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Löws Experimente : Spezialisten gesucht

Löw sucht, findet sie aber nicht: Stoßstürmer und Spieler auf den Außenpositionen Bild: Reuters

Die gelobte deutsche Nachwuchsarbeit zeigt ihre Schwächen. Es fehlt die Vielfalt. Es ist kein klassischer Stürmer in Sicht. Und auf den Außenpositionen hängen die Flügel. Löw muss weiter experimentieren.

          Die Auswahl auf der deutschen Ersatzbank war in Dublin nicht groß. Auf den Ausfall von Götze kam der in der Bundesliga schwächelnde Schürrle, auf das irische Gegentor folgten Bellarabi und Volland. Da kann man eine Trendwende nicht unbedingt erwarten. Dass sich der frühere Torwart Lehmann als Fernsehexperte den Frankfurter Meier wünschte, war kein Lösungsvorschlag, sondern nur ein weiterer Beleg für eine deutsche Leerstelle: den sogenannten klassischen Stoßstürmer, den Lewandowski in München so erfolgreich wie für Polen verkörpert.

          Diesen Verlust zu beklagen ist ermüdend. Das geht schon seit Jahren so. Und nichts ändert sich. An solchen Tagen jedoch, wie beim 0:1 gegen ein spielerisch und taktisch stark limitiertes Team wie Irland, springen die Defizite der immer etwas zu hoch gelobten deutschen Nachwuchsarbeit besonders ins Auge. Die auf Pass- und Anpassungsfähigkeit gründende deutsche Ausbildungsidee hat ihre Spuren hinterlassen. Es fehlt die Vielfalt. Der klassische Stürmer à la Lewandowski, dem die Fußballwelt zu Füßen liegt, ist viel zu lange nicht gefördert und in seiner Spielweise bestärkt worden.

          Löw kann sich nicht am Markt bedienen

          Gesucht werden nun, wie überall in Deutschland, die Spezialisten. Und das nicht nur im Sturm. Vor allem auf den Außenpositionen herrscht eklatante Armut. Extraklasse durch jahrelange individuelle Ausbildung ist nicht in Sicht. Und der Bundestrainer kann eben nicht, wie Guardiola, dem Mangel auf dem Markt begegnen – und mit klugen Verpflichtungen wie von Costa und Coman die Außenpositionen neben Robben und Ribéry gleich doppelt besetzen. Natürlich mit ausländischen Spielern – das muss man gar nicht mehr hinzufügen.

          In Deutschland lässt das klassische Flügelspiel, vorne wie hinten, weiterhin die Flügel hängen. Es bleibt ein Rätsel, weshalb der DFB (und die Vereine) es in über zehn Jahren nicht geschafft haben, neben Lahm auch nur einen einzigen Außenverteidiger von Weltklasse hervorzubringen. Dass ist angesichts der vielen Talente und den vielen Millionen eine ganz eigene Leistung.

          DFB-Sportdirektor Flick ist, wie vielen anderen Experten in den Klubs, diese Schwäche hinlänglich bekannt. Er will umsteuern. Als Löws Assistent hatte er selbst vergeblich nach dieser ausgestorbenen Spezies gefahndet. Auf die Schnelle werden sich diese Schwierigkeiten dennoch nicht lösen lassen, auch nicht bis zur EM 2016. Löw wird also weiter experimentieren und improvisieren müssen. Etwas anderes bleibt dem Bundestrainer nicht übrig.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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