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16 Anklagen im Fifa-Skandal : „Sie werden uns nicht entkommen“

  • Aktualisiert am

„Sie alle werden uns nicht entkommen“: Loretta Lynch. Bild: dpa

Die amerikanische Justiz lässt nicht locker. Pünktlich zum Fifa-Reformkongress kündigt Chefanklägerin Loretta Lynch Anklagen gegen 16 weitere Funktionäre an – aber das ist längst noch nicht alles.

          Nach außen hin gibt sich Loretta Lynch stets höflich und charmant, aber die amerikanische Justizministerin kann knallhart sein. Nachdem sie die Journalisten bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (Ortszeit) in Washington eine Stunde hat warten lassen, entschuldigt sich die Frau im goldglänzenden Oberteil erst überschwänglich – und holt dann zum brachialen Rundumschlag gegen die Fifa aus.

          Weitere 16 hochrangige Funktionäre klagt die Generalstaatsanwältin an, auf 236 Seiten hat ein Gericht in New York die Vorwürfe detailliert aufgelistet. Der Chef der amerikanischen Steuerbehörde IRS, Richard Weber, sprach von einem „weiteren guten Tag für Fußballfans auf der ganzen Welt“.

          Unter den neuen Beschuldigten sind unter anderem das ehemalige Exekutivmitglied des Weltverbandes, Ricardo Teixeira, der brasilianische Verbandspräsident Marco Polo del Nero (der seinen Posten vorerst ruhen lässt) und das ehemalige Fifa-Exekutivmitglied Rafael Salguero aus Guatemala. Die Beschuldigten sollen in Bestechung- und Korruptionsdelikte in Höhe von etwa 200 Millionen Dollar verwickelt sein. „Sie alle werden uns nicht entkommen", sagte Lynch. Sie erklärte, am Morgen hätten sich acht Angeklagte schuldig bekannt, fünf von ihnen hätten nicht zu den ursprünglichen Angeklagten gehört.

          Am Donnerstagmorgen waren in Zürich die Fifa-Vizepräsidenten Juan Angel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit Banegas aus Honduras verhaftet worden. Unter den von den Behörden der Vereinigten Staaten bekanntgegebenen 16 Namen – allesamt Süd- und Mittelamerikaner – sind Napout und Hawit Banegas die einzigen mit derzeit hochrangigen Fifa-Ämtern.

          „Unglaublich“ sei das Ausmaß der Korruption, wettert Lynch – um dann wieder freundlich lächelnd und geduldig die vielen Fragen der Journalisten zu beantworten. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate hat diese zierliche Frau der als Männer-Klub verschrienen Fifa gerade die Show vermasselt, erst mit den Festnahmen vor dem Kongress im Mai, nun mit der Razzia am Tag der Reformdebatte. Dabei gehe es Lynch gar nicht um den großen Show-Effekt und Schlagzeilen, sagen Beobachter und Kollegen. Sie sei eher zurückhaltend und müsse zu Pressekonferenzen oft überredet werden.

          Das Vorgehen der Strafermittler sei zudem rein pragmatisch – wenn die Fifa-Funktionäre sich alle in Zürich treffen, wissen die Ermittler, wo sie sind, und können leicht zugreifen. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass die amerikanische Justiz eine kopflos agierende Fifa vor sich her treibt. Die amerikanischen Behörden verlangen die Auslieferung der angeklagten Funktionäre – und die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen, wie Lynch betont.

          Lynch: „Sie können die Sache nicht aussitzen“

          „Die Botschaft dieser Mitteilung sollte jedem schuldhaften Individuum klar sein, das im Dunklen bleibt, in der Hoffnung, sich unseren Untersuchungen entziehen zu können: Sie können die Sache nicht aussitzen, sie werden unserem Fokus nicht entkommen.“ Auch die Zukunft der Fifa zweifelt Lynch offen an. Man sorge sich um die „Lebensfähigkeit der Organisation in der Zukunft“ und auch um die Aufrichtigkeit ihrer Bemühungen für einen Wandel.

