets angegeben, dass er eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 7200 Euro erhalte. Dazu stünden ihm nochmals 7200 Euro pro Monat als sogenannter Verdienstausfall zu. Dabei handelt es sich um die Differenz zwischen der DFB-Zahlung und dem Gehalt beim ZDF. Der frühere Fernsehjournalist wäre nach Aufgabe seines Bundestagsmandats ohne die Wahl zum DFB-Chef wieder zum Sender zurückgekehrt. Grindel wies zuletzt darauf hin, dass er einen Verdienstausfall vom DFB derzeit aufgrund der mit rund 500.000 Euro dotierten Tätigkeiten in den Gremien des Weltverbandes Fifa und der europäischen Organisation Uefa nicht erhalte.

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