https://www.faz.net/-gtl-9cfq4

Gespräch in DFB-Zentrale : Löw und Bierhoff bei WM-Krisengipfel

  • Aktualisiert am

Blickt etwas skeptisch drein: Bundestrainer Joachim Löw bei seiner Ankunft an der DFB-Zentrale in Frankfurt. Bild: dpa

Nach dem WM-Debakel ging es für die DFB-Akteure erst mal in den Urlaub. Deutlich früher als erwartet treiben sie nun jedoch die Analyse des Scheiterns voran. Die Chefs der Landesverbände wurden aufgefordert zu schweigen.

          Schwarzes T-Shirt, schwarze Hose, weiße Turnschuhe und das Handy fest in der Hand. Joachim Löw hat seine Auszeit genau drei Wochen nach dem historischen WM-K.o. beendet. Mit beschwingtem Schritt marschierte der Bundestrainer am Mittwoch wortlos zum Krisengipfel in die DFB-Zentrale. Mit Oliver Bierhoff und seinen Assistenten will der Bundestrainer in Frankfurt bei einem Zwei-Tage-Meeting die von der DFB-Spitze geforderte Analyse des Scheiterns der Fußball-Nationalmannschaft vorantreiben. Ein Aufeinandertreffen mit Verbandsboss Reinhard Grindel steht dabei aber nach DFB-Angaben noch nicht auf der Tagesordnung.

          Das Treffen der in Russland entzauberten Löw-Crew ist Teil des vereinbarten Aufarbeitungsprozesses, an dessen Ende der Chefcoach und Teammanager Bierhoff bis zum 24. August die Grundlagen für einen Neuanfang des gestürzten Weltmeister-Teams präsentieren müssen. An Themen mangelt es Löw nicht. Nicht nur zur brisanten Causa um den zum Erdogan-Fall schweigenden Mesut Özil muss der DFB-Chefcoach Antworten finden. „Gravierende Veränderungen“ im viel kritisierten Nationalmannschafts-Orbit hatte Grindel angemahnt.

          An der Abgabefrist des mit Spannung erwarteten Berichts pünktlich zum Tag des Bundesliga-Auftakts in München ändere sich nichts, hieß es vom DFB. Schon zwei Wochen später startet die Nationalmannschaft am 6. September in München ausgerechnet gegen den neuen Weltmeister Frankreich in der Nationenliga in die nächste Länderspielsaison.

          Kritische Stimmen sollen schweigen

          Der DFB versucht seiner WM-Krise derweil weiter mit ungewöhnlichen Mitteln Herr zu werden. Kritische Stimmen zum Beispiel von der Amateurbasis werden dabei offenbar gezielt verhindert. Nach den missbilligenden Äußerungen des sächsischen Fußballverbandschefs Hermann Winkler zur Vertragsverlängerung von Löw kurz vor der WM bekamen dessen Kollegen aus den weiteren Landesverbänden freundlich, aber bestimmt einen Maulkorb verpasst. Demnach habe der DFB darum gebeten, vor einer turnusgemäßen Zusammenkunft der Landeschefs am Donnerstag von Stellungnahmen abzusehen, hieß es am Mittwoch von mehreren Funktionären.

          Löw hatte letztmals gleich nach der Rückkehr aus Russland am Frankfurter Flughafen öffentlich gesprochen. „Es gibt ja nicht nur einen Grund oder die einzige Sache, die zum Scheitern beigetragen hat, es gibt ja mehrere Gründe, die müssen wir aufarbeiten. Das ist meine Verantwortung, das zu tun“, hatte er bei einer improvisierten Pressekonferenz gesagt. Anschließend war er in Freiburg beim Plausch mit Freunden in einem Café abgelichtet worden.

          Wenige Tage später bekundete Löw dann seinen Willen, den gerade erst bis zur WM 2022 ausgedehnten Vertrag erfüllen zu wollen. „Ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten. Ich werde gemeinsam mit meinem Team analysieren, Gespräche führen und zum Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen“, wurde der 58-Jährige am 3. Juli in einer Pressemitteilung des DFB zitiert.

          Grindel hatte mit Rückendeckung des gesamten DFB-Präsidiums Löw und Bierhoff schon zuvor das Vertrauen ausgesprochen und das Duo auch mit der Aufarbeitung des WM-Debakels beauftragt. In Russland hatte das DFB-Team nur gegen Schweden 2:1 gewonnen und nach Niederlagen gegen Mexiko (0:1) und Südkorea (0:2) erstmals in der WM-Geschichte die Vorrunde nicht überstanden.

          Während Löw gut zwei Wochen gar nicht in Erscheinung trat, heizten Bierhoff und Grindel mit umstrittenen Aussagen über Özil die Debatte sogar noch an. Bierhoff implizierte, dass man auf den verunsicherten Spielmacher wegen dessen Erdogan-Fotos hätte verzichten sollen. Grindel forderte eine öffentliche Erklärung als Bedingung für die Fortsetzung der DFB-Karriere ein. Für diese Sündenbock-Politik war das Duo massiv kritisiert worden.

          Für Aufsehen sorgte zudem Ehrenspielführer Philipp Lahm mit seinen Ratschlägen an Löw zu einem strengeren Umgang mit jungen Nationalspielern. Ruhe kehrte für den DFB bislang nicht ein. Täglich äußerten sich aktuelle und ehemalige Fußball-Größen – so auch am Mittwoch, als Rudi Völler und Jürgen Klopp wiederum die Lahm-Aussagen zurückwiesen.

          Weitere Themen

          Freiburg überholt den FC Bayern

          3:0 gegen Hoffenheim : Freiburg überholt den FC Bayern

          Drei Siege in vier Spielen – das Freiburger Team von Christian Streich zeigt auch nach der Länderspielpause eine erstaunliche Frühform und klettert in der Tabelle auf Platz drei. In Hoffenheim herrscht dagegen Ernüchterung.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakts : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll der Klimapakt beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Salvini lässt sich am Sonntag von seinen Anhängern in Pontida feiern.

          Lega-Treffen in Pontida : Die Jagdsaison ist eröffnet

          Nach seiner Niederlage ist Matteo Salvini wieder in Angriffslaune. Bei einem Treffen der Lega ruft er zum Sturz der Linkskoalition auf. Die Stimmung in Pontida ist bei spätsommerlichem Wetter in jeder Hinsicht aufgeheizt.

          NPD-Ortsvorsteher in Hessen : Ein netter Kerl

          In einem Dorf wird ein NPD-Mann zum Ortsvorsteher gewählt. Die Aufregung ist groß, im Ort selbst findet man das nur halb so wild. Eindrücke aus Altenstadt-Waldsiedlung.

          IAA : Draußen Protest, innen leuchtende Männeraugen

          Wo der SUV noch artgerecht gehalten wird: Unsere Autorin war auf der Automesse unterwegs. Die Autohersteller reagieren auf den zunehmenden Druck mit ihrer elektrischen Charmeoffensive – die Publikumsmagneten findet man jedoch an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.