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150.000 Tickets verkauft : Europarekord für Lok Leipzig

Das „Bruno“ in Leipzig: Aus Sicherheitsgründen dürfen nur 10.900 Zuschauer rein. Bild: Stefan Locke

Im Kampf gegen Corona setzt Lok Leipzig auf die Unterstützung seiner Fans und verkauft Eintrittskarten für ein imaginäres Spiel gegen einen „unsichtbaren Gegner“. Die Nachfrage ist überwältigend.

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          Volle Stadien sind der Traum eines jeden Fußballfans, werden sie doch mit Festtags-Stimmung und tollen Spielen assoziiert, gerne sogar mit Sternstunden des Fußballs. Davon ist der Sport im Zeitalter der Saison-Unterbrechung und Geisterspiel-Diskussion aktuell weiter entfernt als je zuvor. Dennoch ist dem Regionalliga-Verein Lok Leipzig nun ein Zuschauerrekord gelungen.

          Da der ostdeutsche Kultklub sich derzeit im Würgegriff einer unsichtbaren Gefahr wähnt, dem Coronavirus, hat die Vereinsführung unter dem Motto „Leute, macht die Bude voll!“ eine Spendenaktion initiiert und Eintrittskarten für das imaginäre Spiel gegen einen „unsichtbaren Gegner“ am 8. Mai angeboten. Ziel war es ursprünglich, nur einen Stadionrekord aufzustellen. Dieser datierte noch aus dem Jahr 1955, als beim Gastspiel von Bayern München gegen den SC Rotation Leipzig 55.000 Zuschauer im Bruno-Plache-Stadion, das allgemein „Bruno“ genannt wird, einem 1:1 beiwohnten. Diese Marke wurde locker genommen.

          Ein Ticket kostet einen Euro

          Nächstes Ziel sollte ein Stadtrekord sein: 1987 spielte Lok im Europapokal der Pokalsieger, und empfing im Halbfinal-Rückspiel Girondins Bordeaux im Zentralstadion. Offiziell 73.000 Zuchauer, nach Schätzungen aber weit über 100.000, erlebten an jenem 22. April tatsächlich eine Sternstunde, denn die Leipziger zogen nach einem 6:5 im Elfmeterschießen ins Endspiel ein – und den entscheidenden Treffer drosch auch noch ihr Torwart René Müller mit Vollspann vom Punkt ins Netz.

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          Von solch glorreichen Zeiten sind die „Eisenbahner“ aus dem Stadtteil Probstheida derzeit weit entfernt, aber immerhin rangierte Lok bei Abbruch der aktuellen Saison auf dem zweiten Platz der Regionalliga Nordost. Und Zuschauer locken sie auch noch an – zumindest wenn die Tickets für einen Euro zu haben sind.

          An diesem Donnerstag, Stand 13.28 Uhr waren 151.467 Eintrittskarten für das virtuelle Spiel gegen den unsichtbaren Gegner verkauft. Damit wurde nicht nur der Deutsche Rekord übertroffen, sondern sogar ein Europarekord aufgestellt. Der datierte bislang aus dem Jahr 1937, als 149.547 Zuschauer im Hampden Park in Glasgow das „echte“ Duell zwischen Schottland und England verfolgten.

          Pjöngjang oder Rio de Janeiro?

          Bleiben als nächstes Ziel nur noch der Weltrekord, wobei die überlieferte Datenbasis etwas schwammig ist. So meldet Pjöngjang für eine Darbietung von 1995 im Rungrado May Day Stadium 190.000 Zuschauer. Wobei Nordkorea zwar als Nation mit Vorliebe für Massenversammlungen, aber nicht gerade als Fußballgroßmacht bekannt ist und die Validität der Zahlen im Kim-Reich auch schwer zu überprüfen sind – offiziell fasst das Stadion des 1. Mai sowieso nur 113.000 Plätze.

          Sehnsuchtsort und Zuschauerrekordstätte gleichermaßen: Das „Maracana“ in Rio de Janeiro
          Sehnsuchtsort und Zuschauerrekordstätte gleichermaßen: Das „Maracana“ in Rio de Janeiro : Bild: AP

          Bleibt das legendäre „Maracana“ in Rio de Janeiro als maßgebende Marke, die es zu übertreffen gilt. Beim „Maracaneo“, dem Schock von 1950, als Brasilien den sicher geglaubten WM-Titel zu Hause mit einer 1:2-Niederlage gegen Uruguay noch verspielte, litten offiziell 173.850 Menschen als Augenzeugen mit. Anderen Zählungen zufolge sollen sogar 199.854 oder 203.851 das Drama live miterlebt haben. Als Weltrekord sicher verbrieft gelten dagegen die 183.513, die am 21. März 1954 den 4:1-Sieg in der WM-Qualifikation der Selecao gegen Paraguay bejubelten.

          Da der Vorverkauf in Leipzig noch ein paar Tage läuft, dürfte auch diese Hürde genommen werden. Die Tickets sind im offiziellen Fanshop des Klubs zu erwerben. Und wer will, kann sogar mehr als eine Karte kaufen, und damit die Folgen der Coronakrise für den Klub etwas abfedern. Im echten Fußballleben sieht es übrigens nicht ganz so stimmungsvoll bei Lok aus. Die Darbietungen des Regionalliga-Teams haben in dieser Saison bislang 38.702 Zuschauer gesehen – in allen zwölf Heimspielen zusammen wohlgemerkt. Somit liegt der Schnitt laut Fupa.Net gerade mal bei 3.225. Das „Bruno-Plache-Stadion“, benannt nach einem Arbeitersportfunktionär, war 1922 übrigens für 40.000 Leute konzipiert worden. Rein dürfen aus Sicherheitsgründen aber nur noch 10.900.

          Live-Übertragung des digitalen Sspiels

          Lok Leipzig erhält für sein imaginäres Spiel in der Corona-Krise weitere Unterstützung. Wie der digitale Sponsoring-Marktplatz Sponsor.online am Donnerstag mitteilte, wird der Videospielentwickler Sports Interactive digitaler Partner der Partie gegen einen „unsichtbaren Gegner“. Das imaginäre Spiel soll am 8. Mai von 20.15 Uhr an auf den Social-Media-Plattformen der Leipziger übertragen werden. (sid)

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