          Warum gerade Lynch und die amerikanische Justiz in diesem Fall so knallhart vorgehen, scheint für europäische Beobachter auf den ersten Blick verwunderlich, aus Sicht der amerikanischen Behörden ist es aber klar. Jahrelang ermittelt das FBI schon in der Sache, Lynch übersah den Fall bereits in ihrer vorherigen Position als Staatsanwältin in Brooklyn.

          Die amerikanischen Justizbehörden sehen sich auch als Weltpolizei und weil illegale Gelder auch durch Banken mit Sitz in New York flossen, konnten sie sich des Falls annehmen. „Wenn Kriminelle ihre korrupten Aktivitäten in unser Land und zu unseren Banken bringen, dann müssen sie sich an unsere Regeln halten“, sagt Diego Rodriguez vom FBI bei Lynchs Pressekonferenz.

          In den Vereinigten Staaten hat die Sportart zudem bei weitem nicht die Aura des Heiligen und Unantastbaren, die sie in extrem Fußball-begeisterteren Ländern manchmal bekommt. Und der Fall bietet Lynch, der ersten afro-amerikanischen Justizministerin, die es in ihrer Karriere schon häufiger mit den ganz Reichen und Mächtigen unter anderem an der Wall Street aufgenommen hat, die Chance zur Profilierung. Schließlich ist sie erst seit April offiziell Justizministerin und hat den Job erstmal nur bis zum Ende von Obamas zweiter Amtszeit Ende 2016 sicher.

          „Ein Affront gegen internationale Prinzipien“

          Bis dahin hat sie in Sachen Fifa noch viel vor. „Die Justizbehörden fühlen sich verpflichtet, dieser ungezügelten Korruption, die wir inmitten der Führungsebene des internationalen Fußballs entdeckt haben, ein Ende zu bereiten – nicht nur wegen des Ausmaßes, der Dreistigkeit und des Umfangs, die gebraucht werden, um solche Korruption aufrecht zu erhalten, sondern auch weil dieses Verhalten einen Affront gegen internationale Prinzipien darstellt.“

          Die 16 beschuldigten Funktionäre

          Offizielle des Mittelamerikanischen Verbandes Concacaf:

          Alfredo Hawit: Früherer Fifa-Vizepräsident, Exekutiv-Mitglied, Concacaf-Vize-Präsident und Präsident des Fußballverbandes von Honduras

          Ariel Alvarado: Mitglied des Fifa-Disziplinar-Komittees, ehemaliger Fußball-Präsident Panamas.

          Rafael Callejas: Mitglied des Fifa-TV und Marketing Komitees, Präsident der Republik Honduras.

          Brayan Jiménez: Mitglied des Fifa-Fair-Play-Komitees und Präsident des Fußballverbandes von Guatemala.

          Rafael Salguero: Früheres Fifa-Exekutiv-Mitglied und ehemaliger Präsident des Fußballverbandes von Guatemala.

          Héctor Trujillo: Generalsekretär des Fußballverbandes von Guatemala und Richter am Verfassungsgericht des Landes.

          Reynaldo Vasquez: Früherer Präsident des Verbandes von San Salvador
           

          Offizielle des Südamerikanischen Verbandes Conmebol:

          Juan Ángel Napout: Fifa-Vizepräsident und Exekutivmitglied, Concacaf-Präsident und ehemaliger Verbandspräsident Paraguays

          Manuel Burga: Manuel Burga: Mtglied des Fifa-Entwicklungskomitees, früherer Verbandspräsident Perus

          Carlos Chávez: Conmebol-Schatzmeister, früherer Verbandspräsident Boliviens 

          Luís Chiriboga: Verbandspräsident Ecuadors und Conmebol-Exekutivmitglied.

          Marco Polo del Nero: Brasilianischer Verbandspräsident, bis zum Rücktritt am 26. November Mitglied der Fifa-Exekutive

          Eduardo Deluca: früherer Conbemol-Generalsekretär 

          José Luis Meiszner: Derzeitiger Conmebol-Generalsekretär

          Romer Osuna: Mitglied des Audit und Compliance Kommitee der Fifa, früherer Conmebol-Schatzmeister

          Ricardo Teixeira: Ehemaliger Verbandspräsident Brasiliens und früheres Fifa-Exekutivmitglied.

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